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Kategorie: Chance der Transformation

Chance der Transformation

Die immer neuen Aufgaben von KulturmanagerInnen bedeuten Herausforderung und Chance zugleich

Karin Wolf
Karin Wolf, Foto: Nicole Heiling

 

Ein Beitrag von Karin Wolf in Kooperation mit Kulturmanagement Network erschienen im KM Magazin Nr. 122 Mai 2017 zum Thema „Arbeitsmarkt Kultur: Themen & Hintergründe“

Der Kultursektor ist als Arbeitsplatz unverändert attraktiv. Auf öffentlich ausgeschriebene Stellen in Kulturbetrieben melden sich Hunderte BewerberInnen. Kulturmanagement-Ausbildungen, egal, ob einzelne Seminare oder mehrsemestrige Lehrgänge, sind gut gebucht. Paradoxerweise werden die Arbeitsbedingungen im Kultursektor von den zuständigen Interessensgemeinschaften zu recht immer wieder kritisiert. In Österreich hat die IG Kultur z.B. die Kampagne Fair Pay ins Leben gerufen, die dem Lohndumping entgegentritt und Honorarrichtlinien erstellt, um auf den Wert von Kulturarbeit (künstlerisch produzierender ebenso wie organisatorischer Arbeit) hinzuweisen.

Damit soll bei allen Beteiligten, den ArbeitgeberInnen und den ArbeitnehmerInnen, ein Bewusstsein für faire Arbeitsbedingungen geschaffen werden und längerfristig nachhaltige Verbesserungen erreicht werden. Menschen, die in der Kultur arbeiten, ist der ideelle Gewinn oft wichtiger, als der monetäre. Sie wollen sinnstiftende Arbeit leisten und die Gesellschaft mitgestalten. Die Auseinandersetzung mit künstlerischen Inhalten und Themen im Arbeitsalltag ist ihnen eine persönliche Bereicherung, ebenso wie der Umstand, dass sie die Möglichkeit haben, gemeinsam mit anderen eigene Ideen zu verwirklichen. Auch das Bild vom „schönen“ Arbeitsplatz ist nicht unwesentlich. Es gibt Menschen, denen es Freude bereitet, jeden Tag zur Arbeit in ein Theater oder ein Museum zu gehen. Sie besuchen, oft nach Dienstschluss, Aufführungen und Ausstellungen im Bewusstsein, einen ganz wesentlichen Teil am Zustandekommen geleistet zu haben. Damit partizipieren sie am Erfolg mit und erleben immer wieder eine Bestätigung der eigenen Leistung. Die Hierarchien in Kulturbetrieben sind flach im Vergleich zu Wirtschaftsbetrieben. Wenn ein Betrieb gut geführt wird, gibt es Kollegialität und Gemeinschaftsgefühl und die Möglichkeit, eine funktionierende Work Life Balance zu finden. KulturmanagerInnen stellen oft Selbstverwirklichung vor Auftragserfüllung und Gestaltungswillen vor Gewinnmaximierung, sie möchten sich im Laufe ihres Arbeitslebens kontinuierlich weiterentwickeln und dazu lernen.

Eine typische Karriere im Kulturmanagement kann als Studentenjob, an der Kasse oder an der Garderobe beginnen und im Lauf der Jahre Positionen in verschieden Abteilungen beinhalten bis zu einer Führungsposition wie Leitung des Marketing oder der Personalabteilung. Typisch ist auch die „Durchlässigkeit“ der verschiedenen Szenen: Menschen starten in der Alternativkultur und übernehmen später Positionen in etablierten Häusern. Auch die Kunstsparte kann sich im Laufe einer Kulturmanagement-Karriere ändern: von der Musik zum Theater, vom Filmfestival zur Oper. Ein zweiter Karriereverlauf ist die Selbstständigkeit, die manchmal eine Notlösung mangels Jobangebot, manchmal eine bewusste Entscheidung mit einer Geschäftsidee ist. Selbstständige KulturmanagerInnen sind oft im Umfeld der Creative Industries tätig, im Medien-, Design- oder Architekturbereich.

Egal, ob angestellt oder selbstständig, die Basis für alle notwendigen Kompetenzen ist eine unternehmerische Grundhaltung. Diese zeichnet sich aus durch eine Klarheit über die eigenen Ziele, eine realistische Einschätzung des Risikos und durch eine deutliche Haltung gegenüber aktuellen gesellschaftlichen und kulturellen Themen.

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Kulturmanagement Forum 2016, Foto: Corinna Eigner

Gesellschaftlicher Auftrag für Kulturbetriebe

Die aktuellen gesellschaftlichen Transformationen führen dazu, dass KulturmanagerInnen zunehmend Aufgaben übernehmen, die über das Produzieren und Organisieren von Kunst und Kultur hinausgehen, wie z.B. soziales Engagement im Kontext der Flüchtlingsbetreuung oder der Bildungs- und Sozialarbeit. Auch die Politik knüpft Förderungen zunehmend an soziale Aufgaben oder Bildungsaufträge und ruft Programme und Projekt ins Leben, die migrantische bzw. gesellschaftliche benachteiligte Gruppen an die Kultur heranführen sollen. Damit ist kultur- und gesellschaftspolitische Haltung mehr gefragt denn je. Das wiederum ist eine Möglichkeit mehr, sich aktiv und gestaltend bei seinen Aufgaben einzubringen. Und vor allem auch mit anderen gesellschaftlichen Akteuren in Kontakt zu treten, denn der Kulturbetrieb kann es sich nicht mehr leisten, ein Elfenbeinturm zu sein.

Die wichtigsten Ausprägungen der Transformation mit Blick auf die Arbeit von bzw. in Kulturinstitutionen sind: stetiger Rückgang von Förderungen, verändertes Freizeitverhalten des Kulturpublikums, transkulturelle Gesellschaft und der Einfluss der neuen Medien auf alle Ebenen der Kommunikation.

Was gilt es also zu beachten, wenn eine Karriere im Kulturmanagement geplant wird? Im Kultursektor ist es besonders wichtig, auf die Wertschätzung der eigenen Leistung zu achten, das zeigt sich in der Qualität der Arbeitsbedingungen und der Bezahlung. Ein realistisches Karriereziel ist es, sich als KulturmanagerIn gut bzw. sehr gut die Existenz zu sichern und eine erfüllende Tätigkeit zu verrichten. Dies kann nur gelingen, wenn man von Beginn an selbstbewusst und mit Nachdruck, den Wert der eigenen Arbeit kommuniziert und sich um die Bereitstellung ausreichender Ressourcen kümmert.

Es besteht immer die Gefahr, dass man sich durch das eigene große Engagement für die Kunst und die Freude an der Sache, dazu verleiten lässt, sich selbst und andere auszubeuten. Die eigenen Bedürfnisse und die des Teams dürfen nur in Ausnahmesituationen und nur für kurze Zeit (Premiere, Ausstellungseröffnung, etc.) hinter das künstlerische Anliegen gestellt werden.

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Kulturmanagement Forum 2016, Foto: Corinna Eigner

Kompetenzen zur Bewältigung der Transformation

Traditionellerweise erlernen KulturmanagerInnen die notwendigen Fähigkeiten in der Praxis, individuelles Erfahrungswissen spielt in diesem sehr facettenreichen Beruf nach wie vor eine wichtige Rolle. Die Praxiserfahrung hat an Relevanz nichts verloren, wie ein Blick in Stellenausschreibungen beweist, wo diese immer gefordert ist. Gerade am Beginn der Karriere ist es wichtig, rasch in die Praxis einzusteigen und durch Projekte oder Praktika in möglichst unterschiedlichen Organisationen und Sparten Erfahrungen sammeln zu können.

Um mit den aktuellen und immer schneller stattfindenden Entwicklungen Schritt halten zu können, ist es unerlässlich, im Sinne der Karriereplanung auch die eigene Weiterbildung als Teil der Karriereplanung zu verstehen und sich regelmäßig neues Wissen anzueignen. Die Auswahl der Inhalte, die man sich aneignen möchte hängt von den individuellen Bedürfnissen, Interessen und Stärken ab. Bevorzugt werden kurze, kompakte und praxisorientierte Aus- und Weiterbildungsangebote, die mit Berufstätigkeit vereinbar sind und eine gute Möglichkeit zur Vernetzung mit KollegInnen bieten.

Zu den Kenntnissen und Kompetenzen, die sich Menschen in einer Kulturmanagementausbildung aneignen möchten, zählen unverändert die „Klassiker“ Projektplanung und -organisation, Kommunikations- und Präsentationstechniken, Finanzierung und Förderung. Das Feld PR und Marketing befindet sich in permanenter Veränderung und Erweiterung durch die zentrale Rolle und rasante Entwicklung von Social Media und Internet. Wissen über Audience Development ist im Kontext der transkulturellen Gesellschaft notwendig.

Unternehmerisches Handeln (strategisches Denken, Führungskompetenz, betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse) gewinnt an Bedeutung, dem Umstand geschuldet, dass die staatlichen Förderungen zurückgehen und Geld zunehmend erwirtschaftet werden muss.

 

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Kulturmanagement Forum 2016, Foto: Corinna Eigner

Wie stellt sich die Sache aus Sicht der Kulturbetriebe dar und was erwarten Kulturbetriebe von ihren MitarbeiterInnen? Kulturbetriebe sind durch die Reduktion der Förderungen oft vor die Entscheidung gestellt: Sparen am Programm oder Sparen am Personal? Leider führt das nicht selten dazu, das weniger Personal den gleichbleibenden Arbeitsaufwand leisten muss. Führungskräfte beantworten die Frage nach dem/r perfekten MitarbeiterIn oft mit folgenden Schlagworten: selbstständiges Denken, in der Lage Verantwortung zu übernehmen und Branchenkenntnis. Ungewöhnliche und abwechslungsreiche Lebensläufe stoßen durchaus auf Interesse, hier besteht in der Regel Offenheit für Individualität und Persönlichkeit. Das Bewusstsein, dass MitarbeiterInnen, einmal ausgewählt und eingestellt, auch Unterstützung innerhalb der Organisation bekommen sollen, setzt sich allerdings erst sehr langsam durch und manifestiert sich in einzelnen Häusern in regelmäßigen Mitarbeitergesprächen, Inhouse-Trainings und Team-Entwicklungsseminaren.

Es zeichnet sich ab, dass jene Kulturinstitutionen, die in ihre MitarbeiterInnen und deren Weiterentwicklung investieren, die anstehenden Transformationen besser bewältigen werden.

Weiterführende Links:

Weiterbildung für Kulturbetriebe am Institut für Kulturkonzepte

Kulturmanagement Forum 2016 – Rückblick auf die Veranstaltung zum Thema „Der neue Kulturbetrieb“

Kulturmanagement Network & KM Magazin Mai 2017Arbeitsmarkt Kultur: Themen & Hintergründe“

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Karin Wolf, Foto: Nicole Heiling
Kategorie: Nach dem Filmfestival ist vor dem Filmfestival

Nach dem Filmfestival ist vor dem Filmfestival

Gartenbaukino
@ Evelyn Rois

Ein Einblick in die österreichischen Filmfestivals Diagonale und Tricky Women

Ein Beitrag von Ulli Koch

Jährlich zieht es über 250.000 BesucherInnen in die Kinosäle Österreichs, um bei einem der 43 Filmfestivals dabei zu sein. Sie können dabei auf ein vielfältiges Angebot zurückgreifen: Seien es Kurzfilme beim Vienna Shorts (VIS), das Crossing Europe Festival in Linz oder jene Filmfestivals, die hier im Zentrum stehen sollen, die Diagonale in Graz und Tricky Women in Wien. Beide – um es mal ein bisschen verkürzt auszudrücken – zeigen ein Filmprogramm, das eher im Nischenbereich anzusiedeln ist.

Das seit 1993 unter dem Titel Diagonale bestehende Festival hat sich auf den österreichischen Film spezialisiert. Sein Anspruch besteht darin, den österreichischen Film in seiner ganzen Bandbreite darzustellen, also experimentelle und historische Filme, Lang- und Kurzfilme sowie Dokumentar- und Spielfilme in das Programm aufzunehmen. Seit 1998 findet die Diagonale jährlich in Graz statt, seit zwei Jahren wird sie zudem von einem Duo geleitet, Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber. Beiden ist es wichtig an die bestehende Qualität der Diagonale anzuschließen und gleichzeitig einen roten Faden durch das ganze Programm zu spinnen.

Sebastian Höglinger & Peter Schernhuber @ Lukas Maul

Tricky Women wurde 2001 gegründet und seit Anbeginn von Waltraud Grausgruber und Birgitt Wagner kuratorisch sowie organisatorisch geleitet. Gezeigt werden Animationsfilme, die ausschließlich von Frauen produziert und gestaltet werden. Das Programm ist von politischen Filmen geprägt, die Themen weiblicher Lebensrealitäten in all seinen Facetten aufgreifen, wobei auch das Lustvolle und ästhetisch Anspruchsvolle nicht zu kurz kommen. Tricky Women zeigt Animationsfilme, die sonst vielleicht eher nicht auf einem Festival gezeigt werden, und ist innerhalb der Nische Animationsfilm inzwischen nicht mehr wegzudenken – vor allem, da es das einzige mit einer dezidiert feministischen Ausrichtung darstellt.

Birgitt Wagner & Waltraud Grausgruber

Organisationstalente

Während die FestivalbesucherInnen noch von einem Kinosaal in den nächsten eilen, wird bereits im Hintergrund für das nachfolgende Jahr gearbeitet. Umso wichtiger ist es für die Festivalleitungen ein funktionierendes Team hinter sich zu haben. Tatsächlich ist es so, dass das Team während der Festivalzeit radikal anschwillt, um anschließend wieder radikal zu schrumpfen. Und doch bieten Filmfestivals ca. 500 Personen einen Arbeitsplatz, der jedoch leider meist sehr prekär gestaltet ist, manchmal auch ohne Bezahlung. Trotz dieser Schwierigkeit versuchen sowohl die Diagonale als auch Tricky Women eine gewisse Kontinuität beizubehalten, auch wenn sie ihr Team teilweise nur für die Festivalzeit beschäftigen können. „Wünschenswert ist, gleich nach einem Festival mit dem bestehenden Team weiterzuarbeiten, aber es bricht fast immer eine Säule weg“, bemerkt Sebastian Höglinger von der Diagonale und spricht damit auch den Wegfall von Wissen an sowie die Notwendigkeit jedes Jahr neue MitarbeiterInnen einzuschulen. Während die Geschäftsführer der Diagonale, die auch für das Kuratieren zuständig sind, im Bereich der Organisation auf Unterstützung zurückgreifen können, sind die Leiterinnen von Tricky Women für alle anfallende Belange zuständig und können nur wenige Aufgaben auslagern. „Wir achten aber darauf, dass alle Beteiligten unserem Budget entsprechend bezahlt werden.“, betont Waltraud Grausgruber.

Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber müssen zudem mobil sein, schließlich haben sie sowohl in Wien als auch in Graz ein Büro. Diese Aufteilung hat sich über die Jahre hin bewährt, denn so kann auf der einen Seite mit der in Wien angesiedelten Filmbranche und auf der anderen Seite mit dem Festivalort Kontakt gehalten werden. Ab dem Spätherbst, wenn das Team langsam wieder anschwillt, finden wöchentliche Teamsitzungen statt bei denen die Diagonale-Kuratoren auf digitale Kommunikationskanäle setzen, die die Arbeit wesentlich erleichtern. Auch auf einer kommunikativen Ebene macht die Aufteilung auf zwei Standort Sinn: Von Wien aus erfolgt die Presse- sowie Redaktionsarbeit für das Programm, hier finden sich auch die großen Medienhäuser Österreichs. In Graz selbst ist die Marketing- und Sponsoringabteilung angesiedelt, die eng mit den lokalen Unternehmen zusammenarbeitet. „Diese Regionalität ist bewusst gewünscht. Wir möchten die regionale Szene ansprechen, mit lokalen Kulturvereinen und -Einrichtungen zusammenarbeiten“, so Peter Schernhuber. Eine Initiative, die sich auszahlt, und die durch die Auszeichnung bei der Green Events Austria Gala 2017 in der Kategorie der Kulturveranstaltungen für das Projekt Diagonale #denktweiter noch verstärkt wird.

@ Diagonale | Paul-Pibernig

Publikumsmagnete

Ausschlaggebend für den Besuch eines Filmfestivals ist die Möglichkeit Filme zu sehen, die eher nicht im regulären Kinoprogramm zu finden sind, die Stimmung vor Ort, die thematische Ausrichtung und ein generelles Interesse für das Medium Film – dies ergab eine vom Forum österreichischer Filmfestivals (FÖFF) durchgeführte Studie für das Jahr 2016 und benennt somit Eigenschaften, die auch auf die Diagonale und Tricky Women zutreffen.

Zentraler Festivaltreffpunkt von Tricky Women ist seit einigen Jahren das Metro Kinokulturhaus in Wien „Es ist dort sehr passend“, meint Waltraud Grausgruber, „Es ist zwar etwas kleiner, jedoch kann so wirklich ein Austausch stattfinden. Unser Publikum trifft sich im Foyer und weiß einfach, alle, die da sind, sind auch wegen des Festivals gekommen. Und dann besteht auch die Möglichkeit mit den anwesenden Künstlerinnen in Kontakt zu kommen, sich zu vernetzen und rege auszutauschen.“ Ergänzt wird dies durch ein Vermittlungsprogramm, das u.a. Workshops beinhaltet, in denen das Publikum selbst einen Trickfilm gestalten kann.

Mit wesentlich größeren Dimensionen hat es die Diagonale zu tun, die die gesamte Stadt Graz bespielt. „Graz hat eine funktionierende Innenstadt und die einzelnen Spielstätten sind zu Fuß erreichbar“, beschreibt Sebastian Höglinger die Vorzüge der Stadt. Neben diesen Aspekten, die wesentlich zur Stimmung beitragen, ist es vor allem die Stadtpolitik, die das Filmfestival organisatorisch und finanziell unterstützt. Der Nachteil ist jedoch, dass das Archivmaterial nicht in allen Kinos gezeigt werden kann, da es in keinem Kinosaal mehr als einen 35mm-Projektor gibt und Überblendungen daher nicht möglich sind. Wünschenswert wäre demnach, dass eine solche Kinoausstattung nicht auf Wien beschränkt bleibt.

Finanzprobleme

Die größte finanzielle Säule für alle Filmfestivals in Österreich stellen öffentliche Subventionen dar. Auf Planungssicherheit können die einzelnen Festivals jedoch trotzdem nicht bauen. Die Tendenz geht in Richtung vieler kleinerer Förderungen von unterschiedlichen Stellen – eine Fleckerlteppichfinanzierung.

„Wir haben seit zehn Jahren das gleiche Budget. Wenn uns dann eine Säule wegbricht, können wir nicht mehr so weiterarbeiten wie bisher.“ beschreibt Waltraud Grausgruber die prekäre Situation von Tricky Women. Die Aufstellung der Finanzierung nimmt entsprechend viel Zeit in Anspruch; Zeit, die dann bei den anderen Aufgaben eingespart werden muss. Eine Förderung durch die EU wäre zwar vielleicht sinnvoll und eine Einreichung würde auch zu Erfolg führen, jedoch ist das Prozedere äußerst umfassend und kann aus Ressourcengründen nicht durchgeführt werden.

Auch die Diagonale kämpft jedes Jahr erneut um die Finanzierung, hat aber zu ihrem Vorteil ein besseres politisches Standing. Es ist von öffentlichem Interesse, dass es ein Festival des österreichischen Films gibt und auch die Stadt Graz hat Interesse daran, dass jährlich eine große Anzahl an Menschen nach Graz kommt und somit auch die regionale Wirtschaft belebt. Feministische Festivals müssen sich da schon eher mit der Frage auseinandersetzen, ob sie denn überhaupt an Relevanz besäßen. Dazu gesellt sich die Schwierigkeit Sponsoringgelder zu lukrieren, denn potentielle SponsoringpartnerInnen argumentieren, dass es doch wirklich sehr unfair sei Männer auszuschließen.

@ Tricky Women | Evelyn Rois

Fazit

Mit Tricky Women und der Diagonale hat Österreich zwei Filmfestivals, die für hohe Qualität stehen und jedes Jahr aufs Neue mit hohen Besuchszahlen rechnen können. Obwohl sie von außen wie temporäre Veranstaltungen wirken, wird im Hintergrund kontinuierlich bereits am Folgejahr gearbeitet bzw. das Vorjahr abgeschlossen. Trotz der inhaltlichen, strukturellen und organisatorischen Unterschiedlichkeit zeigen sich auf der organisatorisch-administrativen Ebene einige Gemeinsamkeiten, deren wohl größte gemeinsamer Nenner die Liebe zum Film, der Anspruch an qualitativ hochwertiges Kino und ein beständiges Ringen um Finanzierung sind. Letzteres sollte im Auge behalten werden, denn ein weiteres, großes Filmfestival, das Kino unter Sternen in Wien, hat verkündet 2017 wegen mangelnder Finanzierung nicht stattzufinden.

Der Filmfestivalreport Österreich, der vom Forum österreichischer Filmfestivals in Auftrag gegeben wurde, findet sich hier: http://film-festivals.at/media/presse/Filmfestivalreport_Oesterrei.pdf

Website Diagonale

Website Tricky Women

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@ Evelyn Rois
Kategorie: „Warum gehen wir nicht ins Theater?“  – Absolventin Daniela Zizic

„Warum gehen wir nicht ins Theater?“  – Absolventin Daniela Zizic

Daniela Zizic in the MuTh
@ Astrid Stöger

„Warum gehen wir nicht ins Theater?“ Antwortete ich unserer Professorin vor Jahren in der Schule, als sie nach möglichen gemeinsamen Aktivitäten fragte. Theater und Bücher, Bücher und Theater – waren von je her meine Wegbegleiter und es sollte noch eine ganze Weile dauern, bis einer der beiden Begleiter auch ein beruflicher wurde.

Ich bin durch viele Jobs gegangen, angefangen als Buffetkraft im Hotel Sacher, dann Rezeptionistin und später auch als Night Managerin in renommierten Wiener 5* – Sterne Hotels. Aber ich wurde unruhig – wollte was Neues sehen und erleben. Die Sehnsucht nach dem Reisen, der Ferne, dem Neuen verschlug mich 2004 als Passenger Service Agent zu Austrian Airlines am Flughafen Wien. Zwischen Check-in, Boarding, Umbuchungen, Gepäckskontrollen usw. stillte ich mein Fernweh, lernte andere Länder und deren Kulturen kennen. Sechseinhalb Jahre war ich dann am Flughafen tätig. Als dieses Fernweh gestillt war, die Schichtdienste, dass frühe Aufstehen, die lauten Hallen und alles was zum „Flughafenleben“ gehörte, zu viel wurden, suchte ich eine neue Herausforderung. Ich wollte mich verändern sowohl beruflich als auch privat. Ich wollte vor allem die geistige Herausforderung und begann im Herbst 2010 an der Universität Wien Vergleichende Literaturwissenschaften zu studieren. Der Literatur- oder der Kulturbetrieb war mein neues Ziel. Das Studium meine Tür zu dieser Welt.

Am 09. Dezember 2012 eröffnete im Wiener Augarten das MuTh-Konzertsaal der Wiener Sängerknaben. Und es bot nicht nur den Sängerknaben einen Ort sich zu entfalten, sondern auch mir. Nach langer Suche und vielen Bewerbungsgesprächen war es dann im Mai 2013 soweit. Ich bekam eine Stelle an der MuTh – Kassa. Endlich! Geschafft! Die Tür in die Welt der Künstler, Kunstschaffenden, der Phantasie und der Vielfalt öffnete sich.

MuTh Konzertsaal
© Helmuth Karl Lackner

Der Konzertsaal bietet den Wiener Sängerknaben ein musikalisches Zuhause. Seit vielen Jahren bauen die Wiener Sängerknaben mit ihren Auftritten eine Brücke zwischen den Kulturen. Die Idee ist es, den Wiener Sängerknaben eine Stätte zu geben, wo sie ihrer Kreativität und ihren Ideen freien Lauf lassen können. Aber nicht nur die Wiener Sängerknaben nutzen das MuTh als ihr Zuhause. Mittlerweile sind neben jungen aufstrebenden Künstlern, Studierenden der mdw oder des MUK, auch renommierte Künstlerinnen und Künstler wie Volkhard Steude, Franz und Matthias Bartolomey, Gottlieb Wallisch, Timna Brauer, Agnes Palmisano im MuTh zuhause. Vereine wie der Kulturmittag, das Wiener Kindertheater spielen ihre Produktionen regelmäßig bei uns. Von Kammermusikalischem, Jazzigem, Lesungen, Symposien und szenischen Produktionen ist alles vertreten. Das MuTh verbindet, wie schon seit Jahren die Wiener Sängerknaben, eine Brücke zwischen Jung und Alt, Klassik und Moderne, Ausstellungen und Lesungen, und am wichtigsten eine Brücke zwischen Publikum und Künstlern. All dies soll mit einander einher gehen beziehungsweise mit einander verbunden werden. Eine Verbindung, die schon mit der Architektur des Hauses beginnt: das neue, hochmoderne Gebäude schmiegt sich an das alte Pförtnerhaus, dass schon seit ewigen Zeiten im Augarten (be)steht.

Nun ich begann, wie schon erwähnt, an der Kassa zu arbeiten. Ich nahm telefonische und schriftliche Reservierungen entgegen, verkaufte Karten an der Tages- und Abendkassa. Von Jahr zu Jahr wuchs das Haus, die Aufführungen wurden mehr und somit auch die Aufgaben für das zu Beginn doch noch recht kleine Team. Ich übernahm den Versand des Newsletters, betreute gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen an der Kassa unsere Abonnentinnen und Abonnenten. Auch die Nachfrage nach Kooperationen begann und so wuchs schön langsam unser Marketing-Team heran. Ich konnte von Beginn an viel berufliche Erfahrung einbringen vor allem im Umgang mit unseren Besucherinnen und Besuchern, aber mit Marketing hatte ich noch gar nichts zu tun. Ja, Ideen waren und sind noch immer viele da, aber war das, was ich tat wirklich Marketing? Wie strukturiert man seine Ideen und Projekte richtig?

Ich begann mit dem Zertifikatslehrgang Kulturmanagement am Institut für Kulturkonzepte zu liebäugeln und meldete mich im Oktober 2015 dafür an. Er half mir zu sehen, ob ich den richtigen Weg gehe und die Aufgaben richtig meistere. Ich wollte mich wieder einmal weiterentwickeln, was Neues lernen. Der Zertifikatslehrgang Kulturmanagement bietet nicht nur die Möglichkeit sich mit beruflichen Zielen, Ideen und Berufswegen zu beschäftigen, sondern auch mit sich selbst. Jedes Seminar verließ ich voller Energie, immer mit der Bestätigung, dass der Lehrgang und berufliche Weg in die Kulturlandschaft einer der besten Entscheidungen waren und auch weiterhin sein werden.

Letztes Jahr übernahm ich dann von meiner Kollegin, die in Karenz ging, die Leitung des Bereiches Ticketing. Ich bin für die Anlage von Veranstaltungen im Ticketsystem zuständig, stehe im Kontakt zu Veranstaltern und Künstlern, koordiniere das Kassateam und unterstütze meinen Kollegen in der Leitung des Publikumsdienstes. Gemeinsam mit dem Marketingteam kümmere ich mich weiterhin um Kooperationen und die höchstmögliche Auslastung unserer Veranstaltungen. Es sind mittlerweile über 300 in der Saison, mit einer Auslastung von ca. 65%.

Ein Hauptaugenmerk des Hauses sind die szenischen Produktionen der Wiener Sängerknaben. Kinderopern sollen Kindern und Jugendlichen nähergebracht werden. Damit beschäftigte ich mich auch während meines Lehrganges. Mit der Vermittlung unseres Hauses als Spielstätte für Kinder und Jugendliche. Aufgrund dessen bekam ich die Möglichkeit auch ein Seminar zu Kulturvermittlung im Rahmen des Lehrganges zu besuchen. Die Idee die daraus entstand, wollen wir ab Herbst umsetzen: Führungen hinter die Kulissen unseres Hauses, das MuTh erleben. Sei es in der Direktion, in der Technik, an der Kassa oder in der Garderobe. Kinder sollen Theater haptisch, spielerisch, aktiv und kommunikativ erleben.

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Und noch etwas Besonderes bringt das Jahr 2017: Das MuTh wird 5! Das feiern wir mit einem Geburtstagsfest am 9. Dezember 2017, einer Ausstellung, Konzerten sowie einer Dokumentation auf ORF 2! Wir freuen uns auf Alle, die mit uns feiern!

Abschließen möchte ich meinen Beitrag mit einem Zitat von August Strindberg: „Die ganze Kultur ist eine große, endlose Zusammenarbeit“. Sie soll bitte groß und endlos bleiben. Es sollen auch weiterhin wunderbare, kreative und interessante Menschen aufeinandertreffen und es soll weiterhin eine Zusammenarbeit voll Kreativität, Phantasie und Herausforderung bleiben.

Bleibt und werdet MuThig! Bis bald im MuTh!

Weiterführende Informationen:

Besuchen Sie unsere Website: www.muth.at

Gespräch im Atelier: unser Atelier mit Blick in den wunderbaren Augarten bietet Raum für bis zu 60 Personen. Es steht allen Studierenden, Vortragenden und Interessierten für Seminare, Lesungen, Diskussionen zur Verfügung. Anfragen an: elke.hesse@muth.at

 

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@ Astrid Stöger
Kategorie: „Eine gehörige Portion Idealismus“ – Absolventin Martina Montanari

„Eine gehörige Portion Idealismus“ – Absolventin Martina Montanari

Martina Montanari
© Kulturverein Musica et Theatrum

Als Absolventin der beiden Lehrgänge Kulturmanagement und Kulturvermittlung sowie mehrerer Einzelseminare und -coachings bin ich sozusagen schon ein „alter Hase“ am Institut für Kulturkonzepte.

2007 begann ich an der Universität Wien Musikwissenschaft und Komparatistik zu studieren sowie am Prayner Konservatorium Klavier und Dirigieren. Ein konkretes Berufsbild oder -ziel hatte ich damals längst noch nicht vor Augen. Nach zahlreichen Praktika in Museen, Künstler- und Kommunikationsagenturen habe ich mich dann für eine Spezialisierung im Bereich Kultur- und Eventmanagement entschieden und besuchte u. a. einen Lehrgang in Rom. Daraufhin kam ich nach Wien zurück und begann im März 2014 mit dem Kulturmanagement-Lehrgang am Institut für Kulturkonzepte. Daraus ergab sich dann auch meine erste fixe Stelle, nämlich die Position als Assistentin im Künstlerischen Betriebsbüro der Vier Neuen Säle im Wiener Musikverein, wo ich bis heute tätig bin. Es war also ein relativ steiniger und von Umwegen geprägter Weg bis dorthin. Als Nicht-Wienerin haben mir vor allem lokale Kontakte und Ansprechpersonen gefehlt und für die Netzwerk-Möglichkeiten am Institut für Kulturkonzepte bin ich bis heute sehr dankbar. Im Zuge der Seminare entstanden Bekanntschaften und vor allem Freundschaften, die bis heute andauern.

Musikverein
© Wolf-Dieter Grabner

Als Mitarbeiterin im Betriebsbüro bin ich mit vielseitigen Aufgaben betraut, von grafischer Gestaltung der Drucksorten, Probendisposition, Verträgen und Honoraren bis hin zur Programmheftredaktion. Auch als ich bereits berufstätig war, besuchte ich noch einzelne Seminare am Institut für Kulturkonzepte, die für meine Tätigkeitsbereiche aktuell waren und spezielle Bedürfnisse und Fragen abdeckten, so z. B. „Kulturmarketing“ und „Audience Development“. Besonders mag ich an meiner Arbeit im kulturellen Bereich, dass jedes Projekt/Konzert an sich eigene Herausforderungen bietet und es stets abwechslungsreich und spannend bleibt. Auf jeden Fall sollte man flexibel und neugierig bleiben, wobei auch eine gehörige Portion Idealismus nicht fehlen sollte.

Im Herbst 2015 gründete ich zusammen mit einer befreundeten Opernsängerin unseren ersten eigenen Verein, den Kulturverein Musica et Theatrum, mit dem wir bereits zahlreiche Konzerte über bzw. auf die Bühne bringen konnten. Hier konnte ich vor allem auf die Inputs aus den Seminaren zu den Themen Sponsoring und öffentliche Förderungen zurückgreifen – Themen, die heutzutage immer wichtiger werden. Zu unseren aktuellen Projekten gehören zwei Konzerte – am 4. und am 29. im Mai 2017. Dazu lade ich Sie herzlich ein!

Weitere Infos finden Sie auf der Website unseres Vereins.

 

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Kategorie: Finden, liken, teilen – Der Kulturmanagement Tag 2017

Finden, liken, teilen – Der Kulturmanagement Tag 2017

Kulturmanagement Tag 2017

Ein Beitrag von Ulli Koch

Fotos: Laura Hörzelberger und Corinna Eigner

Die digitale Welt: Wir bewegen uns darin, posten, laden Bilder hoch, schreiben Texte, erstellen Events und versuchen, unsere kulturellen Projekte oder die Kultureinrichtungen für die wir arbeiten, öffentlichkeitswirksam zu vertreten. Doch so geschickt wir darin auch sind oder zu sein glauben, es gibt einiges, das es zu beachten gilt. Um sich mit der Herausforderung der digitalen Kommunikation im Kulturbereich näher zu beschäftigen, lud das Institut für Kulturkonzepte am 5. April 2017 zum Kulturmanagement Tag, der ganz im Zeichen des Findens, Liken und Teilens stand.

Eröffnet wurde der Tag von Marketingexpertin Karin Wöhrer, die in der digitalen Kommunikation die Möglichkeit sieht, mit den KundInnen in Interaktion zu treten. Bevor dies jedoch erfolgen kann, heißt es zunächst intern zu planen. Konkret bedeutet dies, einen Marketingplan inklusive -Maßnahmen zu erstellen und intern das Wording und die Herangehensweise an ein Thema oder ein spezifisches Projekt festzulegen. Der erste Schritt besteht darin, Ziele zu definieren, die anschließend auch gemessen werden können. Diese Ziele können finanzieller, strategischer, zeitlicher, sozialer oder persönlicher Natur sein. Bereits bei diesem ersten Schritt ist es wichtig, einen Posting-Plan zu erstellen, der dabei hilft den Überblick zu bewahren sowie eine optimale Abstimmung der einzelnen Postings ermöglicht. Der zweite Schritt führt zur immer langfristig ausgelegten Marketingstrategie. Diese ist, so Wöhrer, „schillernd und facettenreich“ und erzählt eine Geschichte.

Nun heißt es im dritten Schritt Content zu generieren, der informieren, beraten aber auch unterhalten soll. Der Content soll dazu genutzt werden, um den Weg der Geschichte nachzuzeichnen. Das bedeutet auch, dass dahinter eine Dramaturgie steht, die der Geschichte eine zusätzliche Dimension verleiht und die vorher definierte Zielgruppe begleitet. Was jedoch bei aller Planung nicht vergessen werden darf, ist der Abspann. Ein Projekt sollte niemals abrupt enden, sondern die Geschichte sollte bis zum Ende erzählt werden. Zu guter Letzt heißt es im letzten Schritt eine Marke zu generieren. Dazu zählen Corporate Design, Behaviour und Communication, die miteinander abgestimmt werden und dabei helfen, eine konsistente Geschichte zu erzählen.

Karin Wöhrer
Karin Wöhrer

Social Media Marketing Experte Christian Henner-Fehr nahm die Anwesenden auf einen kleinen Ausflug in die Zukunft mit. Da Menschen zunehmend über Messaging Systeme miteinander kommunizieren, werden zunehmend sogenannte Chatbots gefragt sein, die als automatisierte KommunikationspartnerInnen in Interaktion mit NutzerInnen treten. Chatbots sind relativ kostengünstig zu programmieren und ermöglichen z.B. TheaterbesucherInnen Informationen zu einem Stück, die Saalauslastung, weitere Termine, etc. zu informieren. Die Idee dabei: NutzerInnen suchen sich diese Informationen nicht mehr selbst raus, sondern stellen ihre Frage einem Chatbot, der in Analogie zu realen Menschen Antworten gibt. Nur die Fragen der NutzerInnen müssen vorher herausgefunden werden…

Zurück in die Gegenwart widmete sich Christian Henner-Fehr dem Storytelling. Auch seine Devise lautet planen, planen, planen, daher ist es bei jedem Storytelling wichtig, zunächst die Bedarfsgruppe zu definieren. Dabei handelt es sich um fiktive Personenprofile anhand derer die Bedürfnisse von Menschen abgeleitet werden können und warum sie eine Kultureinrichtung besuchen bzw. nicht-besuchen. Von diesen Bedürfnissen wird anschließend die Ausrichtung des Contents abgeleitet, also ob dieser eher Informationen, Unterhaltung, Wissen und Reflexion oder Werte ansprechen soll. Im Idealfall werden alle Ebenen angesprochen, wobei eine Schwerpunktsetzung durchaus Sinn macht.

Schließlich geht es im nächsten Schritt darum, die Customer Journey nachzuzeichnen, den Weg, den KundInnen einschlagen, um zu Informationen zu gelangen. Es ist sehr fein, einen wunderschön gestalteten Blog zu haben, jedoch muss dieser auch gefunden werden. Daher definiert man vorab sogenannte Touch Points. Diese können z.B. in einer Facebook-Gruppe sein, die sich thematisch mit meinem Thema beschäftigt und daher bereits zu überwiegenden Teilen mit meiner Zielgruppe übereinstimmt. Um gefunden zu werden, braucht es aber noch mehr. Keywords helfen dabei, dass Suchmaschinen die Inhalte finden. AdGrants von Google ermöglichen auch kleineren Initiativen, Projekten und Einrichtungen die notwendige Werbepräsenz zu verleihen.

Christian Henner-Fehr
Christian Henner-Fehr

In die Welt der Geschichten tauchte auch Anne Aschenbrenner ein, Kulturjournalistin und Social Media Expertin. Sie widmete sich dem Bloggen, das für Kultureinrichtungen und -Initiativen eine wichtige Rolle bei der Positionierung darstellt, sowie um KundInnen zu gewinnen und zu halten. Dazu gehört auch eine Prise Selbstdarstellung, das heißt, sich bereits im Vorfeld zu überlegen, wie man als Einzelperson, Einrichtung oder Projekt wirken möchte. Ebenfalls wichtig ist, rund um den Blog Content aufzubauen, der dabei hilft, dass der Blog überhaupt gefunden wird, was z.B. durch einen Twitter Account oder eine Facebook Fanpage passieren kann. Empfehlenswert sind auch sogenannte Blogparaden, bei denen eine Person oder Gruppe ein Thema vorgibt, zu dem dann viele Menschen schreiben und deren Posts zentral gesammelt werden.

Auch Anne Aschenbrenner arbeitet nach der Devise planen, planen, planen und sich vorher schon zu überlegen, was, wann, wo gepostet werden kann. Und nicht den Mut verlieren! Selbst wenn man das Gefühl hat, gerade zu Beginn ins Leere zu kommunizieren. Es dauert immer ein bisschen, bis Blogs gefunden werden, jedoch kann man gerade im Kulturbereich mit einer hohen Bindung rechnen.

Anne Aschenbrenner
Anne Aschenbrenner

Welchen Nutzen und Mehrwert Apps für den Kulturbereich haben, wurde in der anschließenden Podiumsdiskussion diskutiert. Ein Beispiel für eine solch gelungene App ist KHM Stories, die die NutzerInnen anhand verschiedener Touren durch das Kunsthistorische Museum Wien führt. Durch den interaktiven Charakter dieser Tour haben die BesucherInnen die Möglichkeit, Kunst auf einer weiteren Ebene kennenzulernen und anders mit Kunstwerken in Interaktion zu treten. Ebenfalls äußerst erfolgreich ist die App Ticket Gretchen, die auf sehr unkomplizierte und intuitive Art ermöglicht, Theaterkarten zu kaufen und zu bezahlen.

Bei der Planung einer App sollte man jedoch, so Wolfgang Schreiner, Geschäftsführer von NOUS, realistisch vorgehen. Aus seiner persönlichen Erfahrung mit der Entwicklung von Apps für Kulturbetrieben berichtete er, dass die Gestaltung und Programmierung einer App bis zu vier Jahre dauert, also nur ein langfristiges Ziel für Kultureinrichtungen sein kann – und dadurch auch ein starkes Commitment und langem Atem im gesamten Haus braucht.

Podium zu Kultur-Apps
Podium zu Kultur-Apps

In ihrem Tun bestärkt, mit neuen Ideen und prallgefüllt mit Wissen haben die BesucherInnen des Kulturmanagement Tages schließlich die Veranstaltung ausklingen lassen. Entscheidend bei jeder digitalen Kommunikation ist der Entwurf eines Plans, der so genau wie möglich und so flexibel wie nötig die Kommunikationsmaßnahmen erfasst. Dieser hilft dann bei der Abstimmung im Team und ermöglicht zugleich auch im stressigen Arbeitsalltag Postings zu haben, die entweder automatisch publiziert oder schnell gestaltet werden können. Abschließend sei erneut auf Anne Aschenbrenner verwiesen und ihren Ausspruch, nicht den Mut zu verlieren. Authentisch kommunizieren, glaubhaft und mit viel Herzblut dabei sein, dann stellen sich zunehmend auch FollowerInnen ein, die dafür sehr treu sind.

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Kategorie: „Man darf auch ruhig mal Fehler machen.“ Tanja Praske spricht über Social Media für Kultureinrichtungen

„Man darf auch ruhig mal Fehler machen.“ Tanja Praske spricht über Social Media für Kultureinrichtungen

Tanja Praske
Tanja Praske

Spezial zum Kulturmanagement Tag am 5. April 2017

Ein Beitrag von Ulli Koch 

Wenn es um digital-analoge Kulturvermittlung geht, vor allem um jene von Museen, ist Tanja Praske eine der ersten Ansprechpartnerinnen. Auf ihrem Blog “KULTUR – MUSEUM – TALK“, den sie selbst als Experimentierfeld betrachtet, schreibt sie über mögliche, erfolgreiche und auch mal gescheiterte Kommunikationsstrategien. Sie bleibt dabei neugierig und offen für neue Ideen. Im Gespräch geht sie näher auf den Nutzen von Social Media sowohl für BesucherInnen als auch für Kulturinstitutionen ein.

Welchen Nutzen hat der Einsatz von Social Media für Kultureinrichtungen?

Social Media bietet einen geeigneten Anhaltspunkt um Branding voranzutreiben und dieses Branding selbst in der Hand zu haben. Kultureinrichtungen bzw. spezifischer Museen werden darüber zum Self-Publisher. Das bedeutet je nach Social Media Kanal der bespielt werden soll, verschiedenen Content zu haben. Im Idealfall gibt es einen Blog, der das Herzstück der Social Media Aktivitäten ist, das heißt, von hier geht alles aus, hierhin kommt alles zurück. Das betrifft die Kommunikation und das Marketing.

Betrachtet man das Menschliche, für das „Social“ steht, dann bedeutet das die Chance, mit BesucherInnen in einen engen Austausch zu kommen. Im Idealfall hat das Verhalten der BesucherInnen eine Auswirkung auf neue analog-digitale Vermittlungskonzepte und Kommunikationsmaßnahmen. So erreicht man mehr Bindung ans Haus. Das Museum muss dabei aber zweierlei berücksichtigen: Erstens, Social Media ist kein Pressekanal. Das funktioniert nicht. Es gibt bereits zu viele Inhalte und Terminvorschläge, da selektieren die NutzerInnen sehr stark. Zweitens, eine Kultureinrichtung muss die BesucherInnen ernst nehmen, also nicht einfach nur als „Klick-Vieh“ betrachten.

SchoenerSchein
Den Video-Beitrag zur Ausstellung „Schöner Schein“ können Sie hier anschauen: http://bit.ly/2nbkbfO

Und welchen Nutzen hat es für BesucherInnen?

Es ist eine andere Möglichkeit sich mit Kultur vertraut zu machen. Vielleicht auch Kultur als einen eigenen wichtigen Lebensbestandteil zu begreifen. Das funktioniert natürlich nur, wenn das Museum den Transfer von seinem Auftrag Sammeln-Bewahren-Forschen-Ausstellen-Vermitteln hin zu den Fragen der Gegenwart schafft. Hat das Museum eine Antwort darauf? Oder kann es eine Plattform zum Austausch bieten? Kann es einen ethischen Diskurs eingehen? Ein Museum kann integrativ wirken, insofern es in der Gesellschaft verankert und Bestandteil von dieser ist. Museen müssen heute eine andere Rolle finden als jene, die sie vor zehn oder 15 Jahren eingenommen haben. Es geht darum, Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen und diese Verantwortung einzufordern. Dazu zählt, dass BesucherInnen und ihre Fragen ernst genommen werden. Es geht nicht darum, von oben zu belehren bzw. belehrt zu werden.

Wie kann dieses „Ernstnehmen“ genau aussehen?

Das Museum muss auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen. Es darf dabei gerne Bedürfnisse wecken. Es bietet unterschiedliche Zugänge zu den Werken an, die auf die jeweiligen BesucherInnen abgestimmt sind. Wichtig ist dabei, BesucherInnen mit Dingen oder Fragen aus der eigenen Wirklichkeit zu konfrontieren oder sie etwas vor Ort machen zu lassen, sprich interaktive Formate zu offerieren. Ein aktuelles Beispiel ist die Ausstellung „Schöner Schein“ im Deutschordensmuseum Bad Mergentheim: „Selfie-Stationen“ laden die BesucherInnen zum Mitwirken ein – ein spielerischer Zugang, um sich mit Inhalten auseinanderzusetzen. Für manche BesucherInnen endet das auf dieser Ebene, andere wiederum nutzen weitere Ebenen, die das Museum bietet, z. B. Materialien und Inhalte, die von zu Hause aus zugänglich sind. Über Social Media Kanäle kann der Kontakt zu den BesucherInnen gehalten werden. Hier wäre es wünschenswert, dass das Museum Reaktionen über die Social Media Kanäle ernst nimmt und darauf eingeht, also tatsächlich kommuniziert und Social Media nicht einfach als Werbekanal verwendet. Die Ausstellung „Like it“ im Essl Museum hat damals für Furore gesorgt. Da konnten die BesucherInnen vorab aus einer Vorauswahl die Ausstellung via Like zusammenstellen. Das ist ein guter Zugang, der zwar eher Kulturschaffende erreicht hat, aber es ermöglicht weiterzudenken, wie „normale“ BesucherInnen eingebunden werden können.

© Corinna Eigner
© Corinna Eigner

Kann durch den Einsatz von Social Media auch Community Building entstehen?

Klar. Wichtig dabei ist der Zusatz „analog-digitale Kulturvermittlung“. Fakt ist, das Digitale ersetzt nicht den realen Besuch. Es kann aber Lust darauf machen. Es kann Lust zum Nachdenken, auch im Netz, bewirken. Eine Community kann digital aufgebaut werden, nachhaltig wird sie aber erst im Analogen. Das kann über Tweetups, Tweetwalks, Instawalks, Community-Abende oder -Treffen geschehen, bei denen man im Anschluss einer Führung mit Menschen zusammen an einem Tisch sitzt und über Gedanken, Ideen sowie die Ausstellung oder über diese hinaus spricht. Wenn das Museum da mitwirkt, wird der Zusammenhalt enger. Die Menschen sprechen im Netz so oder so über das Haus, über eine Ausstellung. Die Frage ist nun, möchte sich das Museum da einschalten, moderieren oder mitdiskutieren? Macht es letzteres, dann kann es eine Community aufbauen. Kann es das alleine nicht leisten, dann mögen VermittlerInnen dabei helfen. Sie bringen ihr Netzwerk mit oder coachen das Museum dabei, wie eine analog-digitale Führung erfolgreich ist, je nachdem welcher Kanal im Vordergrund stehen soll.

Das bedeutet zu überlegen, welches Medium möchte ich bespielen und dementsprechend die Vermittlung aufstellen.

Genau. Und man darf auch ruhig mal Fehler machen, man sollte nur daraus lernen. Eine Instagram-Gruppe so zu führen, wie man eine reguläre Gruppe mit 45-minütigen Vortrag führt, das funktioniert nicht. Sie haben einen anderen Fokus, es geht um das perfekte Bild, das muss sich die Institution bewusst sein. Eine Führung für BloggerInnen, TwittererInnen und SnapchatterInnen sieht wieder ganz anders aus. Bei allen analog-digitalen Vermittlungsformaten ist es wichtig, Hashtags festzulegen. Das sehen Andere im Web, vielleicht wird darüber ihre Lust auf einen Museumsbesuch geweckt.

Was waren bis jetzt Ihre größten Aha-Erlebnisse?

Das größte Aha-Erlebnis hatte ich, als ich mich noch gar nicht so intensiv mit dem Digitalen auseinandergesetzt habe. Mich zwitscherte einmal jemand während eines Vortrags an, ich war fassungslos, schließlich sollten wir doch dem Vortrag zuhören. Doch über diesen Austausch im Netz haben sich dann ganz andere Diskussionen entwickelt, eine Parallelkonferenz entstand. Das war für mich ein Aha-Erlebnis, wie etwas Analoges ins Netz hineingebracht und transformiert wird. Manchmal – und das ist so ein Aha-Erlebnis – kann ich in Workshops SkeptikerInnen von der digitalen Kulturvermittlung überzeugen, die dann eigene Ideen entwickeln. Aber das ist nicht immer dauerhaft, denn es kommt auch mal zu Blockaden – vom Management – und Ideen werden wieder zurückgedreht. Digitale Kommunikation darf kein Lippenbekenntnis sein. Sie muss in einer transparenten Strategie eingebettet sein, die von oben kommt und gemeinsam – das ist wichtig – mit den MitarbeiterInnen entwickelt werden. Es dürfen ruhig mal Fehler gemacht werden. Wenn das jemand darf, dann Kulturinstitutionen. Sie müssen aber anschließend damit offen umgehen.

Was sind weitere Herausforderungen?

Es geht darum Geschichten zu erzählen. Über das Geschichtenerzählen emotionalisiert das Museum und schafft so Berührungspunkte und Bindung zum Haus. Wünschenswert ist der Austausch der Museen untereinander. Sich gegenseitig zu helfen, sich auszutauschen, was bei wem funktioniert bzw. nicht funktioniert hat, ist sehr wichtig. Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden. Social Media sowie analog-digitale Kulturvermittlung muss von allen mitgedacht werden, das heißt der Prozess geht sowohl von oben nach unten als auch umgekehrt von unten nach oben aus, erst dann ist er nachhaltig erfolgreich. Digitale Kulturvermittlung ist auch kein Selbst- und Schnellläufer, sondern bedarf einen langen Atem – aber es lohnt sich!

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Tanja Praske
Kategorie: Der Balanceakt zwischen Familie & Beruf – Absolventin Sabine Hofstätter

Der Balanceakt zwischen Familie & Beruf – Absolventin Sabine Hofstätter

Sabine Hofstätter
© Gregor Schweinester

Hallo, mein Name ist Sabine Hofstätter, ich komme ursprünglich aus Kärnten, lebe aber seit nunmehr 20 Jahren in Wien. Mit einer einjährigen Unterbrechung 2000/2001 – Erasmus in Berlin – habe ich Publizistik und Kommunikationswissenschaften in Kombination mit Ethnologie und Handelswissenschaften studiert.

Während meines Studiums habe ich nachts gekellnert und tagsüber Teilzeit in Agenturen (Film, Werbung, PR) gearbeitet. Mir war recht schnell klar, dass ich gut und gerne organisiere. Vor meiner Selbständigkeit habe ich fünf Jahre lang Mobilitätsprojekte für junge Menschen organisiert. Anfang 2012 habe ich gemeinsam mit einer Jugendfreundin „Edelstoff“ gegründet und im Mai 2012 den ersten Designmarkt Edelstoff veranstaltet. Wir haben anfangs alles alleine – also sozusagen im „Zweigang“ – gemacht. Im Nachhinein gesehen ein Wahnsinn… Den Großteil der Vorbereitungsarbeiten sowie das Kuratieren des Marktes machen wir noch immer zu zweit. Aber mittlerweile haben wir bei den Veranstaltungen ein kleines Team, das uns unterstützt.

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© Gregor Schweinester

Nach einer Babypause habe ich 2014 den Zertifikatskurs Kulturmanagement absolviert, um das Selbsterlernte auch durch theoretische Grundlagen zu festigen.

2016 wurde dann aus dem Edelstoff-Verein die „Edle Events OG“. Meine Hauptaufgaben sind – neben der Auswahl der TeilnehmerInnen – das Auswählen der GastronomInnen, das Finden von KooperationspartnerInnen, das Befüllen unserer Social Media Kanäle und das Koordinieren der „helping hands“. Da wir von Anfang an mit wenig Geld einen großen Markt organisiert haben, bin ich es auch gewohnt zu verhandeln. Ich denke, darin bin ich mittlerweile recht gut 🙂

Eine meiner größten Herausforderungen ist der Balanceakt zwischen Familie und Beruf. Ich denke, dass es nur als Selbständige möglich ist, mit seiner Familie, seinen Kindern (ich habe zwei Mädchen – Lina, 11 Monate und Lilith, 4 Jahre) viel Zeit zu verbringen und trotzdem einer spannenden Arbeit nachzugehen. Ich mag es, dass meine Arbeitszeiten flexibel sind – ich arbeite mal tagsüber während das ältere Kind in der Kindergruppe ist und das Baby schläft oder nach wie vor auch gerne in der Nacht.

Im Job finde ich es manchmal kompliziert, die Befindlichkeiten und Sonderwünsche der TeilnehmerInnen zu handlen. Aber, wenn irgendwie möglich, versuchen wir alle (Sonder-)Wünsche zu berücksichtigen.

Heuer, 2017, organisieren wir Edelstoff bereits zum 12. Mal in Wien. Daher bin ich momentan fast wieder rund um die Uhr mit Edelstoff beschäftigt, denn am 1. und 2. April 2017 findet der nächste Designmarkt in der Marx Halle statt: Bei Edelstoff erwarten die BesucherInnen wieder 140 DesignerInnen aus dem In- und Ausland und ein großer Streetfood Bereich. Diesmal wird es nicht nur kuratierte Produkte von und für urbane Individualisten zu entdecken geben, sondern gleich ganze Ateliers. So kann man nicht nur individuelle, oft von Hand gefertigte Kunstwerke kennenlernen, sondern auch den DesignerInnen bei der Fertigung über die Schulter blicken.

Genaue Informationen & laufende Updates zum Edelstoff Designmarkt findet ihr auf der Edelstoff-Website und auf Facebook!

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Designmarkt Edelstoff am 1. und 2. April 2017

Location: Marx Halle, Karl-Farkas-Gasse 19, 1030 Wien

Öffnungszeiten: Samstag, 11:00 – 20:00 Uhr und Sonntag, 11:00 – 18:00 Uhr

Eintritt: Erwachsene 4 Euro, Kinder gratis

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© Gregor Schweinester
Kategorie: Schau doch mal rüber! Absolventin Pamela Schmatz

Schau doch mal rüber! Absolventin Pamela Schmatz

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© Rainer Friedl

Schau doch mal rüber!
Ein Plädoyer für die Seiten-Blicke.

Die besten Ideen kommen mir nicht am Schreibtisch. Sondern beim Zähneputzen. Hose zu-zippen. Oder beim Zeitschriften durch-zappen.

Die beste Ausbildung, war nicht die, die perfekt in meinen Lebenslauf gepasst hätte. Das wäre dann irgendein Marketing-Master gewesen. Es war die spontane Entscheidung, etwas komplett anderes zu machen – Kulturmanagement.

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© Pamela Schmatz

Sei mein Requisitenkoffer!

Warum die Kommunikation die Kunst braucht.

Ich bin ein Teil von FRIEDL UND PARTNER. Wir machen Text, Grafik und Kommunikation. Und das für KMU genauso wie für große öffentliche Auftraggeber. Die Herausforderungen sind meistens die gleichen – der Kick auch, wenn man dann DIE Idee hat, die funktionieren könnte.

Das, was ich im Lehrgang gelernt habe, hat nicht direkt etwas mit meiner Arbeit zu tun – und gleichzeitig ganz viel. Ich habe viele Seiten-Blicke bekommen, die mich inspiriert haben, und viele Kontakte geknüpft, die das bis heute tun. Die Kommunikationsbranche braucht – wie wahrscheinlich viele andere auch – die Kunst, um sich Ideen zu holen, etwas Neues auszuprobieren. Schließlich geht’s ums Verzaubern. Da wie dort. Und dafür ist der Lehrgang wie ein großer Requisitenkoffer. Man kann aus dem Vollen schöpfen und sich „Seines“ mitnehmen, um etwas Neues daraus zu machen.

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© Pamela Schmatz

Jetzt aber wirklich!

Der Startschuss zum Blog

„Meines“, das war der Blog LUST AUF KREMS. Als Texterin hat mich das Medium schon immer gereizt – die Konzepte dazu blieben aber immer Konzepte. Bis zu dem Moment als ich eine Abschlussarbeit brauchte. Neben den Seiten-Blicken ist das JETZT-Moment die zweite wichtige Komponente der Ausbildung. Oft muss man ja zum Glück ein bissl gezwungen werden – und das ist in dem Fall sehr gut. Denn der Blog läuft seit mehr als zwei Jahren erfolgreich. Das ist nicht nur nette (Selbst)Bestätigung, sondern so kommen mittlerweile auch Projekte für FRIEDL UND PARTNER zustande. Durch Seiten-Blicke.

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© Pamela Schmatz

Pssst!

Bald mache ich aus meinem Blog ein Buch.

Ich halte euch am Laufenden: www.lustaufkrems.com, facebook.com/lustaufkrems

 

Pamela Schmatz ist zu Gast bei unserer Infoveranstaltung „MEHR ALS (NUR) EIN JOB – Meine Karriere in der Kultur“ am 5. April 2017, 17.30-19.00 Uhr in der IG Architektur. Dort spricht sie über ihren Berufsalltag als Bloggerin, ihre Aufgaben in der Kommunikationsagentur und ihre Aus- und Weiterbildungen, die sie dort hingebracht haben, wo sie heute ist. Der Eintritt zum Infoabend ist frei, die Anmeldung aber hier erforderlich.

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© Rainer Friedl
Kategorie: „Strukturiert aber flexibel.“ Ein Gespräch über die Social Media Aktivitäten des Volkstheaters Wien

„Strukturiert aber flexibel.“ Ein Gespräch über die Social Media Aktivitäten des Volkstheaters Wien

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© www.lupispuma.com / Volkstheater

Spezial zum Kulturmanagement Tag am 5. April 2017

Ein Beitrag von Ulli Koch 

Kommunikation ist im Kulturbereich ein Kerngeschäft, schließlich wollen Kulturbetriebe potentielle NutzerInnen erreichen, ihnen Inhalte zugänglich machen und sie auch dazu animieren am Kulturbetrieb zu partizipieren. Durch die sogenannte digitale Revolution kann auf Social Media Kanäle inzwischen nicht mehr verzichtet werden. Im Gegenteil, stellen diese doch das zentrale Kommunikationstool der heutigen Zeit dar. Erfolgreich in der Umsetzung ist beispielweise das Volkstheater Wien. Welche Strategie das Theaterhaus verfolgt und wie welche Kanäle genutzt werden, erklärt Kommunikationsleiterin Lena Fuchs.

Wie schaut das operative Tagesgeschäft beim Volkstheater aus?

Grundsätzlich sind wir in der Kommunikationsabteilung zu viert und decken das gesamte Kommunikationsspektrum, also sowohl interne als auch externe Kommunikation, ab. Wir entwickeln viele Themen im Team. Jede Person kann eigene Beiträge und Vorschläge einbringen und diese finden dann Eingang in die gemeinsame Strategie. Es gibt ein paar Säulen, die feststehen: Zum einen das Volkstheater Magazin, das nur online zugänglich ist. Hier veröffentlichen wir eigene redaktionelle Inhalte. Das Magazin wird von der Pressereferentin Andrea Heinz redaktionell betreut, die zusammen mit der Dramaturgie journalistische Beiträge liefert. Der Content des Magazins wird automatisch zum Social Media Content. Zum anderen arbeiten wir premierengetrieben. Premieren sind für uns immer der wichtigste Kommunikationsanlass. Wir überlegen gemeinsam im Team, welche Themen gibt es dazu, was kann das Magazin abdecken und ergänzen das dann durch weitere Inhalte, Fotos und Videos, die wir auf den entsprechenden Plattformen posten. Bei Twitter, dem textlastigsten Kanal, posten wir zum Beispiel Zitate aus den Stücken.

Wie erfolgt die operative Planung?

Wir benutzen Tools, um unsere Kommunikation zu planen. Das ist zunächst eine Excel-Tabelle, die die ganzen Kanäle übersichtlich nebeneinanderstellt. Zum Posten verwenden wir Buffer, das ist eine webbasierte Software, bei der Content geplant werden kann und die dann automatisch die vorher definierten Inhalte postet. Das ermöglicht uns, zeitlich effizient vorzugehen. Neben den Premieren und Produktionen gibt es noch andere Anlässe, die dann in unseren Kommunikationsplan und die Kanäle einfließen. Beispielsweise die erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne für TheaterpatInnenschaften, die drei Monate online war. Da haben wir strategisch überlegt, welche Geschichte wir über den gesamten Zeitraum erzählen können, welche Botschaften wir platzieren und auf welchem Kanal. Dafür haben wir eigens Fotos, Videos und Texte erstellt. Ein weiterer Bestandteil ist die mediale Berichterstattung, z.B. eine positive Kritik oder ein Fernsehbeitrag über unsere SchauspielerInnen, die wir vor allem über Facebook duplizieren. Instagram, Facebook und Twitter sind auch tatsächlich interaktiv. YouTube dient für uns lediglich dazu Videos abrufbar zu machen, hier gibt es keine nennenswerte Interaktion.

Volkstheater
© www.lupispuma.com / Volkstheater

Wie verläuft die strategische Kommunikationsplanung?

Wir legen pro Spielzeit gewisse Schwerpunkte fest, wie etwa die anlassbezogene Kommunikation zu Premieren, aber der eigentliche Content entsteht erst während der Probenzeit und wird dann relativ genau von Monat zu Monat geplant. Aber viele Dinge geschehen auch spontan während des Probenprozesses. Nicht immer bekomme ich z.B. Backstage-Fotomaterial, nicht immer finde ich jeden Tag ein interessantes Foto für Instagram. Das hängt auch stark von den KünstlerInnen ab, ob und wie viel sie zulassen, zeigen wollen. Wir müssen bei aller Strukturiertheit flexibel sein.

Instagram wird eher dazu genutzt, um Sachen zu zeigen, die hinter der Bühne passieren.

Tatsächlich ist das für uns das Alleinstellungsmerkmal von Instagram: mehr Behind the Scenes zu zeigen. Ein Learning, das ich gemacht habe, ist, dass die Bilder einer bestimmten Ästhetik entsprechen müssen, um möglichst viel Resonanz zu erhalten. Inklusive der Hashtags, bei denen es sich lohnt sie optimal zu formulieren. Bei Facebook interagieren die NutzerInnen z.B. stark über die offiziellen Fotos oder Veranstaltungen. Bei Twitter zählt der Text, etwas Humorvolles. Es muss also schon je nach Plattform differenziert werden, welche Inhalte gepostet werden. Kurz gesagt: Text auf Twitter, besondere Fotos auf Instagram, Facebook am meisten noch als soziale Plattform. Hier findet die meiste Interaktion statt, nicht nur Likes, sondern die Menschen kommunizieren miteinander.

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Volkstheater @ Instagram

Partizipation ist demnach wichtig.

Feedback ist mir extrem wichtig und ich empfinde das auch als sehr lohnend. Insbesondere beim klassischen Marketing kann man die Effekte oft schwer messen. Bei allen Social Media Kanälen kann ich aber unmittelbar erfahren, was die Menschen annehmen, was sie interessiert und was sie weiterempfehlen.

Was sehen Sie als eine große Herausforderung?

Die größte Angst oder Frage ist ja immer, ob ein Shitstorm ausbricht und wie ich es am Wochenende oder in meiner Freizeit schaffe den Überblick zu behalten. Zum Glück ist offensichtlich die Nische Theater zu klein, um so etwas hervorzurufen. Also die ganzen Horror-Szenarien, etwas nicht mehr kontrollieren zu können, das hat sich zum Glück noch nicht ergeben. Krisenhafte Situationen gibt es schon, zum Beispiel wenn es Spielplanänderungen gibt, aber die Resonanz ist wirklich so überschaubar, dass wir auf Menschen und ihre Fragen eingehen können.

Was ist ein weiteres Learning, das Sie gemacht haben?

Menschen, die auf Social Media Kanälen Fragen stellen, erwarten eine sehr schnelle Reaktion. Da ist die Herausforderung möglichst schnell zu reagieren, wenn z.B. jemand um 16 Uhr fragt, ob es noch Karten für heute Abend gibt. Zumindest eine Kollegin und ich sitzen immer mit offenen Browser-Tabs vor dem Computer und beantworten solche und ähnliche Rückmeldungen möglichst schnell. Sollten solche Anfragen anwachsen, muss man sich personell überlegen, ob noch eine weitere Person ins Team geholt wird.

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Volkstheater @ Twitter

Warum braucht ein Theater eine App?

Ein Theater braucht eine App, um den Kartenkauf von unterwegs möglichst einfach zu machen, also für den Kartenvertrieb. Ein Theater braucht keine App, um Inhalte zu duplizieren, die bereits auf der Website zugänglich sind. Nur wenn ich mit der App – und mit keinem anderen Kanal! – eine einzigartige Geschichte erzählen kann, lohnt sie sich über den Vertriebsaspekt hinaus. Hier haben wir Theater noch Nachholbedarf. Das unterscheidet das Theater auch vom Museum, wo zum Beispiel ein digitaler Ausstellungsguide das Museum noch auf einer anderen Ebene erfahrbar macht.

Haben Sie Tipps für erfolgreiche Social Media Aktivitäten?

Immer neu überprüfen, wie eine Plattform funktioniert. Zum Beispiel ändert Facebook gerne die Algorithmen. So generieren Videos, die direkt auf der Plattform hochgeladen werden, wesentlich mehr Reichweite als YouTube Links. Total gepusht wird gerade Facebook Live, dadurch lässt sich gerade die größte Sichtbarkeit generieren. Es ist wichtig, immer am Laufenden zu sein und zu schauen, welcher Inhalt gerade am meisten gepusht wird. Auch nicht stur bei etwas bleiben, wenn das keine Resonanz hervorruft. Und dann noch im Team definieren, welche Sprache verwendet wird, wie die generelle Ausrichtung ist. Also miteinander einen Weg finden, der es dann ermöglicht schnell und effizient zu kommunizieren.

 

Am 5. April 2017 veranstaltet das Institut für Kulturkonzepte den Kulturmanagement Tag.

Unter dem Motto „Finden, liken, teilen – Digitale Kommunikation im Kulturbetrieb“ geben wir Ihnen relevante Inputs zum Thema, zeigen Ihnen Best Practice Beispiele und diskutieren mit ExpertInnen am Podium zu den neuesten Entwicklungen.

Alle Infos zum Detailprogramm sowie Tickets erhalten Sie hier.

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© www.lupispuma.com / Volkstheater
Kategorie: Was kann Kulturvermittlung? Und warum braucht sie Communities? Das internationale Symposium Kulturvermittlung 2017

Was kann Kulturvermittlung? Und warum braucht sie Communities? Das internationale Symposium Kulturvermittlung 2017

 

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© David Visnjic

Ein Beitrag von Ulli Koch 

in Kooperation mit Kulturmanagement Network

Was haben Museen, Ausstellungsräume, Festivals und Theaterhäuser gemeinsam? Sie alle sind Orte, an denen professionelle Kulturvermittlung stattfindet. Und dies immer mit dem hohen Anspruch, gesellschaftspolitisch tätig zu sein und etwas zu bewirken. Umso passender, dass während des Internationalen Symposiums Kulturvermittlung 2017 – zumindest indirekt – die Frage im Mittelpunkt stand, wer daran glaube, mit Kulturvermittlung die Welt retten zu können.

Heterogenität als Chance

Ausgerichtet wurde das Symposium von der NÖKU-Kulturvermittlung Niederösterreich in Kooperation mit dem Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim. Und so kamen am 27. und 28. Januar 2017 ca. 200 KulturvermittlerInnen überwiegend aus dem deutschsprachigen Raum zusammen, um eine zentrale Frage zu beantworten: Was kann Kulturvermittlung? Prinzipiell, so Birgit Mandel, Leiterin des Bereichs Kulturvermittlung an der Universität Hildesheim, habe sie die Aufgabe, Zugänge zu Kunst und Kultur herzustellen. Die Herausforderung dabei besteht in der Heterogenität der Beteiligten – BesucherInnen, PädagogInnen, Marketingverantwortliche und auch künstlerische/ wissenschaftliche LeiterInnen. Diese Heterogenität ist definitiv zu begrüßen, aber sie kann auch Hürden herstellen. Die Aufgabe besteht also darin, eine Verbindung zwischen den verschiedenen Interessensgruppen und individuellen Lebensrealitäten aufzubauen. Genau das ist der Punkt, an dem Kulturvermittlung ansetzt. Nach Mandel stellt sie deshalb eine Art Schlichtungsprozess dar.

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© David Visnjic

Gesellschaftspolitische Relevanz

Befördert durch den ästhetischen Genuss, kann Kulturvermittlung zwischen unterschiedlichen Denk- und Herangehensweisen vermitteln. Dabei stellen Emotionen das verbindende Element dar. Gerade diese Verbindung ist es, die Kulturvermittlung eine gesellschaftspolitische Relevanz zuweist, denn so kann – vielleicht auch nur für einen Moment – innerhalb der VertreterInnen einer pluralistischen Gesellschaft eine Gemeinschaft entstehen, die idealerweise auch die Kultureinrichtung einbezieht. Dieser Vorgang, Community Building genannt, ist möglich u.a. durch partizipative Ansätze, die die Menschen dazu einladen, aus der Rolle der passiv Konsumierenden herauszutreten, ihr eigenes kreatives Potential zu entdecken oder ihr eigenes Weltbild zu hinterfragen. Das Kulturvermittlung sich dabei beständig weiterentwickeln und auf die pluralistische Gesellschaft jedes Mal neu eingehen muss, steht dabei außer Frage.

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© David Visnjic

Gemeinsamkeiten finden

Doch wie können und sollen solche Communities entstehen? Durch verbindende Elemente. Für Lutz Liffers, Soziologe, Kultur- und Bildungsmanager, ist der Stadtteil als der Raum, in dem Menschen wohnen, ein passendes Beispiel. Was zunächst simpel erscheint, birgt großes Potential. Ein Stadtteil trägt sowohl die private als auch die öffentliche Sphäre in sich, es ist jener Ort, an dem Menschen sich überwiegend bewegen und Tätigkeiten des Alltags, zumeist auch Berufslebens und der Freizeit ausführen. Die BewohnerInnen setzen sich also zwangsläufig mit diesem Raum auseinander und so kann beispielsweise die Eröffnung einer Stadtteilbibliothek oder die Installation eines Kunstwerks Emotionen wecken und verbindend wirken.

Partizipation! Aber bitte freiwillig und spontan

Was niedergeschrieben einfach klingt, ist in der Realität jedoch nicht immer so einfach umzusetzen. Das zeigt das aktuelle Beispiel der Demonstrationen während der Eröffnung des Kunstwerks „Monument“ am 07.02. vor der Dresdner Frauenkirche deutlich. Während des Symposiums berichtete die Dramaturgin, Kulturvermittlerin und Dozentin am Institut für Kulturkonzepte Susanne Wolfram aus ihrer eigenen Arbeit, dass partizipative Projekte nur mit einer gewissen Spontanität erfolgreich sein können. Schließlich ist nie vorauszusehen, wie Menschen auf Projekte reagieren, mit ihnen interagieren und daran teilnehmen. Gerade dieser prozesshafte Charakter stellt einerseits die größte Herausforderung dar und führt andererseits zu fruchtbaren Ergebnissen. Jedes partizipative Kulturprojekt kann nur auf die Freiwilligkeit der Teilnehmenden aufbauen und muss zugleich ausreichend Anreiz schaffen, um diese Freiwilligkeit überhaupt zu generieren. Wolfram setzt dabei u.a. auf Co-Creation, bei der Laien und Profis zusammenarbeiten. So kann auch von Seiten der Organisation ein Monitoring des künstlerischen Prozesses erfolgen.

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© David Visnjic

Ein besonders schönes Beispiel dafür ist das Filmprojekt „Inside Me“, das am Gymnasium Kenyongasse in Wien umgesetzt wurde. Die engagierte Lehrerin Michaela Götsch hat gemeinsam mit der freischaffenden Künstlerin und Absolventin des Zertifikatlehrgangs Kulturmanagement Verena Faißt SchülerInnen dazu eingeladen einen Film zu produzieren. Insgesamt 59 SchülerInnen waren am Projekt beteiligt und haben von Kamera, Ton, Musik, Schnitt, bis hin zu Schauspiel und Kostüm alles selbst gestaltet. Das dies bei einem so großen, heterogenen Team nicht konfliktlos über die Bühne gegangen ist, kann man sich vorstellen. Und auch für die Projektleiterinnen war dieses Filmvorhaben eine Herausforderung, die sich aber mehr als gelohnt hat. Wesentlich zum Erfolg beigetragen hat die Freiwilligkeit der SchülerInnen an diesem Projekt mitzuwirken, die Spontanität der ProjektleiterInnen und der Wunsch etwas Gemeinsames zu schaffen.

Ergänzend dazu kann der Impulsvortrag von Anne Graswinckel von der Theaterkompanie Tryater verstanden werden. „The journey is more important than the destination“, meint diese und unterstrich den Spaßcharakter von partizipativen Kulturprojekten. Durch Spielen, Ausprobieren, Scheitern und gefeierten Erfolgen kann sowohl bei den Teilnehmenden als auch bei den KulturvermittlerInnen ein Prozess des gemeinsamen Lernens in Gang gesetzt werden. Dabei ist unter Lernen nicht zwangsläufig ein auf Fakten basierender Wissenserwerb zu verstehen, sondern soziale Verhandlungsprozesse und Einblicke in verschiedene Lebensrealitäten. Partizipative Kulturarbeit, so Graswinckel, darf daher nicht kompetitiv verstanden werden. Das eigene (künstlerische) Ego muss hinten angestellt werden, um eine Community des Vertrauens und des Wachsens aufzubauen.

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© David Visnjic

Best Practice – voneinander lernen

Neben all den theoretisch unterfütterten Vorträgen und Impulsen war während des Symposiums ausreichend Platz für Best Practice-Beispiele aus den verschiedensten Kulturbereichen. Was sie alle verbanden, war der Beweis, dass Community Building in der Kulturvermittlung äußerst erfolgreich sein kann. Und sie machten noch etwas Anderes deutlich, nämlich, dass Kulturvermittlung eine stark aktive Komponente innewohnt. Nur wenn sie aktiv auf Menschen zugeht und dabei niederschwellig und auf Augenhöhe kommuniziert, kann sie Menschen erreichen und zur Partizipation anregen. Interaktive Austauschmöglichkeiten, die auf die einzelnen Lebensrealitäten der pluralistischen Community eingehen, ohne diese zu relativieren, schaffen eine gemeinsame Basis, die Raum für Neues bietet.

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© David Visnjic

Ausblick auf 2019

Während des Symposiums wurde jedoch nicht nur nachgedacht und Ideen für die eigene Arbeit gesammelt, sondern auch die Vernetzung und der informelle Austausch wurden gefördert und gelebt. Dies ist vor allem dem Organisationsteam zu verdanken, das mit innovativen Ideen und optimaler Betreuung für Spaß, Abwechslung und sehr fundierten fachlichen Inputs wesentlich zum Gelingen des Symposiums beigetragen haben. Kurzum: Das Jahr 2019, in dem das nächste Symposium Kulturvermittlung stattfinden wird, kann nicht schnell genug kommen.

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Ulli Koch hat zwei Tage lang eifrig getwittert – nachzulesen hier: http://bit.ly/2ljYojl
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© David Visnjic

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