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Kategorie: Plan B kann zu Plan A werden! – Wie es nach dem Studienabschluss weitergeht

Plan B kann zu Plan A werden! – Wie es nach dem Studienabschluss weitergeht

Ein Beitrag von Daniela Wittinger, in Kooperation mit Uniport – Karriereservice Universität Wien

Daniela Wittinger ist Systemischer Coach und Karriere-Beraterin bei Uniport, das am 12. Juni 2019 den Karrieretag House of Jobs veranstaltet. Auch das Institut für Kulturkonzepte wird dort vertreten sein und lädt Personalverantwortliche aus Kulturinstitutionen zum Gespräch ein.

Heute gibt euch Daniela Wittinger motivierende Ratschläge zu eurer Jobsuche:

Abschluss in der Tasche – und dann ab in die weite Welt?

Gratulation! Du hast dein Studium erfolgreich abgeschlossen! Dem Start ins Berufsleben steht jetzt nichts mehr im Weg – schließlich bist du hochmotiviert, den passenden Job zu finden. Soweit die Theorie. Aber wie schaut das in der Praxis aus? Voller Tatendrang sendest du deine Bewerbungsunterlagen mit brandneuem akademischem Titel an deine Wunscharbeitsstelle. Du wartest auf Antwort – aber auf der anderen Seite herrscht Stille.

Heißt es jetzt Abwarten und Däumchen drehen? Oder einfach zum Hörer greifen und nachfragen? Doch dann ist endlich die Antwort da. Die Aufregung steigt, als du das Mail öffnest: „Vielen Dank für Ihre Bewerbung. Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir uns im Bewerbungsprozess für eine andere Kandidatin entschieden haben, die unserem Qualifikationsprofil für diese Stelle noch treffender entspricht… bla, bla, bla“. Eine Standardabsage. Die Zeilen treffen dich und hinterlassen vor allem eine Aussage in deinem Kopf: „Es tut uns leid, Sie sind zwar gut qualifiziert, aber wir konnten zu guter Letzt doch noch unsere eierlegende Wollmilchsau finden…“

Foto: Jeshoots, unsplash

Im Kopf rattert es…

Wieder einmal sind viele Fragen offengeblieben: Was waren die wirklichen Gründe für die Absage? Was sollte ich nächstes Mal „anders“ machen? Man sucht nach Antworten in einem Meer aus Unsicherheit, da offenes Feedback durch die ArbeitgeberInnen oft ausbleibt. Und dabei hat man sich schon während des Wartens auf die Antwort so viele Fragen gestellt: Läuft der Auswahlprozess noch? Bin ich noch im Rennen? Wie lange wird meine Jobsuche noch dauern? Wie oft sollte ich mich noch ohne Aussicht auf Erfolg auf meinen Traumjob bewerben? Und wann ist der Zeitpunkt gekommen, um sich nach „etwas anderem“ umzusehen?

Die Jobsuche ist komplizierter als erwartet

In den Uniport-Beratungsgesprächen werden viele Hypothesen aufgestellt, warum die Jobsuche bislang erfolglos geblieben ist: „Ich bin zu jung“, „Ich habe zu wenig Berufserfahrung“, „Ich bin überqualifiziert“, „Meine Eltern hatten Recht – mit diesem Studium finde ich nie einen Job“, „Verkaufen liegt mir nicht“, „Vielleicht sollte ich noch ein anderes Studium oder eine Weiterbildung anschließen, damit der Berufseinstieg gelingt“ sind einige der Annahmen. Sicherheit gibt es wenig. Frustration und Angst machen sich breit und du bekommst das Gefühl, dich ständig im Kreis zu drehen. Zusätzlich wirst du mit Ratschlägen aus dem Bekanntenkreis bombardiert.

Die Zukunft wird irgendwann zur Gegenwart. Und dann muss ein Plan B her!

Foto: Rommel Davila, unsplah

Wann ist die Zeit reif, um einen neuen Weg einzuschlagen? Ein Perspektivenwechsel in der Jobsuche ist nicht einfach. Schließlich hast du dir ein berufliches Ziel gesetzt – das sich gerade als nicht realisierbar herausstellt. Dass es notwendig ist, die Richtung zu ändern, passiert Schritt für Schritt: Deine Bewerbungen im gewünschten Berufsfeld bleiben unbeachtet. Du wirst nicht zu Bewerbungsgesprächen eingeladen oder hast den Eindruck, dass deine Qualifikationen mit dem Anforderungsprofil deiner Wunschfirma nicht deckungsgleich sind. Die Unsicherheit steigt, das Selbstbewusstsein sinkt. Aber was jetzt? Leider gibt es darauf weder eine einfache Antwort noch ein Patentrezept. Aber es gibt Impulse, wie man nach einer Phase der Enttäuschung neuen Elan sammeln kann, um wieder ins selbstverantwortliche Tun zu kommen.

Du bist vielseitig!

Stell dir vor, du bist ein Puzzleteil, das seine ganz individuellen Rundungen und Einkerbungen hat. Die Form des Puzzleteils spiegelt deine eigenen Kompetenzen und Stärken wider. Deine verschiedenen Puzzleteilseiten bieten dir die Chance, mit unterschiedlichen Kompetenzprofilen an Unternehmen heranzutreten, an sie anzudocken und ein erfolgreiches Match herzustellen.

Was, wenn du zu deiner „Lieblingsseite“ kein passendes Gegenstück findest? Dann nimm dir Zeit, einen genaueren Blick auf die anderen Puzzleteil-Seiten zu werfen. Krame einmal in deinem Erfahrungsschatz herum, erstelle eine Liste aller Ferialpraktika, Nebenjobs, ehrenamtlichen Tätigkeiten, Vereinsaktivitäten, Aus- und Weiterbildungen, die du gemacht hast. Welches Know-how und welche Kompetenzen hast du dir dabei angeeignet? Welche Skills kannst du in ein anderes Arbeitsumfeld einbringen? Welche Fähigkeit hast du in der Jobsuche bislang noch nicht berücksichtigt?

Eines ist gewiss: Für alternative Wege braucht es Mut – Mut, seine eigenen Stärken und Kompetenzen in neuem Licht zu betrachten. Besonders hilfreich kann dabei ein Perspektivenwechsel oder der Blick von außen sein. Frag also gute FreundInnen, welche Fähigkeiten und Kompetenzen sie dir zuordnen. Was schätzen sie besonders an dir?

Foto: Alexis Brown, unsplash

Um deine ganz persönlichen Handlungsspielräume auszuloten, kann eine professionelle Begleitung durch eine/n Karriereberater/in sinnvoll sein. Uniport unterstützt dich gerne auf deinem Weg! Auch der Austausch und die Vernetzung mit ehemaligen StudienkollegInnen kann hilfreich sein.

Du hast viel zu bieten!

Lass also deiner Fantasie freien Lauf und wage ein, zwei Blicke über den Tellerrand. Frag dich: Welche Berufsmöglichkeiten gibt es abseits deines Traumjobs? Was ist alles möglich? Woran habe ich noch nicht gedacht? Fertige eine „verrückte Liste“ an – und lass dabei alle Ideen zu! Durch viele verschiedene Ansätze vergrößert sich dein Möglichkeits- und (im Idealfall) auch dein Handlungsspielraum. Das hat schon Walt Disney gewusst. Sein Name ist bis heute Programm: Die „Walt Disney Methode“ unterscheidet drei Rollen in der Zielerarbeitung: die TräumerInnen, die RealistInnen und die KritikerInnen. Die Phasen sollten auf keinen Fall vermischt werden. Wie’s konkret funktioniert, erfährst du in dieser Anleitung. Probier es einfach mal aus!

Vielleicht richtet die Vielzahl an potenziellen Berufsfeldern zuerst Chaos in deinem Kopf an. Denn neben der konkreten Position und dem Tätigkeitsinhalt gibt es noch jede Menge anderer Faktoren, die zur Zufriedenheit und zum Wohlbefinden am Arbeitsplatz beitragen: die Unternehmensgröße, die Branche, der Arbeitsort, aber auch die Arbeitszeitgestaltung. Kriterien wie Mitgestaltungsmöglichkeiten sowie Weiterbildungs- und Entwicklungschancen sind ebenfalls von hoher Bedeutung. Die „RealistInnen“ und die „KritikerInnen“ werden ohnehin dazu beitragen, das Wirr-Warr in deinem Kopf wieder zu sortieren, zu strukturieren und letztlich in eine Strategie zu verwandeln.

Viele Wege führen nach Rom

Foto: John Lockwood, unsplash

Wenn dein Traum vom Job platzt, kann das zunächst schmerzvoll sein. Aber so seltsam es auch klingen mag: Eine Absage bietet dir auch neue Chancen. Umwege erhöhen mitunter die Ortskenntnis und erlauben Einblicke in Bereiche, die du sonst vielleicht verpasst hättest. Die Entscheidung für einen Job muss dabei keine endgültige sein. Wer sagt, dass Umwege nicht auch wieder zurückführen dürfen? Und wenn nicht? Dann wurde aus deinem Plan B vermutlich Plan A oder zumindest der gerade passende Lebensabschnittsjob.

 

Trag dir für den 12. Juni gleich House of Jobs im Kalender ein und besuche den Kulturkonzepte-Stand von 13.00-18.00 Uhr im Hörsaalzentrum am Unicampus Hof 2, Spitalgasse 2, 1090 Wien! Das Programm und die Liste unserer Gäste aus den Kulturbetrieben findest du demnächst online.

Bewerbungstipps und ein intensives Bewerbungstraining bekommst du auch In der Sommerakademie für Kulturmanagement im Juli 2019. Im Modul 1 dreht sich vom 8.-12. Juli alles um Jobs & Bewerbung. Sichere dir schon jetzt deinen Platz für die Sommerakademie!

Daniela Wittinger ist Karriereberaterin und Coach bei Uniport sowie Co-Gründerin von karuU – Karriere unter Umständen.

Jobsuche
Foto: Edu Lauton, unsplash
Kategorie: Gemeinsam hoch hinaus – Das war der Kulturmanagement Tag 2019

Gemeinsam hoch hinaus – Das war der Kulturmanagement Tag 2019

Ein Beitrag von Ulli Koch

Ein jährliches Highlight im Kulturkonzepte-Kalender fand dieses Jahr in den wunderschönen Räumlichkeiten des Markhof – dem Dorf in der Stadt – statt: Der Kulturmanagement Tag 2019. Der Tag bot den Teilnehmenden sowohl Input-Vorträge als auch Workshops, in denen sie sich vertiefend mit Themen des Kulturmanagement und der Kulturvermittlung beschäftigen konnten. Auch die Möglichkeit, sich zu vernetzen und auszutauschen, wurde rege genutzt. Im Zuge des 25. Jubiläums vom Institut für Kulturkonzepte stand das Programm ganz im Zeichen der Karriereplanung und dem Kooperieren im Kulturbereich.

Über Crowdfunding, Sponsoring & Co

Doch beginnen wir mit dem Anfang des Tages und dem Input-Vortrag von Ulrike Spann, Leiterin der Departments Development & Marketing an den Vereinigten Bühnen Wien. Eines von Ulrike Spanns Aufgabenfeldern ist das Sponsoring, nach Manfred Bruhn die Planung, Durchführung und Kontrolle von Aktivitäten, um Gelder von Unternehmen zu erhalten. Mit diesen werden Projekte realisiert und Kommunikations- sowie Marketingziele erreicht. Im Gegenzug dazu erwarten sich SponsorInnen eine Gegenleistung für ihr Engagement. Daher, so Ulrike Spann, muss man sich bereits im Vorfeld überlegen, wie das Unternehmen von dem geleisteten Sponsoring profitiert. Klassische Gegenleistungen sind Logopräsenz sowie Nennung auf Website und Drucksorten. Auch der Kulturbetrieb selbst muss sich im Klaren darüber sein, welche Ziele mit dem Eingehen eines Sponsoringvertrages erreicht werden sollen. „Und es bedarf,“ so Ulrike Spann, „unbedingt einer schriftlichen Vereinbarung, die auch einen klar abgesteckten Zeitraum definiert.“ Tipp: Ein weiterer Benefit für SponsorInnen ist deren positive Wahrnehmung, weshalb es empfehlenswert ist, positive Rückmeldungen an das Unternehmen weiterzugeben. In Abgrenzung zum Sponsoring gab Ulrike Spann auch einen kurzen Einblick in die Themen Fundraising, das neben finanziellen Mitteln auch Sach- und Dienstleistungen umfasst, sowie Crowdfunding, mit dessen Hilfe Projekte realisiert werden können, die nicht von staatlicher Seite gefördert werden.

Ulrike Spann Kulturmanagement Tag 2019
Foto: Itta Francesca

Bevor ein Kulturbetrieb sich dafür entscheidet, durch Sponsoring Gelder lukrieren zu wollen, bedarf es einer Selbstanalyse. Welche PartnerInnen passen zu meinem Kulturbetrieb? Wie gewinne ich sie? Warum ist gerade mein Kulturbetrieb oder -projekt unterstützenswert? Und wie kann das Unternehmen von unserer Zusammenarbeit profitieren? Aus der Beantwortung dieser und weiterer Fragen ergibt sich ein Mission Statement, das den Zweck von Sponsoringmaßnahmen definiert und das notwendige Argumentarium liefert, um überhaupt SponsorInnen zu gewinnen. So ein Argumentarium muss in den Details individuell auf ein Unternehmen zugeschnitten werden, erläutert Ulrike Spann und gibt den Tipp: „Entwickeln Sie gemeinsam mit dem jeweiligen Unternehmen ein Konzept, das dessen Interessen und Ausrichtung entspricht.“ Nicht vergessen werden dürfen zudem der persönliche Kontakt und die Beziehungspflege.

Vom Audience Development zum Community Building

Beziehungspflege ist auch ein gutes Stichwort für Diana Costas Beitrag, der dem Thema Audience Development gewidmet war. Diana Costa, Projektmanagerin und Kulturvermittlerin, stellt gleich zu Beginn klar, dass Audience Development nur dann funktioniert, wenn es vom gesamten Kulturbetrieb getragen wird – schließlich ist es eine Form der Beziehungspflege, die alle Bereiche involviert. Um eine Audience Development-Strategie zu entwickeln, greift man sowohl auf Tools aus der Marktforschung als auch von KulturvermittlerInnen zurück, die den wohl engsten Kontakt zu den BesucherInnen haben und daher auch deren Bedürfnisse gut kennen. Ein vertiefender Einblick kann da zum Beispiel auf Barrieren geworfen werden, die aus physischen, finanziellen, geographischen, kulturellen und/oder sozialen Gründen eine Person an Kulturteilhabe hindern. Besonders die letzten beiden stellen große Hindernisse dar, die nur schwer abzubauen sind. „Daher“, verdeutlicht Diana Costa, „ist es wichtig, Audience Development als Bildungsauftrag zu verstehen.“ Audience Development basiert auf einem gesellschaftspolitischen Hintergrund, der Partizipation an Kunst als Menschenrecht versteht. Die Ergebnisse von Audience Development-Strategien lassen sich daher auch nur schwer in Zahlen messen, denn „es steht die Qualität im Fokus, das Erreichen von Menschen“, so Diana Costa weiter. „Direkte Teilhabe an Kultur hat das größte Potential, lebensverändernd zu wirken.“

Diana Costa Kulturmanagement Tag 2019
Foto: Itta Francesca

Daher lautet das aktuelle Schlagwort nicht mehr nur Audience Development, sondern Community Building. Dies bedeutet zum Beispiel, Personen einzuladen, gemeinsam Kunst zu erschaffen. Im Idealfall treffen dann unterschiedliche Bevölkerungsgruppen aufeinander, deren Diversität sich auch im Kulturbetrieb selbst abbildet und die in Interaktion mit anderen sowie mit Kunst und Kultur treten. Ein Community Projekt hat das Potential, einen Kulturbetrieb von innen heraus zu verändern. „Doch ist auch die Organisation dazu bereit, sich zu verändern?“ stellt Diana Costa als offene Frage in den Raum.

Das Dorf in der Stadt – der Markhof

Ein Raum, der auf Offenheit, Partizipation und Barrienabbau setzt, ist der Markhof, Gastort des Kulturmanagement Tages. Mitgegründet wurde das selbstbezeichnete „Dorf in der Stadt“ von Stefan Leitner-Sidl, der in seinem Input einen Einblick in den Colearning- und Coworking-Space bietet. Im Fokus des Projekts steht auch hier wieder die Beziehungspflege, auch als Networking bekannt. Ein Coworking-Space bietet, so Stefan Leitner-Sidl, ein Netzwerk, bei dem die Einzelperson nicht mehr alleine vor ihrem Computer sitzt, sondern durch ein offenes Raumkonzept und gemeinsame Aktivitäten mit Menschen anderer Fachbereiche in Kontakt kommt. Profitiert wird dabei nicht nur von dem informellen Austausch, vielmehr teilen sich in einem Coworking-Space verschiedene Professionen einen Raum, die sich gegenseitig mit Fachwissen bei den jeweiligen Projekten unterstützen oder diese auch gemeinsam realisieren.

Stefan Leitner-Sidl Markhof Kulturmanagement Tag 2019
Foto: Itta Francesca

Ergänzt wird dieses Konzept durch den Colearning-Space, der einen ganzheitlichen Bildungsansatz verfolgt. Die Kinder und Jugendlichen, die hier lernen, werden in den Coworking-Space integriert und in viele Prozesse eingebunden, beispielsweise auch bei der Buffetbetreuung im Rahmen von Veranstaltungen. Der so quasi automatisch passierende intergenerationelle Austausch trägt auf beiden Seiten zu mehr Verständnis, Empathie und Wertschätzung bei. Damit stellt sich der Markhof in die Tradition von Rudolf Steiner, Begründer der Waldorfpädagogik, der Bildung und Kultur im Bereich des Sozialen sieht und nicht in staatlicher Verantwortung. Dieser soziale Aspekt wird im Markhof intensiv gelebt, auch durch das Erschaffen und Fördern von neuen Formaten, die den bereits beschriebenen Austausch ins Zentrum setzen.

Workshops, Beratung und nicht zuletzt: Netzwerken!

Der Austausch steht auch bei Susanne Kappeler-Niederwiesers Input-Vortrag im Mittelpunkt, nämlich in Form von Kooperationen. Durch Kooperationen können Kulturbetriebe Synergieeffekte nutzen, die die eigenen Kompetenzen erweitern, neue Möglichkeiten eröffnen, kreative Lösungswege aufzeigen und wieder Menschen zusammenbringen. Wie bei allen Maßnahmen darf aber auch hier wieder die Ressourcenfrage nicht außer Acht gelassen werden. Geht ein Kulturbetrieb eine neue Kooperation ein, bedarf es besonders zu Beginn einer erhöhten Abstimmung, die dann auch in einem Kooperationsvertrag schriftlich festgehalten werden muss. Doch der erhöhte Kommunikationsaufwand zahlt sich in den meisten Fällen aus. Kooperationen erweitern das eigene Netzwerk und tragen einen positiven Marketing- und PR-Effekt in sich, da sich die Aufmerksamkeit für den eigenen Kulturbetrieb erhöht, mehr (potentielle) BesucherInnen erreicht und ihnen eventuell auch kleine Geschenke gemacht werden können, beispielsweise durch vergünstigte Eintrittspreise, Gewinnspiele und dergleichen.

Susanne Kappeler-Niederwieser Kulturmanagement Tag 2019
Foto: Itta Francesca

Ein Geschenk waren auch die Workshops am Nachmittag, die nach den Input-Vorträgen den Raum für vertiefende Auseinandersetzungen eröffneten. Mit dabei war zum Beispiel Daniela Wittinger von Uniport, dem Karriereservice der Universität Wien, in deren Workshop die Teilnehmenden über ihre Karrierevisionen im Kulturbereich sprechen und sich austauschen konnten. Für diejenigen, die sich ihr Berufsleben im Bereich der Kulturvermittlung vorstellen können, hat Sofie Wünsch von der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien den Kulturvermittlungsmethodenkoffer gepackt, während Sabine Kock und Lisa Pointner von Smart Einblick in ihren Berufsalltag zwischen Verträgen, Versicherungs- und Steuerfragen gaben. Karin Wolf thematisierte in ihrem Workshop das Netzwerken und inwiefern dies als Karriere-Boost wirkt, inklusive einiger Tipps, die von den Teilnehmenden beim Ausklang des spannenden Tages gleich angewendet werden konnten. Ulrike Spann bot in einer Q&A-Session einen vertiefenden Einblick in das Thema Kulturfinanzierung und stand eine Stunde lang für Fragen der TeilnehmerInnen zur Verfügung.

Café Markhof Kulturmanagement Tag 2019
Foto: Verena Schmid

Parallel dazu haben viele der Anwesenden die Chance genutzt, sich von Tamara Badr und Birgit Feike-Kneißl individuell zum Seminar– und Lehrgangsangebot vom Institut für Kulturkonzepte beraten zu lassen. Stefan Leitner-Sidl vom Markhof hat außerdem zwei TeilnehmerInnen-Gruppen auf eine Tour durch das „Dorf in der Stadt“ mitgenommen und dabei erklärt, was an diesem Ort täglich geschieht und wie das Zusammenarbeiten auf allen Ebenen funktioniert. An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal ganz herzlich beim Markhof-Team bedanken, dass wir in diesem Jahr zu Gast sein und die wunderschönen Räumlichkeiten nutzen durften. Ein großes Dankeschön wollen wir auch unseren freien Mitarbeiterinnen für die tolle Unterstützung aussprechen, sowie allen SpeakerInnen und Workshopleiterinnen für ihr Engagement, Itta Ivellio-Vellin und Verena Schmid für die schönen Fotos und unseren Sponsoring-PartnerInnen Hakuma, PONA, Ströck und Riegelfabrik für die Leckereien und Erfrischungen. Last but definitely not least sagen wir DANKE an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kulturmanagement Tags 2019 und freuen uns auf ein Wiedersehen, spätestens beim Kulturmanagement Tag 2020!

Karin Wolf Kulturmanagement Tag 2019
Foto: Itta Francesca
Kategorie: Ich muss nicht alles können! – Wie man Selbstzweifel bei der Jobsuche in den Griff bekommt

Ich muss nicht alles können! – Wie man Selbstzweifel bei der Jobsuche in den Griff bekommt

Ein Beitrag von Daniela Wittinger, in Kooperation mit Uniport – Karriereservice Universität Wien

Daniela Wittinger ist Systemischer Coach und Karriere-Beraterin bei Uniport. Am 22. März hält sie im Rahmen des Kulturmanagement Tags 2019 einen Workshop zum Thema „Mein Job – (k)ein Bund fürs Leben?“ – Impulse für die berufliche Neuorientierung“. Heute zeigt sie Strategien auf, wie man bei der Jobsuche die eigenen Selbstzweifel in den Griff bekommt:

Ängste und Skepsis an den eigenen Fähigkeiten: Wir kennen diese unausstehlichen MitbewohnerInnen im Kopf, die uns unablässig einreden wollen, wir hätten es einfach nicht drauf. Trotzdem wollen wir nicht gerne über sie sprechen. Umso beeindruckender ist das Bekenntnis von Sheryl Sandberg, der Geschäftsführerin von Facebook: Sie gestand in einer Abschlussrede vor 2.000 Universitäts-AbsolventInnen in Chicago ein, selbst nicht frei von Selbstzweifeln zu sein. Trotz ihres bahnbrechenden Erfolgs führt sie immer wieder Dialoge mit ihren inneren Zweiflern. Was ist also zu tun? Wichtig ist, sich den Selbstzweifeln zu stellen.

Muss ich wirklich alles können?

„Du wirst gesucht! Die Marketingbranche ist dein Hood. Du bringst einschlägige Berufserfahrung mit und nennst eine abgeschlossene Ausbildung im Bereich Social Media, PR und Kommunikation dein Eigen. Storytelling ist eine deiner größten Stärken und als Digital Native kann dir bei Blogs, Facebook, Twitter und Co. niemand etwas vormachen. Das Ausklügeln von gewieften Marketingstrategien zählt außerdem zu deinen Leidenschaften und du bist sowohl ein kreativer Teamplayer als auch ein strategischer Kopf…“. Schluck. Klingt nach einem Wunschzettel an das Christkind.

Hier kommt die gute Nachricht: Wenn du dich in dieser oder ähnlichen Stellenausschreibungen nicht sofort wiederfindest, musst du die Flinte nicht ins Korn werfen. Um deinen Platz zu finden, musst du kein Wunderwuzzi sein! Versuche, dich mit den folgenden zwei Strategien an deine Wunschposition heranzutasten:

1. Starte bei deiner Motivation für die Stelle

Überlege dir im ersten Schritt: Was reizt mich an dieser Stelle? Versuche, eine Stellenausschreibung nicht als bloße Auflistung von Must-haves zu sehen. Stell dir lieber die Fragen: Womit kannst du die Position bereichern UND welche Perspektive bietet dir die Stelle für deine berufliche Laufbahn? Auch wenn du nicht alle Anforderungen erfüllst, kann eine Gesprächseinladung folgen – vor allem dann, wenn du dein Engagement und Interesse für die Stelle klar kommunizierst. Den aufkeimenden Unsicherheitsgedanken „Bin ich eigentlich gut genug?“ schieb besser gleich beiseite. Schnapp dir stattdessen einen Zettel und schreib auf, was du an dem Job interessant findest und welche Fähigkeiten, Erfahrungen und Ideen du für die ausgeschriebene Stelle mitbringst.

2. Bring‘ deine Bewerbungsunterlagen zum Strahlen

Aus einem ganz normalen Ferialjob, der eigentlich nur zum Geldverdienen gedacht war, kann eine interessante Berufserfahrung werden, die dir praktische Einblicke in eine Branche ermöglicht. Setz dich in Szene und werde dir der Schnittmenge zwischen deinen Fähigkeiten und den Anforderungen bewusst, die das Unternehmen an die Position stellt. Du kannst mehr als du denkst! Übrigens: Auch Unternehmen machen in Sachen Selbstmarketing keine halben Sachen. Oder hast du jemals einen Personalisten von den langweiligen Seiten des Berufsalltags sprechen gehört?

Glaube an dich selbst
Foto: Matthew Henry | Unsplash

Beginne bei dir selbst!

Das klingt zwar logisch, aber wie soll das gehen? Der Glaube an sich selbst beginnt mit einer realistischen Einschätzung der eigenen Kompetenzen. Dabei geht es weder um Hochstapelei noch um Selbstunterschätzung. Was kann ich wirklich gut? Auf welche Erfolge kann ich zurückblicken? Was und wer hat mir dabei geholfen, mein Studium erfolgreich zu bewältigen? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, ist es sinnvoll, sich mit Menschen auszutauschen, die dich gut kennen und die ehrlich zu dir sind. Wie beschreiben sie deine Talente und Fähigkeiten? Greif erneut zu deinem Zettel und ergänze deine aufgelisteten Erfahrungen um kleine, feine Geschichten. Marketing-Fachleute würden von Storytelling sprechen – also von Geschichten, die konkrete Bilder im Kopf erzeugen. So bleibst du deinem Gegenüber in Erinnerung. Vergiss nicht: Der Glaube an sich selbst kann Berge versetzen. Jedenfalls ist er ein erster wichtiger Schritt aus dem angstmachenden Kopfkino.

Nicht rückfällig werden!

Plötzlich kommt der erlösende Anruf: „Guten Tag. (…) Ihr CV klingt vielversprechend. Wir würden Sie gerne persönlich kennenlernen.“ Super! Du hast es in den engen Kreis der Auserwählten geschafft! Ein Freudensprung – jetzt heißt es trotzdem nochmal alles geben! Die Nervosität steigt an. Wo vorher das Gefühl der Unsicherheit war, ist jetzt die Angst vor dem Versagen: „Nur keinen falschen Eindruck erwecken. Nur kein Blackout. Du darfst diese Chance nicht verhauen“, flüstert die Perfektionismus-Stimme in dir. „Sei authentisch und eloquent. Und sympathisch: Ein freundliches Lächeln, ein überzeugender Händedruck und ein lockerer Smalltalk auf den Lippen.“, fügt sie hinzu.

Puh, kein Kinderspiel. Der Magen verkrampft sich. Die Gedanken drehen sich im Kreis und innerlich beginnt ein Kampf deiner verschiedenen Persönlichkeitsanteile. Während die Stimme des Selbstzweifels laut und dominant wird, verhält sich die hemdsärmelige Macherin in dir leise und zögerlich. In meinen Beratungsgesprächen erlebe ich oft, dass die kritische Stimme bei BerufseinsteigerInnen die Oberhand gewinnt: „Ist die Position nicht eine Nummer zu groß für dich? Du wirst dich sicher lächerlich machen. Lass es lieber, du kannst die MitbewerberInnen ohnehin nicht toppen…

Ich und mein inneres Team

Friedemann Schulz von Thun, der bekannte Psychologe und Kommunikationswissenschaftler, wies darauf hin, dass ein Mensch nicht nur eine Persönlichkeit besitzt, sondern verschiedene Persönlichkeitsanteile in sich vereint. Die Anteile stehen im ständigen Austausch und prägen unser Denken. Während beispielsweise ein Mitglied des inneren Teams darauf achtet, dass immer genug Geld auf dem Konto liegt, frönt ein anderer Anteil gerne der unbeschwerten Lebenslust und dem Luxus. Bestehen zwischen den Anteilen große Widersprüche (z.B. ein Konflikt „Vorsichtige“ vs. „Draufgängerin“), wird aus dem inneren Team allerdings schnell ein zerstrittener Haufen. Das führt unweigerlich zu Kommunikationsproblemen nach außen und kann in entscheidenden Situationen lähmen. Soweit so klar – aber wie kann man dieses innere Streitgespräch auflösen?

Wie bei einer Mediation üblich, müssen zuerst alle Meinungen gehört und der innere Dialog bewusst geführt werden. Das bedeutet, dass alle Gedanken und Aussagen zu einem Problem (wie dem bevorstehenden Bewerbungsgespräch) aufgeschrieben werden sollen. Im Anschluss geht es darum, herauszufinden, welche Persönlichkeitsanteile hinter welchen Aussagen stecken. Hinter der Aussage: „Das schaffst du nie!“ steckt sehr wahrscheinlich der innere Kritiker, der alles perfekt machen will. Formulierungen wie „Der Job könnte langweilig werden“ kommen eher von der abenteuerlichen Teamplayerin, die ein Auge darauf hat, dass der Job abwechslungsreich genug ist und auch interessante Dienstreisen in Aussicht stehen.

Sind die Persönlichkeitsanteile erst einmal ins Bewusstsein getreten, gilt es herauszufinden, wie sie wieder an einem Strang ziehen können. Zum Glück kann jede/r von uns die Führung des eigenen inneren Teams übernehmen und störende Mitglieder auf die Ersatzbank verweisen. Wer das selbst ausprobieren will, findet hier eine gute Anleitung dazu. Wer sich im Selbstreflexionsprozess lieber begleiten lässt, kann natürlich auch das Beratungsangebot von Uniport in Anspruch nehmen.

Reden
Foto: Charles | Unsplash

Rede, rede rede!

Sich seiner Ängste bewusst zu werden und sie mit guten FreundInnen oder der Familie zu teilen, ist ein erster wichtiger Anstoß für Veränderung. Denn das Durchbrechen der eigenen „Schweigemauer“ macht Schluss mit passiven Angstgefühlen. An die Stelle der diffusen Angst tritt etwas Konkretes, etwas Handhabbares. Für eine angstbesetzte Situation können anlassbezogene Handlungsstrategien entwickelt werden, sodass die Situation an Dramatik verliert. Oft hilft ein Perspektivwechsel, da durch das Aufzeigen von möglichen Alternativen die Angst weniger wird. Es gibt Licht am Ende des stressbedingten Tunnels!

Helfen können übrigens auch Gedankenexperimente wie die Kopfstandmethode. Frag dich: Was kann schlimmstenfalls passieren? Wie sieht das Worst Case-Szenario für deine Bewerbung aus? Ist es ein Versprecher? Ein Blackout? Eine Frage, die du nicht beantworten kannst? Sind es nasse Hände? Wie auch immer dein Horrorszenario aussehen mag, stell es dir vor und entwickle mit dir vertrauten Menschen ein passendes Handlungsszenario. Frag dich: Was tu ich dann? Du wirst staunen, wie lustvoll es sein kann und wie schnell du erkennst, dass die Angst vor der Situation schlimmer ist als der eigentliche Moment.

Scheitern ist okay

Die Tür fällt ins Schloss. Das Bewerbungsgespräch ist vorbei. Die Nervosität fällt ab. Durchatmen. Es ist geschafft. Nun liegt der Ball beim Unternehmen. Aber wie wird die Entscheidung ausfallen? Das große Grübeln geht weiter: War ich überzeugend? Hätte ich die eine Frage doch lieber anders beantworten sollen? Jetzt heißt es abwarten und Tee trinken. Aber das Handy liegt immer griffbereit und mit jedem Tag, der ohne Antwort verstreicht, wird deine Angst vor der Absage größer. Was ist, wenn ich den Job nicht bekomme? Schon formiert sich das innere Team wieder zum Streit und die Perfektionistin verkündet hämisch: „Du hast es versemmelt – ich hab’s dir ja gesagt!“ Stopp!

Sprich über deinen Frust! Gut gemeinte Ratschläge wie: „Nimm es nicht persönlich, die Absage hat nichts mit dir zu tun“ helfen dir jetzt nicht weiter. Denn offen gesagt: Bewerbungsprozesse können mühsam sein und das Selbstwertgefühl beeinträchtigen. Da hilft nur eines: Raus aus der Negativspirale! Rauf aufs Rad oder was dir sonst noch guttut. Auch wenn es dir in diesem Moment nicht leichtfällt – grüble nicht zu viel darüber, was du vielleicht „falsch“ gemacht hast. Möglicherweise haben die äußeren Umstände einfach nicht gepasst oder die Stelle wurde gar nicht bzw. intern nachbesetzt. Wer weiß. Versteh die Absage also nicht als Bestätigung deiner Ängste, sondern als Anstoß, auch beim nächsten Mal dein Bestes zu geben. Schau, was in deinem Leben alles gut läuft und beginne wieder dort, wo du aufgehört hast: Beim Glauben an dich selbst!

Daniela Wittinger

Daniela Wittinger ist Karriereberaterin und Coach bei Uniport sowie Co-Gründerin von karuU – Karriere unter Umständen. Beim Kulturmanagement Tag 2019 gibt sie den TeilnehmerInnen Impulse, wie die berufliche Neuorientierung gelingen kann. Jetzt Tickets sichern!

Selbstvertrauen
Foto: Veeterzy | Unsplash

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