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Kategorie: Partizipation heißt auch mitentscheiden – Isabell Fiedler, Kunstmeile Krems

Partizipation heißt auch mitentscheiden – Isabell Fiedler, Kunstmeile Krems

Isabell Fiedler hat 2018 die Leitung der Kunstvermittlung auf der Kunstmeile Krems übernommen. In dieser Funktion betreut sie die Landesgalerie Niederösterreich, die Kunsthalle Krems, das Karikaturmuseum Krems, das Forum Frohner, die Artothek Niederösterreich und AIR – ARTIST IN RESIDENCE Niederösterreich. Am Institut für Kulturkonzepte absolvierte sie 2005 die Sommerakademie und zwei Jahre später den Universitätslehrgang Kultur & Organisation.

Nun beantwortet sie uns 5 Fragen zu ihrem Job und verrät, wie sich die Arbeit von VermittlerInnen durch neue Medien und den immer stärker werdenden Fokus auf Partizipation verändert.

Dein Job in einfachen Worten: Wie hasdu deinen Eltern erklärt, worin deine Arbeit besteht?

Ich unterstütze Menschen jeden Alters, einen persönlichen Zugang zu Kunst und Kultur zu finden. Dafür entwickle ich für die Museen der Kunstmeile Krems mit meinem wunderbaren Team vielfältige Vermittlungsformate wie Führungen, Workshops, Veranstaltungen, Projekte, Drucksorten, Videos und Audioguides.

Welche Aufgaben und Tätigkeiten liebst du dabei besonders?

Mein Aufgabenfeld ist ein sehr breites und abwechslungsreiches: Die Kunstvermittlungsabteilung auf der Kunstmeile Krems betreut sechs Institutionen und umfasst auch das Besucherservice und die Artothek Niederösterreich. Dementsprechend vielfältig sind die Ausstellungen und Projekte, die wir vermitteln und umsetzen. Sehr interessant und bereichernd ist dabei auch die Zusammenarbeit mit Kolleg/innen, Künstler/innen und Projektpartner/innen.

Spannend ist ebenso, sich mit neuen Theorien und Methoden der Kunstvermittlung sowie gesellschaftlichen und medientechnologischen Entwicklungen auseinanderzusetzen. Wie können wir diese in die eigene Arbeit integrieren?

Welche Veränderungen der letzten 25 Jahre wirken sich auf dich und deinen Arbeitsalltag aus, wie zum Beispiel die Digitalisierung?

Der Stellenwert, der Wirkungsbereich und das Anforderungsprofil der Kunstvermittlung haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Eigene Vermittlungsabteilungen nehmen innerhalb der Institutionen einen zentraleren Stellenwert ein und arbeiten eng mit anderen Abteilungen zusammen. Neben Führungen und Workshop treten partizipative und interdisziplinäre Formate und Projekte zunehmend in den Vordergrund. Die Hinwendung zu unseren Interaktionspartner/innen und die Berücksichtigung ihrer Meinungen und Bedürfnisse werden dabei immer wichtiger.

Ein schönes Bespiel dafür ist das Partizipationsprojekt #MyMuseum, das wir für die Eröffnung der Landesgalerie Niederösterreich im Mai 2019 realisiert haben. Wir haben alle Menschen in Niederösterreich gefragt, was sie von ihrem neuen Museum erwarten. Dafür sind wir mit dem Direktor und Kurator der Landesgalerie durch ganz Niederösterreich getourt. Das finale Highlight des Projektes war eine Ausstellung der Werke der Teilnehmenden im Museum sowie die Präsentation in einem Katalog und einer Online Galerie.

Die Digitalisierung prägt die Kunstvermittlung in Österreich aktuell sehr stark. Einerseits zieht die digitale Kunst in die Museen ein und verlangt nach einer entsprechenden Vermittlung. Andererseits setzt die Vermittlung zunehmend digitale Medien ein, um ihre Interaktionspartner/innen im Museumsraum (onsite & offsite) zu erreichen. Wichtig ist bei all den Entwicklungen, die Objekte der Ausstellung als zentrale Bezugspunkte zu definieren. Digitale Medien sollten nie um ihrer selbst eingesetzt werden.

Das Institut für Kulturkonzepte ist für mich … 

DAS Kompetenzzentrum für Kulturmanagement und Kunstvermittlung. Sehr gerne erinnere ich mich an meine Zeit am Institut zurück.

Was können Kunst und Kultur in deinen Augen in der heutigen Gesellschaft bewirken?

Kunst und Kultur öffnen uns neue Perspektiven auf die Welt und uns selbst. Sie regen zur Auseinandersetzung mit wichtigen Themen an, lösen Diskurse aus, zeigen Möglichkeiten und Vision auf. Zudem verbinden sie Menschen. Gute Kunstvermittlung kann diese Prozesse in Gang setzen und unterstützen.

Ein aktuelles Programm der Kunstmeile Krems ist ABENTEUER MUSEUM! Das Projekt macht das Museum als Ort für neue Begegnungen und Erfahrungen erlebbar. Zusätzlich zum FREIEN EINTRITT ermöglicht es Schulklassen, Kindergartengruppen und Horten aus Niederösterreich die Buchung eines KOSTENFREIEN VERMITTLUNGSFORMATS nach Wahl. Alle Programme stehen in Bezug zu den Lehrplänen sowie aktuellen sozio-kulturellen und medientechnologischen Entwicklungen.

Foto: Kunstvermittlung Kunstmeile Krems
Foto: Kunstvermittlung Kunstmeile Krems
Kategorie: Lernen von den Jüngsten! Kinder- & Jugendmuseen als Inspiration für eine zeitgemäße Museumspraxis

Lernen von den Jüngsten! Kinder- & Jugendmuseen als Inspiration für eine zeitgemäße Museumspraxis

Ein Beitrag von Andrea Zsutty

Das Jahr 2019 ist ein freudiges für das Institut für Kulturkonzepte: 25 Jahre werden gefeiert! Dass der Lehrgang Kulturvermittlung bereits seit 12 Jahren als zentrales Aus- und Weiterbildungsangebot am Institut verankert ist, sehe ich als große Bestätigung und motiviert mich, mit unseren Themen und Methoden weiterhin zukunftsweisend zu arbeiten.

Ein weiteres, wichtiges Jubiläum wird heuer begangen: Vor 120 Jahren wurde das weltweit erste Kindermuseum, das Brooklyn Children’s Museum, in New York eröffnet. Dies möchte ich zum Anlass nehmen, einen Blick darauf zu werfen, was zeitgemäße Museums- und Vermittlungspraxis aus den Erfahrungen der Kinder- und Jugendmuseen lernen kann.

Pssst! Codes und Rituale

Ich möchte ein Erlebnis schildern, das verdeutlicht, in welchem Handlungsraum wir uns als KulturnutzerInnen oft befinden. Ein klassisches Konzert in einem traditionellen Musiksaal, vorwiegend interessiertes Publikum, das mit dem Werk vertraut ist – soweit ein bekanntes Setting. Im Saal befindet sich ein Kind, das zu klatschen beginnt, nachdem die MusikerInnen den ersten Satz beendet hatten. Sofort wird mit einem „Pssst“ die Beifallshandlung unterbunden. Die als allgemein bekannt vorausgesetzte Vereinbarung über einen bestimmten Verhaltenskodex ist dem Kind weder geläufig, noch ist ihm bewusst, dass dieser überhaupt existiert. Diese Szene ist in ähnlicher Weise ebenso denkbar in Museumsräumen, Theaterhäusern oder Literaturstätten mit AkteuerInnen jeden Alters.

Und genau an diesem Punkt kann ein Gestaltungsprozess einsetzen, wenn wir darüber nachdenken, wie wir unsere Kulturinstitutionen zu attraktiven und sozialen Orten für Menschen aller Altersstufen und aller sozialen und kulturellen Schichten machen. Welche Codes brauchen wir überhaupt? Was, wenn tradierte Verhaltensweisen verändert oder verworfen werden? Droht dann wirklich der Untergang unseres kulturellen Erbes? Oder eröffnet sich dadurch eine Chance auf eine Neuverhandlung, mit dem Ziel eine tragfähige Beziehungsebene zwischen Institution und Publikum herzustellen? Kinder- und Jugendmuseen zeigen schon lange, wie Niederschwelligkeit auf hohem Niveau praktiziert werden kann. Lernen wir von diesen Museen, wo „richtig“ und „falsch“, in Hinblick auf die Rezeptionsmöglichkeiten, keine zwingenden Kategorien sind. Lernen wir von diesen Museen, wo Teilhabe, eigenes Erfahren und Erleben Grundvoraussetzungen in der Konzeption darstellen. Lernen wir von Museen für Kinder und Jugendliche und versuchen wir, das Transferpotential, das in ihnen liegt, für alle Kulturinstitutionen zu nutzen.

Kunstvermittlung
Foto: Institut für Jugendliteratur

Vorbildwirkung Kinder- und Jugendmuseen

Entscheidende Diskussionen werden im Kulturbereich darüber geführt, wie sich Diversität, Interkulturalität, Teilhabe und Inklusion in der Kommunikation mit den Menschen und in der Programmgestaltung von Kulturinstitutionen abbilden können. Kinder- und Jugendmuseen, wie das ZOOM Kindermuseum in Wien, stellen mit ihren Expertisen hierfür fruchtbare Lehr- und Lernfelder dar, denn Kinder und Jugendliche stehen gesellschaftlich genau inmitten dieser Kreuzungspunkte. Das Bedürfnis nach individuellem Erleben und Erfahren ist aber nicht nur ein Merkmal junger BesucherInnen. In Zeiten, wo Individualismus als wichtiger Wert angesehen wird und der Begriff der Selbstverwirklichung immer umfassender verstanden wird, wollen Menschen direkte Erfahrungen machen. Das eigene Erleben rückt vermehrt ins Zentrum des Interesses. Der Begriff „Infotainment“ erscheint dabei oftmals als Schlüssel, um Zugänge zu scheinbar schwierigen Inhalten zu erhalten. Grundlegendes Element einer jeden zeitgemäßen und reflektierten Museums- und Vermittlungsarbeit ist stets die Auseinandersetzung mit Modellen des lebenslangen Lernens. Dies geschieht im Sinne von Erfahrungen machen, Neugierde wecken und erhalten und die eigene Motivation stärken, um sich selbständig mit (neuen) Inhalten zu beschäftigen. Unterhaltung und Information verbinden sich dabei ganz selbstverständlich zu einer natürlichen Einheit.

Nahezu jede Kulturinstitution in Österreich verfügt mittlerweile über spezielle Programme für Kinder und Jugendliche. Nicht nur, um das viel zitierte und hoffnungsvoll aufgeladene „Publikum von morgen“ an sich zu binden, sondern vermehrt auch mit der Erkenntnis gepaart, dass Kinder und Jugendliche bereits das Publikum von heute sind – über die auch weitere, erwachsene Publikumsgruppen erreicht werden können. Wesentliche Unterschiede bestehen allerdings zwischen Kulturinstitutionen, die in erster Linie als Institutionen für Erwachsene konzipiert wurden und sich nachträglich durch gezielte Angebote an Kinder und Jugendliche wenden, und jenen Einrichtungen, die von Beginn an auf Kinder und Jugendliche als zentrales Publikum ausgerichtet sind. Während die einen oft noch am Aufbrechen alter, tradierter Strukturen arbeiten, zeigen die anderen bereits Möglichkeiten und Wege auf, wie eine zeitgemäße Aufbereitung von Inhalten aussehen kann. Aktive, selbständige und eigeninitiativ handelnde NutzerInnen von Kultureinrichtungen brauchen direkte Kommunikationsangebote und ernst gemeinte Einladungen zur Teilhabe. Deutungshoheit und Hierarchien müssen seitens der Institutionen abgegeben und abgebaut werden. Wenn dies als verbindliche Basis für ein wertschätzendes und fruchtbares Miteinander angesehen wird, erreichen wir die Menschen, die wir zu unseren Angeboten einladen wollen. Wird diese Basis jedoch nicht geschaffen, verlieren die Kulturinstitutionen den Kontakt zu den BesucherInnen von heute und werden das Publikum von morgen erst gar nicht erreichen.

Lernen wir daher von den Errungenschaften, die im Bereich der Kinder- und Jugendmuseen* bereits erzielt wurden und entwickeln wir daraus Visionen für neue Wege der Beteiligung von möglichst vielen Menschen an Kunst und Kultur.

*Kindermuseen weltweit: Association of Children’s Museum, Vereinigung europäischer Kindermuseen

Andrea Zsutty Kulturvermittlung Instiut für Kulturkonzepte
Andrea Zsutty

Andrea Zsutty ist Kunsthistorikerin und widmet sich seit 1996 der Kunstvermittlung. Im Bank Austria Kunstforum leitet sie die Abteilung für Kunstvermittlung, im Institut für Kulturkonzepte ist sie Lehrgangsleiterin für Kulturvermittlung, wo sie auch seit vielen Jahren unterrichtet. Als selbständige Kunst- und Kulturvermittlerin war sie in verschiedenen Ausstellungshäusern und Museen tätig, wie dem Palais Harrach, der Generali Foundation, dem Kunsthaus Köflach sowie dem KUNSTHAUSSUDHAUS Villach. Außerdem ist sie Redakteurin für diverse ORF TV-Formate.

Die nächsten Seminare mit Andrea Zsutty sind Grundlagen der Kulturvermittlung (1.-2. März 2019) und Vermittlungsprojekte (5.-6. April 2019). Melden Sie sich bei Interesse rasch an – die TeilnehmerInnen-Anzahl ist begrenzt!

Kindermuseen Andrea Zsutty 25 Jahre Kulturkonzepte
Foto © Ouriel Morgensztern | Belvedere
Kategorie: Kulturfairmitteln – Round Table Personalentwicklung #4 2018

Kulturfairmitteln – Round Table Personalentwicklung #4 2018

Ein Beitrag von Ulli Koch

KulturvermittlerInnen sind eine tragende Säule für Kulturbetriebe. Doch ihr Standing innerhalb eines Hauses ist nicht immer gesichert. Zu oft werden sie nicht oder nicht ausreichend von den jeweiligen Institutionen angestellt. Zu oft können sie nicht oder nur schwer eine Lebensplanung vornehmen, die über ein Kalenderjahr hinausgeht. Zu oft leben sie in prekären Verhältnissen, dessen finanzielle Unsicherheit sich auch auf die Gesundheit niederschlägt. Doch es geht auch anders, gesicherte Anstellungen sind möglich und tragen zudem zur Qualitätssteigerung in den Kulturbetrieben bei. Warum das so ist und welche Benefits der Kulturbetrieb von Anstellungen hat, legt Wencke Maderbacher im November beim Round Table Personalentwicklung des Instituts für Kulturkonzepte dar. Dieses Mal fand der Round Table unter der netten Gastfreundschaft von KulturKontakt Austria in dessen Räumlichkeiten in der Universitätsstraße statt und erfreute sich über 20 TeilnehmerInnen aus den unterschiedlichsten Kulturorganisationen, die angeregt über das Thema diskutierten.

Der Grundstein für Wencke Maderbachers Engagement für die Anstellung von KulturvermittlerInnen hat der Lehrgang Kulturmanagement am Institut für Kulturkonzepte gelegt. Damals noch im Technischen Museum Wien in der Kulturvermittlung tätig, hat sie sich dafür eingesetzt, dass die KulturvermittlerInnen angestellt werden, und hat somit einen Change-Prozess in Gang gesetzt. Niedergeschrieben findet sich dieser in ihrem Praxishandbuch „Kulturfairmitteln – Praxishandbuch Anstellung eines Kulturvermittlungs-Teams“, das 2015 vom Technischen Museum Wien publiziert wurde.

Round Table Personalentwicklung Kulturfairmitteln
Foto: Itta Francesca

Ausgangslage und falsche Annahmen

Um sich empirisch an das Thema Anstellung für KulturvermittlerInnen auseinanderzusetzen, hat Wencke Maderbacher, inzwischen auch bei ICOM CECA tätig, einem internationalen Netzwerk für Kulturvermittlung, eine österreichweite Umfrage unter Museen durchgeführt. Während in den Museen an sich 83 % aller MitarbeiterInnen eine feste Anstellung haben, sind es in den Kulturvermittlungs-Teams nur mehr 50 %. Argumentiert wird dies mit der schwankenden Buchungslage, die ein Planen unmöglich machen würde, schließlich bieten viele Museen als Serviceangebot, dass gebuchte Termine noch am selben Tag storniert oder überhaupt erst am Tag selbst gebucht werden können.

Ein weiterer Grund dafür ist die Annahme, dass Kulturvermittlung überwiegend von Studierenden und KünstlerInnen durchgeführt werden würde, die sich nicht fest an ein Haus binden möchten und gerade die freie Zeiteinteilung so schätzen würden. Fakt jedoch ist, dass 85 % aller KulturvermittlerInnen, die in den befragten Häusern tätig sind, Frauen mit einem akademischen Hochschulabschluss sind.

Sowohl für die Kulturbetriebe, als auch für die KulturvermittlerInnen hat diese Ausgangslage negative Konsequenzen: Fakt ist, dass instabile Arbeitsbedingungen zu Stress führen und die psychische wie physische Gesundheit verschlechtern. Getoppt wird dies durch eine immense Verschlechterung der Sozialversicherungslage, inklusive Einbußen bei der späteren Pension. Fakt ist zudem, dass Kulturbetriebe mit einer größeren Fluktuation rechnen müssen, wodurch wertvolles Wissen verloren geht und langfristige Planungen verhindert.

Round Table Personalentwicklung Kulturfairmitteln
Foto: Itta Francesca

Es geht auch anders

Wie Wencke Maderbacher eindrücklich nahelegt, sorgt eine fixe Anstellung des Kulturvermittlungs-Teams auf beiden Seiten zu einer Win-Win-Situation. Betrachten wir zunächst den Kulturbetrieb, so zeigt sich eine deutliche Erhöhung des Qualitätsstandards. MitarbeiterInnen, die eine fixe Anstellung haben, bringen ihr Wissen, ihre Kompetenzen und Ressourcen in den Kulturbetrieb ein. Noch mehr als zuvor werden sie zu einem Aushängeschild des Kulturbetriebs, die im direkten Publikumskontakt die Ansprüche und Haltungen des Museums nach außen tragen. Dazu trägt auch so etwas Simples wie eine personalisierte Mailadresse bei, die auch nach außen zeigt, dass es sich um ein Team handelt, das gemeinsam und möglichst gleichwertig für die Geschicke des Hauses verantwortlich ist.

Diese Vorteile wirken direkt auf die KulturvermittlerInnen ein, deren fester Arbeitsplatz ihnen ermöglicht, Vor- und Nachbereitungszeit im Haus selbst durchzuführen. Für Projekte, die im Haus umgesetzt werden, können fixe Teams zusammengestellt werden, die mit ihrem ExpertInnenwissen, das sie sich während der Projektvorlaufzeit erarbeiten, wesentlich zur Qualitätssicherung beitragen.

Round Table Personalentwicklung Kulturfairmitteln
Foto: Itta Francesca

Planung als wichtigster Schritt

Der für beide Seiten wohl größte Benefit ist die Planungssicherheit – auf individueller Ebene der KulturvermittlerInnen und auf Seiten des Kulturbetriebes. Dieser kann die bestehenden Angebote einer Evaluierung unterziehen und gemeinsam im Team neue oder adaptierte Angebote erschaffen. Er kann sich auch von bestehenden Angeboten trennen, wenn die Evaluierung im Team eine schlechte Buchungslage oder eine notwendige inhaltliche Veränderung ergibt.

Geplant werden muss zudem die Weiterentwicklung des Teams. Das bedeutet zum einen Teambuildingmaßnahmen durchzuführen, auch um gemeinsame Qualitätsstandards zu definieren, die vom Team getragen werden. Zum anderen muss der Kulturbetrieb definieren, welche Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten den einzelnen KulturvermittlerInnen angeboten werden kann, um sich beispielsweise in ein Themenspektrum zu vertiefen oder auch bei der kuratorischen Entwicklung eines Projekts beteiligt zu sein.

Was bei der Planung nicht vergessen werden darf, sind die notwendigen physischen Arbeitsplätze und notwendige Infrastruktur für die Teams. Wie, so eine Frage, die in der Diskussion gestellt wurde, kann ich Platz für MitarbeiterInnen schaffen, wenn ich nur ein begrenztes Raumkontingent zur Verfügung habe? Eine Möglichkeit dafür ist Desk-Sharing, bei der beispielweise zwei Teilzeitkräfte sich einen Schreibtisch teilen. Auch Home-Office Angebote, flexible Lösungen mit Laptops und kreative Nachdenkprozesse im Team können Antworten auf diese Frage sein.

Round Table Personalentwicklung Kulturfairmitteln
Foto: Itta Francesca

Anstellung ohne Budget?

Ein weiteres Argument, warum Kulturvermittlungs-Teams selten anstellt werden, begründet sich auf der finanziellen Lage von Kulturbetrieben, die schon länger und weiterhin zunehmend einer budgetären Not entgegenblicken. Daher ist es wichtig, dass das Projekt „Anstellung“ von der Geschäftsleitung aktiv mitgetragen wird. Zunächst kann dieses Projekt rein rechnerisch ein Minusgeschäft bedeuten, das auch gegenüber der Kulturpolitik und Öffentlichkeit argumentiert werden muss. Mit den Jahren – grob geschätzt innerhalb von fünf Jahren, wie das Beispiel Technisches Museum zeigt – rentiert sich dieses Projekt und der Verlust wandelt sich zu einem Gewinn.

An diese Budgetfrage anknüpfend, wird von den anwesenden DiskutantInnen des Round Tables eingeworfen, dass dies nur große Kulturbetriebe leisten können, während kleinere Vereine und Initiativen aufgrund ihrer noch prekäreren Lage eine Anstellung nicht einfach so vornehmen können. Dass es aber auch hier anders gehen kann, zeigt das in der Runde vorgestellte Beispiel von Theater Sommer Klagenfurt. Hier werden von Seiten der Geschäftsführung Sponsoringverträge mit Firmen abgeschlossen, die alleinig zur Deckung der Personalnebenkosten genutzt werden.

Round Table Personalentwicklung Kulturfairmitteln
Foto: Itta Francesca

Anstellung als Haltung

„Ein Unternehmen macht ein Statement, wenn es Anstellungen als wichtig erachtet“, wird von einer Person in die Diskussion eingeworfen und thematisiert damit, dass es sich beim Thema Anstellung auch um eine Haltungsfrage handelt. Anstellung bedeutet den MitarbeiterInnen eine größere Wertschätzung entgehen zu bringen, ihnen Verantwortungen zu erteilen und Arbeit fair zu honorieren. Es ist ein Change-Prozess innerhalb des Kulturbetriebes, der nur gelingen kann, wenn er gemeinsam von allen Beteiligten getragen wird.

 

Hier erfahren Sie, was das Institut für Kulturkonzepte noch zu Personalentwicklung anbietet – im Programm Der neue Kulturbetrieb.

Round Table Personalentwicklung Kulturfairmitteln
Foto: Itta Francesca

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