Eine möglicherweise leider schon tote Katze im praktischen, formschönen Sack verkauft sich besser als ein unbändiger wilder Kater.
Wenn mich jemand fragt, was ich künstlerisch oder beruflich mache, fällt mir die Antwort aus ungefähr genau diesem Grund nicht leicht: Ich stecke so ungern freie Sachen in einen Sack (egal wie hübsch er ist).
Unter anderem deswegen nahm ich 2014/2015 am Lehrgang für Kulturmanagement des Instituts für Kulturkonzepte teil. Dabei habe ich zum Beispiel gelernt, dass ein Elevator Pitch nur ab und zu was mit elektronischer Musik zu tun hat und dass man sich vor adretten Säcken nur manchmal fürchten muss.
Also hier ein neuer Versuch:
Ich bin Filmemacherin, Photographin, Bühnenbaumeisterin für den unsichtbaren weißen Elefanten, Expertin für noch nicht erfundene Sprachen, Gestängekonstrukteurin für Sauerstoffzelte hinter dem Mond und Klangmeisterin für Unerhörtes. Ich arbeite innerhalb, außerhalb und an den Grenzen pädagogischer Kontexte.
Zum Beispiel als Workshopdesignerin und Workshopleiterin im Trickfilmstudio des ZOOM Kindermuseum. Dort produzieren wir Trickfilme mit Schulklassen und zufälligen Wochenend-Filmteams aus EinzelbesucherInnen.
Webplakat Mamihlapinatapai: Verena Faißt
Oder gemeinsam mit dem großartigen Musiker Oliver Stotz. Wir realisieren Sound- und Videoprojekte mit Schulklassen. Zuletzt präsentiert haben wir “MAMIHLAPINATAPAI” im Votivkino am 8.6.2017. Der experimentelle Kurzfilm entstand in Kollaboration mit 14 SchülerInnen des BRG19 in der Krottenbachstraße. Der Titel bedeutet so viel wie „das Austauschen eines Blickes zwischen zwei Personen, von denen jeder wünschte, der andere würde etwas initiieren, was beide begehren, aber keiner bereit ist, zu tun“.
Stories und Inhalte gebe ich allerdings niemals vor. Sie entstehen vielmehr im gemeinsamen Arbeiten mit den Jugendlichen und stellen Themen dar, die der gemeinsame kreative Prozess an die Oberfläche spült.
Meine künstlerische Praxis ist es also vor allem, derartige Prozesse zu ermöglichen und zu begleiten. Ich versuche, die Jugendlichen dabei zu unterstützen, ihre eigenen Ideen und Bilder zu entwickeln, miteinander auszuhandeln und möglichst gut umzusetzen.
Künstlerischer Anspruch im Sinne von ergebnisoffenen Prozessen, inspirierten/inspirierenden Produkten und pädagogischer Anspruch im Sinne einer positiven Persönlichkeitsentwicklung aller Beteiligten (inklusive meiner selbst) widersprechen sich dabei selbstverständlich nicht.
Die vielfältigen Werke, die in wechselnden Kollektiven entstehen, spiegeln naturgemäß immer die Konstellation aus Menschen, Zeit und Räumen wieder.
Diesen spannenden Ergebnissen eine Bühne zu geben und sie diskutieren und wirken lassen zu können ist mir ein zentrales Anliegen. Dem versuche ich zum Beispiel im Rahmen öffentlicher Screenings im Kino, in Radiofeatures oder Ausstellungen gerecht zu werden. Teil dieser Bühne ist natürlich auch mein Webauftritt: verenafaisst.com
Falls Sie nicht allzu enttäuscht sind, dort keine Katzenvideos zu finden und sich dennoch ein wie auch immer geartetes Interesse ergibt, freue ich mich jederzeit über eine Kontaktaufnahme!
Verena Faißt
Foto: Claudia Rohrauer
Kategorie: Lea Sonderegger & Patrick Rieser – Fotokunstprojekt 2017/18 – Teil I „ROCKY“
Lea Sonderegger & Patrick Rieser – Fotokunstprojekt 2017/18 – Teil I „ROCKY“
Foto: Lea Sonderegger & Patrick Rieser
Dieses Mal haben wir für das alljährliche Fotokunst-Projekt auf unserem Seminarprogramm der Zertifikatslehrgänge Kulturmanagement & Kulturvermittlung ein Gewinnspiel ausgerufen. In Kooperation mit der Graphischen Wien haben wir Diplomprojekte ausgewählt, die von Studierenden aus den dortigen Kollegklassen produziert worden sind. Die eingereichten Projekte waren qualitativ sehr hochwertig und vielfältig – damit wir uns für ein Siegerprojekt entscheiden konnten, haben wir uns Unterstützung geholt: Die Jury hat sich zusammengesetzt aus Larissa Cerny (Grafikern), Živa Vavpotič (Freiberufliche Kuratorin und Kulturarbeiterin), Corinna Eigner (Kommunikation bei Kulturkonzepte) und Bettina Letz in unparteiischer und beratender Funktion (Lehrerin für Fotografie an der Graphischen).
Das Team des Projekts „UNTERTITEL – Reinszenierungen von Filmen“ hat die Jury letztlich überzeugt – in den Fotoserien spiegeln sich subtil die unterschiedlichen Sparten von Kunst und Kultur wider und zeigen die ProtagonistInnen an „magischen“ Orten Wiens. Die FotografInnen schaffen es außerdem, mit diesem Fotobuch die essentielle Bedeutung von Kunst und Kultur auf den einzelnen Menschen zu verdeutlichen. Die zentrale Frage „wozu braucht die Gesellschaft Kunst und Kultur“ beantworten sie in ihrer Arbeit sehr zugänglich. Wir freuen uns, als Aus- und Weiterbildungsinstitut für Kulturmanagement und Kulturvermittlung, diese Kernaussage weitervermitteln zu dürfen!
Hier präsentieren wir euch die Interviewreihe mit dem Projektteam, bestehend aus Lea Sonderegger, Patrick Rieser, Viktoria Satovich und Sophia Mara Egger-Karlegger, wo wir in drei Teilen jeweils eine Fotoserie des Projektes „UNTERTITEL“ unter die Lupe nehmen:
Foto: Lea Sonderegger & Patrick Rieser
Was steckt hinter dem Projekt „UNTERTITEL“?
Bei „UNTERTITEL“ handelt es sich um ein Fotobuch mit Interviews, in dem wir der Frage nachgehen, wie stark Filme auf einzelne Menschen wirken können.
Im Zuge des Projekts haben wir uns auf die Suche gemacht, diese Menschen zu finden und vorzustellen, um auf ein wenig beachtetes Phänomen aufmerksam zu machen. Sechs Personen, die von bestimmten Filmen besonders geprägt wurden, haben wir interviewt, porträtiert und in einem fiktiven Filmplakat fotografisch inszeniert. Alle sechs Geschichten zeigen, wie unterschiedlich ein Film das Leben von Menschen beeinflussen kann.
Im Buch finden sich zu den einzelnen Personen kurze einleitende Texte und auch immer wieder kurze Passagen aus den Original-Interviews. Auf der Webseite zum Projekt findet ihr die Audioversion der vollständigen Interviews.
Wie setzt sich euer Projektteam zusammen? Was waren eure jeweiligen Aufgaben?
Die Idee für das Projekt kam von Lea Sonderegger und Patrick Rieser. Sie beide waren auch für den fotografischen Part des Projektes zuständig und haben Kontakt zu den ProtagonistInnen der Fotoserien aufgenommen. Weitere Aufgaben waren die Recherche der jeweils favorisierten Filme, Ideen-Entwicklung, Suche und Besichtigung entsprechender Locations und Organisation von Requisiten, Licht etc..
In den Arbeitsbereich von Sophia Egger-Karlegger sind drei verschiedene Aufgaben gefallen. Sie hat für jeden Film eine analoge Collage erstellt, die als Einführung des jeweiligen Protagonisten im Buch zu sehen ist. Sie hat die Interviews aufgenommen, geschnitten und transkribiert und sie für unsere Website eingerichtet.
Für das Gestalten, das Konzipieren und Layoutieren des Fotobuches, war Viktoria Satovich zuständig. Sie hat außerdem die fiktiven Filmplakate entworfen.
Foto: Lea Sonderegger & Patrick Rieser
Herausgekommen sind ein sehr gelungenes Fotobuch und eine Website zu den Interviews. Was plant ihr noch?
Wir können uns sehr gut vorstellen, dieses Projekt einmal weiter zu führen, das fänden wir sehr schön. Dazu bräuchte es allerdings einen Sponsor, denn so ein Buchprojekt ist mit Kosten verbunden, und bislang besitzt nicht einmal jeder von uns ein eigenes Exemplar. Also der nächste große Schritt ist auf jeden Fall die Sponsorensuche.
Foto: Lea Sonderegger & Patrick Rieser
Foto: Lea Sonderegger & Patrick Rieser
SERIE #1 „ERWIN UHRMANN & ROCKY“
Was verbindet euren Protagonisten Erwin mit dem „Underdog“ Rocky? Was bedeutet ihm das Filmzitat „No Pain?“
Erwin sieht nicht nur den Kämpfer in Rocky, sondern kann sich auch mit seiner introvertierten und fürsorglichen Art identifizieren. Der Film hat damals den Kampfgeist in dem Schüler Erwin erweckt und hat ihm so durch seine Schulzeit und andere schwierige Lebenssituationen geholfen. Wie der Trainer zu Rocky, sagt Erwin auch heute noch in ausweglos erscheinenden Momenten gerne zu sich selbst: „No Pain!“.
LiebhaberInnen der Wiener Programmkinos erkennen den Ort des Shootings sofort – das Gartenbaukino. Wieso habt ihr diesen Ort ausgewählt? War es schwierig, den großen Kinosaal für euch alleine zu bekommen? Wie habt ihr das gemacht?
Erwin selbst ist ein Cineast – daher war es für uns klar, dass wir ihn auch in einem Kino fotografieren werden. Generell war es uns wichtig, die Portraits an Orten zu machen, zu denen die jeweiligen Personen einen persönlichen Bezug haben. Beim Gartenbaukino handelt es sich um eines von Erwins Lieblingskinos, damit war die Entscheidung gefallen. Zudem haben uns das besondere Flair und die schöne Ausstattung des Gartenbaukinos auf Anhieb gefallen.
Wir haben um eine Fotoerlaubnis angefragt und hatten Glück. Unsere Kontaktperson war sehr begeistert von unserem Projekt und gerne bereit, uns zu unterstützen.
Foto: Lea Sonderegger & Patrick Rieser
Wohin hat es Erwin letztendlich verschlagen? Hat er sich für Boxkurse angemeldet?
Obwohl Boxen im Film eine tragende Rolle spielt, war dieser Sport für Erwin eher nebensächlich. Er empfindet ihn eher als Metapher für das „Sich-Durchkämpfen“ im Leben – dafür, dass man immer wieder aufsteht und nicht so schnell aufgibt. Dieser Film gibt ihm bis heute Hoffnung und Zuversicht.
Foto: Lea Sonderegger & Patrick Rieser, Plakat: Viktoria Satovich
Foto: Lea Sonderegger & Patrick Rieser
Foto: Lea Sonderegger & Patrick Rieser
Foto: Lea Sonderegger & Patrick Rieser
Foto: Lea Sonderegger & Patrick Rieser
Foto: Lea Sonderegger & Patrick Rieser
Foto: Lea Sonderegger & Patrick Rieser
Foto: Lea Sonderegger & Patrick Rieser
Foto: Lea Sonderegger & Patrick Rieser
Foto: Lea Sonderegger & Patrick Rieser
Foto: Lea Sonderegger & Patrick Rieser, Plakat: Viktoria Satovich
Kategorie: Chance der Transformation
Chance der Transformation
Die immer neuen Aufgaben von KulturmanagerInnen bedeuten Herausforderung und Chance zugleich
Karin Wolf, Foto: Nicole Heiling
Ein Beitrag von Karin Wolf in Kooperation mit Kulturmanagement Network erschienen im KM Magazin Nr. 122 Mai 2017 zum Thema „Arbeitsmarkt Kultur: Themen & Hintergründe“
Der Kultursektor ist als Arbeitsplatz unverändert attraktiv. Auf öffentlich ausgeschriebene Stellen in Kulturbetrieben melden sich Hunderte BewerberInnen. Kulturmanagement-Ausbildungen, egal, ob einzelne Seminare oder mehrsemestrige Lehrgänge, sind gut gebucht. Paradoxerweise werden die Arbeitsbedingungen im Kultursektor von den zuständigen Interessensgemeinschaften zu recht immer wieder kritisiert. In Österreich hat die IG Kultur z.B. die Kampagne Fair Pay ins Leben gerufen, die dem Lohndumping entgegentritt und Honorarrichtlinien erstellt, um auf den Wert von Kulturarbeit (künstlerisch produzierender ebenso wie organisatorischer Arbeit) hinzuweisen.
Damit soll bei allen Beteiligten, den ArbeitgeberInnen und den ArbeitnehmerInnen, ein Bewusstsein für faire Arbeitsbedingungen geschaffen werden und längerfristig nachhaltige Verbesserungen erreicht werden. Menschen, die in der Kultur arbeiten, ist der ideelle Gewinn oft wichtiger, als der monetäre. Sie wollen sinnstiftende Arbeit leisten und die Gesellschaft mitgestalten. Die Auseinandersetzung mit künstlerischen Inhalten und Themen im Arbeitsalltag ist ihnen eine persönliche Bereicherung, ebenso wie der Umstand, dass sie die Möglichkeit haben, gemeinsam mit anderen eigene Ideen zu verwirklichen. Auch das Bild vom „schönen“ Arbeitsplatz ist nicht unwesentlich. Es gibt Menschen, denen es Freude bereitet, jeden Tag zur Arbeit in ein Theater oder ein Museum zu gehen. Sie besuchen, oft nach Dienstschluss, Aufführungen und Ausstellungen im Bewusstsein, einen ganz wesentlichen Teil am Zustandekommen geleistet zu haben. Damit partizipieren sie am Erfolg mit und erleben immer wieder eine Bestätigung der eigenen Leistung. Die Hierarchien in Kulturbetrieben sind flach im Vergleich zu Wirtschaftsbetrieben. Wenn ein Betrieb gut geführt wird, gibt es Kollegialität und Gemeinschaftsgefühl und die Möglichkeit, eine funktionierende Work Life Balance zu finden. KulturmanagerInnen stellen oft Selbstverwirklichung vor Auftragserfüllung und Gestaltungswillen vor Gewinnmaximierung, sie möchten sich im Laufe ihres Arbeitslebens kontinuierlich weiterentwickeln und dazu lernen.
Eine typische Karriere im Kulturmanagement kann als Studentenjob, an der Kasse oder an der Garderobe beginnen und im Lauf der Jahre Positionen in verschieden Abteilungen beinhalten bis zu einer Führungsposition wie Leitung des Marketing oder der Personalabteilung. Typisch ist auch die „Durchlässigkeit“ der verschiedenen Szenen: Menschen starten in der Alternativkultur und übernehmen später Positionen in etablierten Häusern. Auch die Kunstsparte kann sich im Laufe einer Kulturmanagement-Karriere ändern: von der Musik zum Theater, vom Filmfestival zur Oper. Ein zweiter Karriereverlauf ist die Selbstständigkeit, die manchmal eine Notlösung mangels Jobangebot, manchmal eine bewusste Entscheidung mit einer Geschäftsidee ist. Selbstständige KulturmanagerInnen sind oft im Umfeld der Creative Industries tätig, im Medien-, Design- oder Architekturbereich.
Egal, ob angestellt oder selbstständig, die Basis für alle notwendigen Kompetenzen ist eine unternehmerische Grundhaltung. Diese zeichnet sich aus durch eine Klarheit über die eigenen Ziele, eine realistische Einschätzung des Risikos und durch eine deutliche Haltung gegenüber aktuellen gesellschaftlichen und kulturellen Themen.
Kulturmanagement Forum 2016, Foto: Corinna Eigner
Gesellschaftlicher Auftrag für Kulturbetriebe
Die aktuellen gesellschaftlichen Transformationen führen dazu, dass KulturmanagerInnen zunehmend Aufgaben übernehmen, die über das Produzieren und Organisieren von Kunst und Kultur hinausgehen, wie z.B. soziales Engagement im Kontext der Flüchtlingsbetreuung oder der Bildungs- und Sozialarbeit. Auch die Politik knüpft Förderungen zunehmend an soziale Aufgaben oder Bildungsaufträge und ruft Programme und Projekt ins Leben, die migrantische bzw. gesellschaftliche benachteiligte Gruppen an die Kultur heranführen sollen. Damit ist kultur- und gesellschaftspolitische Haltung mehr gefragt denn je. Das wiederum ist eine Möglichkeit mehr, sich aktiv und gestaltend bei seinen Aufgaben einzubringen. Und vor allem auch mit anderen gesellschaftlichen Akteuren in Kontakt zu treten, denn der Kulturbetrieb kann es sich nicht mehr leisten, ein Elfenbeinturm zu sein.
Die wichtigsten Ausprägungen der Transformation mit Blick auf die Arbeit von bzw. in Kulturinstitutionen sind: stetiger Rückgang von Förderungen, verändertes Freizeitverhalten des Kulturpublikums, transkulturelle Gesellschaft und der Einfluss der neuen Medien auf alle Ebenen der Kommunikation.
Was gilt es also zu beachten, wenn eine Karriere im Kulturmanagement geplant wird? Im Kultursektor ist es besonders wichtig, auf die Wertschätzung der eigenen Leistung zu achten, das zeigt sich in der Qualität der Arbeitsbedingungen und der Bezahlung. Ein realistisches Karriereziel ist es, sich als KulturmanagerIn gut bzw. sehr gut die Existenz zu sichern und eine erfüllende Tätigkeit zu verrichten. Dies kann nur gelingen, wenn man von Beginn an selbstbewusst und mit Nachdruck, den Wert der eigenen Arbeit kommuniziert und sich um die Bereitstellung ausreichender Ressourcen kümmert.
Es besteht immer die Gefahr, dass man sich durch das eigene große Engagement für die Kunst und die Freude an der Sache, dazu verleiten lässt, sich selbst und andere auszubeuten. Die eigenen Bedürfnisse und die des Teams dürfen nur in Ausnahmesituationen und nur für kurze Zeit (Premiere, Ausstellungseröffnung, etc.) hinter das künstlerische Anliegen gestellt werden.
Kulturmanagement Forum 2016, Foto: Corinna Eigner
Kompetenzen zur Bewältigung der Transformation
Traditionellerweise erlernen KulturmanagerInnen die notwendigen Fähigkeiten in der Praxis, individuelles Erfahrungswissen spielt in diesem sehr facettenreichen Beruf nach wie vor eine wichtige Rolle. Die Praxiserfahrung hat an Relevanz nichts verloren, wie ein Blick in Stellenausschreibungen beweist, wo diese immer gefordert ist. Gerade am Beginn der Karriere ist es wichtig, rasch in die Praxis einzusteigen und durch Projekte oder Praktika in möglichst unterschiedlichen Organisationen und Sparten Erfahrungen sammeln zu können.
Um mit den aktuellen und immer schneller stattfindenden Entwicklungen Schritt halten zu können, ist es unerlässlich, im Sinne der Karriereplanung auch die eigene Weiterbildung als Teil der Karriereplanung zu verstehen und sich regelmäßig neues Wissen anzueignen. Die Auswahl der Inhalte, die man sich aneignen möchte hängt von den individuellen Bedürfnissen, Interessen und Stärken ab. Bevorzugt werden kurze, kompakte und praxisorientierte Aus- und Weiterbildungsangebote, die mit Berufstätigkeit vereinbar sind und eine gute Möglichkeit zur Vernetzung mit KollegInnen bieten.
Zu den Kenntnissen und Kompetenzen, die sich Menschen in einer Kulturmanagementausbildung aneignen möchten, zählen unverändert die „Klassiker“ Projektplanung und -organisation, Kommunikations- und Präsentationstechniken, Finanzierung und Förderung. Das Feld PR und Marketing befindet sich in permanenter Veränderung und Erweiterung durch die zentrale Rolle und rasante Entwicklung von Social Media und Internet. Wissen über Audience Development ist im Kontext der transkulturellen Gesellschaft notwendig.
Unternehmerisches Handeln (strategisches Denken, Führungskompetenz, betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse) gewinnt an Bedeutung, dem Umstand geschuldet, dass die staatlichen Förderungen zurückgehen und Geld zunehmend erwirtschaftet werden muss.
Kulturmanagement Forum 2016, Foto: Corinna Eigner
Wie stellt sich die Sache aus Sicht der Kulturbetriebe dar und was erwarten Kulturbetriebe von ihren MitarbeiterInnen? Kulturbetriebe sind durch die Reduktion der Förderungen oft vor die Entscheidung gestellt: Sparen am Programm oder Sparen am Personal? Leider führt das nicht selten dazu, das weniger Personal den gleichbleibenden Arbeitsaufwand leisten muss. Führungskräfte beantworten die Frage nach dem/r perfekten MitarbeiterIn oft mit folgenden Schlagworten: selbstständiges Denken, in der Lage Verantwortung zu übernehmen und Branchenkenntnis. Ungewöhnliche und abwechslungsreiche Lebensläufe stoßen durchaus auf Interesse, hier besteht in der Regel Offenheit für Individualität und Persönlichkeit. Das Bewusstsein, dass MitarbeiterInnen, einmal ausgewählt und eingestellt, auch Unterstützung innerhalb der Organisation bekommen sollen, setzt sich allerdings erst sehr langsam durch und manifestiert sich in einzelnen Häusern in regelmäßigen Mitarbeitergesprächen, Inhouse-Trainings und Team-Entwicklungsseminaren.
Es zeichnet sich ab, dass jene Kulturinstitutionen, die in ihre MitarbeiterInnen und deren Weiterentwicklung investieren, die anstehenden Transformationen besser bewältigen werden.
Jährlich zieht es über 250.000 BesucherInnen in die Kinosäle Österreichs, um bei einem der 43 Filmfestivals dabei zu sein. Sie können dabei auf ein vielfältiges Angebot zurückgreifen: Seien es Kurzfilme beim Vienna Shorts (VIS), das Crossing Europe Festival in Linz oder jene Filmfestivals, die hier im Zentrum stehen sollen, die Diagonale in Graz und Tricky Women in Wien. Beide – um es mal ein bisschen verkürzt auszudrücken – zeigen ein Filmprogramm, das eher im Nischenbereich anzusiedeln ist.
Das seit 1993 unter dem Titel Diagonale bestehende Festival hat sich auf den österreichischen Film spezialisiert. Sein Anspruch besteht darin, den österreichischen Film in seiner ganzen Bandbreite darzustellen, also experimentelle und historische Filme, Lang- und Kurzfilme sowie Dokumentar- und Spielfilme in das Programm aufzunehmen. Seit 1998 findet die Diagonale jährlich in Graz statt, seit zwei Jahren wird sie zudem von einem Duo geleitet, Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber. Beiden ist es wichtig an die bestehende Qualität der Diagonale anzuschließen und gleichzeitig einen roten Faden durch das ganze Programm zu spinnen.
Sebastian Höglinger & Peter Schernhuber @ Lukas Maul
Tricky Women wurde 2001 gegründet und seit Anbeginn von Waltraud Grausgruber und Birgitt Wagner kuratorisch sowie organisatorisch geleitet. Gezeigt werden Animationsfilme, die ausschließlich von Frauen produziert und gestaltet werden. Das Programm ist von politischen Filmen geprägt, die Themen weiblicher Lebensrealitäten in all seinen Facetten aufgreifen, wobei auch das Lustvolle und ästhetisch Anspruchsvolle nicht zu kurz kommen. Tricky Women zeigt Animationsfilme, die sonst vielleicht eher nicht auf einem Festival gezeigt werden, und ist innerhalb der Nische Animationsfilm inzwischen nicht mehr wegzudenken – vor allem, da es das einzige mit einer dezidiert feministischen Ausrichtung darstellt.
Birgitt Wagner
Waltraud Grausgruber
Birgitt Wagner & Waltraud Grausgruber
Organisationstalente
Während die FestivalbesucherInnen noch von einem Kinosaal in den nächsten eilen, wird bereits im Hintergrund für das nachfolgende Jahr gearbeitet. Umso wichtiger ist es für die Festivalleitungen ein funktionierendes Team hinter sich zu haben. Tatsächlich ist es so, dass das Team während der Festivalzeit radikal anschwillt, um anschließend wieder radikal zu schrumpfen. Und doch bieten Filmfestivals ca. 500 Personen einen Arbeitsplatz, der jedoch leider meist sehr prekär gestaltet ist, manchmal auch ohne Bezahlung. Trotz dieser Schwierigkeit versuchen sowohl die Diagonale als auch Tricky Women eine gewisse Kontinuität beizubehalten, auch wenn sie ihr Team teilweise nur für die Festivalzeit beschäftigen können. „Wünschenswert ist, gleich nach einem Festival mit dem bestehenden Team weiterzuarbeiten, aber es bricht fast immer eine Säule weg“, bemerkt Sebastian Höglinger von der Diagonale und spricht damit auch den Wegfall von Wissen an sowie die Notwendigkeit jedes Jahr neue MitarbeiterInnen einzuschulen. Während die Geschäftsführer der Diagonale, die auch für das Kuratieren zuständig sind, im Bereich der Organisation auf Unterstützung zurückgreifen können, sind die Leiterinnen von Tricky Women für alle anfallende Belange zuständig und können nur wenige Aufgaben auslagern. „Wir achten aber darauf, dass alle Beteiligten unserem Budget entsprechend bezahlt werden.“, betont Waltraud Grausgruber.
Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber müssen zudem mobil sein, schließlich haben sie sowohl in Wien als auch in Graz ein Büro. Diese Aufteilung hat sich über die Jahre hin bewährt, denn so kann auf der einen Seite mit der in Wien angesiedelten Filmbranche und auf der anderen Seite mit dem Festivalort Kontakt gehalten werden. Ab dem Spätherbst, wenn das Team langsam wieder anschwillt, finden wöchentliche Teamsitzungen statt bei denen die Diagonale-Kuratoren auf digitale Kommunikationskanäle setzen, die die Arbeit wesentlich erleichtern. Auch auf einer kommunikativen Ebene macht die Aufteilung auf zwei Standort Sinn: Von Wien aus erfolgt die Presse- sowie Redaktionsarbeit für das Programm, hier finden sich auch die großen Medienhäuser Österreichs. In Graz selbst ist die Marketing- und Sponsoringabteilung angesiedelt, die eng mit den lokalen Unternehmen zusammenarbeitet. „Diese Regionalität ist bewusst gewünscht. Wir möchten die regionale Szene ansprechen, mit lokalen Kulturvereinen und -Einrichtungen zusammenarbeiten“, so Peter Schernhuber. Eine Initiative, die sich auszahlt, und die durch die Auszeichnung bei der Green Events Austria Gala 2017 in der Kategorie der Kulturveranstaltungen für das Projekt Diagonale #denktweiter noch verstärkt wird.
@ Diagonale | Paul-Pibernig
Publikumsmagnete
Ausschlaggebend für den Besuch eines Filmfestivals ist die Möglichkeit Filme zu sehen, die eher nicht im regulären Kinoprogramm zu finden sind, die Stimmung vor Ort, die thematische Ausrichtung und ein generelles Interesse für das Medium Film – dies ergab eine vom Forum österreichischer Filmfestivals (FÖFF) durchgeführte Studie für das Jahr 2016 und benennt somit Eigenschaften, die auch auf die Diagonale und Tricky Women zutreffen.
Zentraler Festivaltreffpunkt von Tricky Women ist seit einigen Jahren das Metro Kinokulturhaus in Wien „Es ist dort sehr passend“, meint Waltraud Grausgruber, „Es ist zwar etwas kleiner, jedoch kann so wirklich ein Austausch stattfinden. Unser Publikum trifft sich im Foyer und weiß einfach, alle, die da sind, sind auch wegen des Festivals gekommen. Und dann besteht auch die Möglichkeit mit den anwesenden Künstlerinnen in Kontakt zu kommen, sich zu vernetzen und rege auszutauschen.“ Ergänzt wird dies durch ein Vermittlungsprogramm, das u.a. Workshops beinhaltet, in denen das Publikum selbst einen Trickfilm gestalten kann.
Mit wesentlich größeren Dimensionen hat es die Diagonale zu tun, die die gesamte Stadt Graz bespielt. „Graz hat eine funktionierende Innenstadt und die einzelnen Spielstätten sind zu Fuß erreichbar“, beschreibt Sebastian Höglinger die Vorzüge der Stadt. Neben diesen Aspekten, die wesentlich zur Stimmung beitragen, ist es vor allem die Stadtpolitik, die das Filmfestival organisatorisch und finanziell unterstützt. Der Nachteil ist jedoch, dass das Archivmaterial nicht in allen Kinos gezeigt werden kann, da es in keinem Kinosaal mehr als einen 35mm-Projektor gibt und Überblendungen daher nicht möglich sind. Wünschenswert wäre demnach, dass eine solche Kinoausstattung nicht auf Wien beschränkt bleibt.
Finanzprobleme
Die größte finanzielle Säule für alle Filmfestivals in Österreich stellen öffentliche Subventionen dar. Auf Planungssicherheit können die einzelnen Festivals jedoch trotzdem nicht bauen. Die Tendenz geht in Richtung vieler kleinerer Förderungen von unterschiedlichen Stellen – eine Fleckerlteppichfinanzierung.
„Wir haben seit zehn Jahren das gleiche Budget. Wenn uns dann eine Säule wegbricht, können wir nicht mehr so weiterarbeiten wie bisher.“ beschreibt Waltraud Grausgruber die prekäre Situation von Tricky Women. Die Aufstellung der Finanzierung nimmt entsprechend viel Zeit in Anspruch; Zeit, die dann bei den anderen Aufgaben eingespart werden muss. Eine Förderung durch die EU wäre zwar vielleicht sinnvoll und eine Einreichung würde auch zu Erfolg führen, jedoch ist das Prozedere äußerst umfassend und kann aus Ressourcengründen nicht durchgeführt werden.
Auch die Diagonale kämpft jedes Jahr erneut um die Finanzierung, hat aber zu ihrem Vorteil ein besseres politisches Standing. Es ist von öffentlichem Interesse, dass es ein Festival des österreichischen Films gibt und auch die Stadt Graz hat Interesse daran, dass jährlich eine große Anzahl an Menschen nach Graz kommt und somit auch die regionale Wirtschaft belebt. Feministische Festivals müssen sich da schon eher mit der Frage auseinandersetzen, ob sie denn überhaupt an Relevanz besäßen. Dazu gesellt sich die Schwierigkeit Sponsoringgelder zu lukrieren, denn potentielle SponsoringpartnerInnen argumentieren, dass es doch wirklich sehr unfair sei Männer auszuschließen.
@ Tricky Women | Evelyn Rois
Fazit
Mit Tricky Women und der Diagonale hat Österreich zwei Filmfestivals, die für hohe Qualität stehen und jedes Jahr aufs Neue mit hohen Besuchszahlen rechnen können. Obwohl sie von außen wie temporäre Veranstaltungen wirken, wird im Hintergrund kontinuierlich bereits am Folgejahr gearbeitet bzw. das Vorjahr abgeschlossen. Trotz der inhaltlichen, strukturellen und organisatorischen Unterschiedlichkeit zeigen sich auf der organisatorisch-administrativen Ebene einige Gemeinsamkeiten, deren wohl größte gemeinsamer Nenner die Liebe zum Film, der Anspruch an qualitativ hochwertiges Kino und ein beständiges Ringen um Finanzierung sind. Letzteres sollte im Auge behalten werden, denn ein weiteres, großes Filmfestival, das Kino unter Sternen in Wien, hat verkündet 2017 wegen mangelnder Finanzierung nicht stattzufinden.
Kategorie: „Warum gehen wir nicht ins Theater?“ – Absolventin Daniela Zizic
„Warum gehen wir nicht ins Theater?“ – Absolventin Daniela Zizic
@ Astrid Stöger
„Warum gehen wir nicht ins Theater?“ Antwortete ich unserer Professorin vor Jahren in der Schule, als sie nach möglichen gemeinsamen Aktivitäten fragte. Theater und Bücher, Bücher und Theater – waren von je her meine Wegbegleiter und es sollte noch eine ganze Weile dauern, bis einer der beiden Begleiter auch ein beruflicher wurde.
Ich bin durch viele Jobs gegangen, angefangen als Buffetkraft im Hotel Sacher, dann Rezeptionistin und später auch als Night Managerin in renommierten Wiener 5* – Sterne Hotels. Aber ich wurde unruhig – wollte was Neues sehen und erleben. Die Sehnsucht nach dem Reisen, der Ferne, dem Neuen verschlug mich 2004 als Passenger Service Agent zu Austrian Airlines am Flughafen Wien. Zwischen Check-in, Boarding, Umbuchungen, Gepäckskontrollen usw. stillte ich mein Fernweh, lernte andere Länder und deren Kulturen kennen. Sechseinhalb Jahre war ich dann am Flughafen tätig. Als dieses Fernweh gestillt war, die Schichtdienste, dass frühe Aufstehen, die lauten Hallen und alles was zum „Flughafenleben“ gehörte, zu viel wurden, suchte ich eine neue Herausforderung. Ich wollte mich verändern sowohl beruflich als auch privat. Ich wollte vor allem die geistige Herausforderung und begann im Herbst 2010 an der Universität Wien Vergleichende Literaturwissenschaften zu studieren. Der Literatur- oder der Kulturbetrieb war mein neues Ziel. Das Studium meine Tür zu dieser Welt.
Am 09. Dezember 2012 eröffnete im Wiener Augarten das MuTh-Konzertsaal der Wiener Sängerknaben. Und es bot nicht nur den Sängerknaben einen Ort sich zu entfalten, sondern auch mir. Nach langer Suche und vielen Bewerbungsgesprächen war es dann im Mai 2013 soweit. Ich bekam eine Stelle an der MuTh – Kassa. Endlich! Geschafft! Die Tür in die Welt der Künstler, Kunstschaffenden, der Phantasie und der Vielfalt öffnete sich.
Der Konzertsaal bietet den Wiener Sängerknaben ein musikalisches Zuhause. Seit vielen Jahren bauen die Wiener Sängerknaben mit ihren Auftritten eine Brücke zwischen den Kulturen. Die Idee ist es, den Wiener Sängerknaben eine Stätte zu geben, wo sie ihrer Kreativität und ihren Ideen freien Lauf lassen können. Aber nicht nur die Wiener Sängerknaben nutzen das MuTh als ihr Zuhause. Mittlerweile sind neben jungen aufstrebenden Künstlern, Studierenden der mdw oder des MUK, auch renommierte Künstlerinnen und Künstler wie Volkhard Steude, Franz und Matthias Bartolomey, Gottlieb Wallisch, Timna Brauer, Agnes Palmisano im MuTh zuhause. Vereine wie der Kulturmittag, das Wiener Kindertheater spielen ihre Produktionen regelmäßig bei uns. Von Kammermusikalischem, Jazzigem, Lesungen, Symposien und szenischen Produktionen ist alles vertreten. Das MuTh verbindet, wie schon seit Jahren die Wiener Sängerknaben, eine Brücke zwischen Jung und Alt, Klassik und Moderne, Ausstellungen und Lesungen, und am wichtigsten eine Brücke zwischen Publikum und Künstlern. All dies soll mit einander einher gehen beziehungsweise mit einander verbunden werden. Eine Verbindung, die schon mit der Architektur des Hauses beginnt: das neue, hochmoderne Gebäude schmiegt sich an das alte Pförtnerhaus, dass schon seit ewigen Zeiten im Augarten (be)steht.
Nun ich begann, wie schon erwähnt, an der Kassa zu arbeiten. Ich nahm telefonische und schriftliche Reservierungen entgegen, verkaufte Karten an der Tages- und Abendkassa. Von Jahr zu Jahr wuchs das Haus, die Aufführungen wurden mehr und somit auch die Aufgaben für das zu Beginn doch noch recht kleine Team. Ich übernahm den Versand des Newsletters, betreute gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen an der Kassa unsere Abonnentinnen und Abonnenten. Auch die Nachfrage nach Kooperationen begann und so wuchs schön langsam unser Marketing-Team heran. Ich konnte von Beginn an viel berufliche Erfahrung einbringen vor allem im Umgang mit unseren Besucherinnen und Besuchern, aber mit Marketing hatte ich noch gar nichts zu tun. Ja, Ideen waren und sind noch immer viele da, aber war das, was ich tat wirklich Marketing? Wie strukturiert man seine Ideen und Projekte richtig?
Ich begann mit dem Zertifikatslehrgang Kulturmanagement am Institut für Kulturkonzepte zu liebäugeln und meldete mich im Oktober 2015 dafür an. Er half mir zu sehen, ob ich den richtigen Weg gehe und die Aufgaben richtig meistere. Ich wollte mich wieder einmal weiterentwickeln, was Neues lernen. Der Zertifikatslehrgang Kulturmanagement bietet nicht nur die Möglichkeit sich mit beruflichen Zielen, Ideen und Berufswegen zu beschäftigen, sondern auch mit sich selbst. Jedes Seminar verließ ich voller Energie, immer mit der Bestätigung, dass der Lehrgang und berufliche Weg in die Kulturlandschaft einer der besten Entscheidungen waren und auch weiterhin sein werden.
Letztes Jahr übernahm ich dann von meiner Kollegin, die in Karenz ging, die Leitung des Bereiches Ticketing. Ich bin für die Anlage von Veranstaltungen im Ticketsystem zuständig, stehe im Kontakt zu Veranstaltern und Künstlern, koordiniere das Kassateam und unterstütze meinen Kollegen in der Leitung des Publikumsdienstes. Gemeinsam mit dem Marketingteam kümmere ich mich weiterhin um Kooperationen und die höchstmögliche Auslastung unserer Veranstaltungen. Es sind mittlerweile über 300 in der Saison, mit einer Auslastung von ca. 65%.
Ein Hauptaugenmerk des Hauses sind die szenischen Produktionen der Wiener Sängerknaben. Kinderopern sollen Kindern und Jugendlichen nähergebracht werden. Damit beschäftigte ich mich auch während meines Lehrganges. Mit der Vermittlung unseres Hauses als Spielstätte für Kinder und Jugendliche. Aufgrund dessen bekam ich die Möglichkeit auch ein Seminar zu Kulturvermittlung im Rahmen des Lehrganges zu besuchen. Die Idee die daraus entstand, wollen wir ab Herbst umsetzen: Führungen hinter die Kulissen unseres Hauses, das MuTh erleben. Sei es in der Direktion, in der Technik, an der Kassa oder in der Garderobe. Kinder sollen Theater haptisch, spielerisch, aktiv und kommunikativ erleben.
Und noch etwas Besonderes bringt das Jahr 2017: Das MuTh wird 5! Das feiern wir mit einem Geburtstagsfest am 9. Dezember 2017, einer Ausstellung, Konzerten sowie einer Dokumentation auf ORF 2! Wir freuen uns auf Alle, die mit uns feiern!
Abschließen möchte ich meinen Beitrag mit einem Zitat von August Strindberg: „Die ganze Kultur ist eine große, endlose Zusammenarbeit“. Sie soll bitte groß und endlos bleiben. Es sollen auch weiterhin wunderbare, kreative und interessante Menschen aufeinandertreffen und es soll weiterhin eine Zusammenarbeit voll Kreativität, Phantasie und Herausforderung bleiben.
Gespräch im Atelier: unser Atelier mit Blick in den wunderbaren Augarten bietet Raum für bis zu 60 Personen. Es steht allen Studierenden, Vortragenden und Interessierten für Seminare, Lesungen, Diskussionen zur Verfügung. Anfragen an: elke.hesse@muth.at
@ Astrid Stöger
Kategorie: „Eine gehörige Portion Idealismus“ – Absolventin Martina Montanari
„Eine gehörige Portion Idealismus“ – Absolventin Martina Montanari
Als Absolventin der beiden Lehrgänge Kulturmanagement und Kulturvermittlung sowie mehrerer Einzelseminare und -coachings bin ich sozusagen schon ein „alter Hase“ am Institut für Kulturkonzepte.
2007 begann ich an der Universität Wien Musikwissenschaft und Komparatistik zu studieren sowie am Prayner Konservatorium Klavier und Dirigieren. Ein konkretes Berufsbild oder -ziel hatte ich damals längst noch nicht vor Augen. Nach zahlreichen Praktika in Museen, Künstler- und Kommunikationsagenturen habe ich mich dann für eine Spezialisierung im Bereich Kultur- und Eventmanagement entschieden und besuchte u. a. einen Lehrgang in Rom. Daraufhin kam ich nach Wien zurück und begann im März 2014 mit dem Kulturmanagement-Lehrgang am Institut für Kulturkonzepte. Daraus ergab sich dann auch meine erste fixe Stelle, nämlich die Position als Assistentin im Künstlerischen Betriebsbüro der Vier Neuen Säle im Wiener Musikverein, wo ich bis heute tätig bin. Es war also ein relativ steiniger und von Umwegen geprägter Weg bis dorthin. Als Nicht-Wienerin haben mir vor allem lokale Kontakte und Ansprechpersonen gefehlt und für die Netzwerk-Möglichkeiten am Institut für Kulturkonzepte bin ich bis heute sehr dankbar. Im Zuge der Seminare entstanden Bekanntschaften und vor allem Freundschaften, die bis heute andauern.
Als Mitarbeiterin im Betriebsbüro bin ich mit vielseitigen Aufgaben betraut, von grafischer Gestaltung der Drucksorten, Probendisposition, Verträgen und Honoraren bis hin zur Programmheftredaktion. Auch als ich bereits berufstätig war, besuchte ich noch einzelne Seminare am Institut für Kulturkonzepte, die für meine Tätigkeitsbereiche aktuell waren und spezielle Bedürfnisse und Fragen abdeckten, so z. B. „Kulturmarketing“ und „Audience Development“. Besonders mag ich an meiner Arbeit im kulturellen Bereich, dass jedes Projekt/Konzert an sich eigene Herausforderungen bietet und es stets abwechslungsreich und spannend bleibt. Auf jeden Fall sollte man flexibel und neugierig bleiben, wobei auch eine gehörige Portion Idealismus nicht fehlen sollte.
Im Herbst 2015 gründete ich zusammen mit einer befreundeten Opernsängerin unseren ersten eigenen Verein, den Kulturverein Musica et Theatrum, mit dem wir bereits zahlreiche Konzerte über bzw. auf die Bühne bringen konnten. Hier konnte ich vor allem auf die Inputs aus den Seminaren zu den Themen Sponsoring und öffentliche Förderungen zurückgreifen – Themen, die heutzutage immer wichtiger werden. Zu unseren aktuellen Projekten gehören zwei Konzerte – am 4. und am 29. im Mai 2017. Dazu lade ich Sie herzlich ein!
Weitere Infos finden Sie auf der Website unseres Vereins.
Kategorie: Finden, liken, teilen – Der Kulturmanagement Tag 2017
Finden, liken, teilen – Der Kulturmanagement Tag 2017
Ein Beitrag von Ulli Koch
Fotos: Laura Hörzelberger und Corinna Eigner
Die digitale Welt: Wir bewegen uns darin, posten, laden Bilder hoch, schreiben Texte, erstellen Events und versuchen, unsere kulturellen Projekte oder die Kultureinrichtungen für die wir arbeiten, öffentlichkeitswirksam zu vertreten. Doch so geschickt wir darin auch sind oder zu sein glauben, es gibt einiges, das es zu beachten gilt. Um sich mit der Herausforderung der digitalen Kommunikation im Kulturbereich näher zu beschäftigen, lud das Institut für Kulturkonzepte am 5. April 2017 zum Kulturmanagement Tag, der ganz im Zeichen des Findens, Liken und Teilens stand.
Eröffnet wurde der Tag von Marketingexpertin Karin Wöhrer, die in der digitalen Kommunikation die Möglichkeit sieht, mit den KundInnen in Interaktion zu treten. Bevor dies jedoch erfolgen kann, heißt es zunächst intern zu planen. Konkret bedeutet dies, einen Marketingplan inklusive -Maßnahmen zu erstellen und intern das Wording und die Herangehensweise an ein Thema oder ein spezifisches Projekt festzulegen. Der erste Schritt besteht darin, Ziele zu definieren, die anschließend auch gemessen werden können. Diese Ziele können finanzieller, strategischer, zeitlicher, sozialer oder persönlicher Natur sein. Bereits bei diesem ersten Schritt ist es wichtig, einen Posting-Plan zu erstellen, der dabei hilft den Überblick zu bewahren sowie eine optimale Abstimmung der einzelnen Postings ermöglicht. Der zweite Schritt führt zur immer langfristig ausgelegten Marketingstrategie. Diese ist, so Wöhrer, „schillernd und facettenreich“ und erzählt eine Geschichte.
Nun heißt es im dritten Schritt Content zu generieren, der informieren, beraten aber auch unterhalten soll. Der Content soll dazu genutzt werden, um den Weg der Geschichte nachzuzeichnen. Das bedeutet auch, dass dahinter eine Dramaturgie steht, die der Geschichte eine zusätzliche Dimension verleiht und die vorher definierte Zielgruppe begleitet. Was jedoch bei aller Planung nicht vergessen werden darf, ist der Abspann. Ein Projekt sollte niemals abrupt enden, sondern die Geschichte sollte bis zum Ende erzählt werden. Zu guter Letzt heißt es im letzten Schritt eine Marke zu generieren. Dazu zählen Corporate Design, Behaviour und Communication, die miteinander abgestimmt werden und dabei helfen, eine konsistente Geschichte zu erzählen.
Karin Wöhrer
Social Media Marketing Experte Christian Henner-Fehr nahm die Anwesenden auf einen kleinen Ausflug in die Zukunft mit. Da Menschen zunehmend über Messaging Systeme miteinander kommunizieren, werden zunehmend sogenannte Chatbots gefragt sein, die als automatisierte KommunikationspartnerInnen in Interaktion mit NutzerInnen treten. Chatbots sind relativ kostengünstig zu programmieren und ermöglichen z.B. TheaterbesucherInnen Informationen zu einem Stück, die Saalauslastung, weitere Termine, etc. zu informieren. Die Idee dabei: NutzerInnen suchen sich diese Informationen nicht mehr selbst raus, sondern stellen ihre Frage einem Chatbot, der in Analogie zu realen Menschen Antworten gibt. Nur die Fragen der NutzerInnen müssen vorher herausgefunden werden…
Zurück in die Gegenwart widmete sich Christian Henner-Fehr dem Storytelling. Auch seine Devise lautet planen, planen, planen, daher ist es bei jedem Storytelling wichtig, zunächst die Bedarfsgruppe zu definieren. Dabei handelt es sich um fiktive Personenprofile anhand derer die Bedürfnisse von Menschen abgeleitet werden können und warum sie eine Kultureinrichtung besuchen bzw. nicht-besuchen. Von diesen Bedürfnissen wird anschließend die Ausrichtung des Contents abgeleitet, also ob dieser eher Informationen, Unterhaltung, Wissen und Reflexion oder Werte ansprechen soll. Im Idealfall werden alle Ebenen angesprochen, wobei eine Schwerpunktsetzung durchaus Sinn macht.
Schließlich geht es im nächsten Schritt darum, die Customer Journey nachzuzeichnen, den Weg, den KundInnen einschlagen, um zu Informationen zu gelangen. Es ist sehr fein, einen wunderschön gestalteten Blog zu haben, jedoch muss dieser auch gefunden werden. Daher definiert man vorab sogenannte Touch Points. Diese können z.B. in einer Facebook-Gruppe sein, die sich thematisch mit meinem Thema beschäftigt und daher bereits zu überwiegenden Teilen mit meiner Zielgruppe übereinstimmt. Um gefunden zu werden, braucht es aber noch mehr. Keywords helfen dabei, dass Suchmaschinen die Inhalte finden. AdGrants von Google ermöglichen auch kleineren Initiativen, Projekten und Einrichtungen die notwendige Werbepräsenz zu verleihen.
Christian Henner-Fehr
In die Welt der Geschichten tauchte auch Anne Aschenbrenner ein, Kulturjournalistin und Social Media Expertin. Sie widmete sich dem Bloggen, das für Kultureinrichtungen und -Initiativen eine wichtige Rolle bei der Positionierung darstellt, sowie um KundInnen zu gewinnen und zu halten. Dazu gehört auch eine Prise Selbstdarstellung, das heißt, sich bereits im Vorfeld zu überlegen, wie man als Einzelperson, Einrichtung oder Projekt wirken möchte. Ebenfalls wichtig ist, rund um den Blog Content aufzubauen, der dabei hilft, dass der Blog überhaupt gefunden wird, was z.B. durch einen Twitter Account oder eine Facebook Fanpage passieren kann. Empfehlenswert sind auch sogenannte Blogparaden, bei denen eine Person oder Gruppe ein Thema vorgibt, zu dem dann viele Menschen schreiben und deren Posts zentral gesammelt werden.
Auch Anne Aschenbrenner arbeitet nach der Devise planen, planen, planen und sich vorher schon zu überlegen, was, wann, wo gepostet werden kann. Und nicht den Mut verlieren! Selbst wenn man das Gefühl hat, gerade zu Beginn ins Leere zu kommunizieren. Es dauert immer ein bisschen, bis Blogs gefunden werden, jedoch kann man gerade im Kulturbereich mit einer hohen Bindung rechnen.
Anne Aschenbrenner
Welchen Nutzen und Mehrwert Apps für den Kulturbereich haben, wurde in der anschließenden Podiumsdiskussion diskutiert. Ein Beispiel für eine solch gelungene App ist KHM Stories, die die NutzerInnen anhand verschiedener Touren durch das Kunsthistorische Museum Wien führt. Durch den interaktiven Charakter dieser Tour haben die BesucherInnen die Möglichkeit, Kunst auf einer weiteren Ebene kennenzulernen und anders mit Kunstwerken in Interaktion zu treten. Ebenfalls äußerst erfolgreich ist die App Ticket Gretchen, die auf sehr unkomplizierte und intuitive Art ermöglicht, Theaterkarten zu kaufen und zu bezahlen.
Bei der Planung einer App sollte man jedoch, so Wolfgang Schreiner, Geschäftsführer von NOUS, realistisch vorgehen. Aus seiner persönlichen Erfahrung mit der Entwicklung von Apps für Kulturbetrieben berichtete er, dass die Gestaltung und Programmierung einer App bis zu vier Jahre dauert, also nur ein langfristiges Ziel für Kultureinrichtungen sein kann – und dadurch auch ein starkes Commitment und langem Atem im gesamten Haus braucht.
Podium zu Kultur-Apps
In ihrem Tun bestärkt, mit neuen Ideen und prallgefüllt mit Wissen haben die BesucherInnen des Kulturmanagement Tages schließlich die Veranstaltung ausklingen lassen. Entscheidend bei jeder digitalen Kommunikation ist der Entwurf eines Plans, der so genau wie möglich und so flexibel wie nötig die Kommunikationsmaßnahmen erfasst. Dieser hilft dann bei der Abstimmung im Team und ermöglicht zugleich auch im stressigen Arbeitsalltag Postings zu haben, die entweder automatisch publiziert oder schnell gestaltet werden können. Abschließend sei erneut auf Anne Aschenbrenner verwiesen und ihren Ausspruch, nicht den Mut zu verlieren. Authentisch kommunizieren, glaubhaft und mit viel Herzblut dabei sein, dann stellen sich zunehmend auch FollowerInnen ein, die dafür sehr treu sind.
Kategorie: „Man darf auch ruhig mal Fehler machen.“ Tanja Praske spricht über Social Media für Kultureinrichtungen
„Man darf auch ruhig mal Fehler machen.“ Tanja Praske spricht über Social Media für Kultureinrichtungen
Wenn es um digital-analoge Kulturvermittlung geht, vor allem um jene von Museen, ist Tanja Praske eine der ersten Ansprechpartnerinnen. Auf ihrem Blog “KULTUR – MUSEUM – TALK“, den sie selbst als Experimentierfeld betrachtet, schreibt sie über mögliche, erfolgreiche und auch mal gescheiterte Kommunikationsstrategien. Sie bleibt dabei neugierig und offen für neue Ideen. Im Gespräch geht sie näher auf den Nutzen von Social Media sowohl für BesucherInnen als auch für Kulturinstitutionen ein.
Welchen Nutzen hat der Einsatz von Social Media für Kultureinrichtungen?
Social Media bietet einen geeigneten Anhaltspunkt um Branding voranzutreiben und dieses Branding selbst in der Hand zu haben. Kultureinrichtungen bzw. spezifischer Museen werden darüber zum Self-Publisher. Das bedeutet je nach Social Media Kanal der bespielt werden soll, verschiedenen Content zu haben. Im Idealfall gibt es einen Blog, der das Herzstück der Social Media Aktivitäten ist, das heißt, von hier geht alles aus, hierhin kommt alles zurück. Das betrifft die Kommunikation und das Marketing.
Betrachtet man das Menschliche, für das „Social“ steht, dann bedeutet das die Chance, mit BesucherInnen in einen engen Austausch zu kommen. Im Idealfall hat das Verhalten der BesucherInnen eine Auswirkung auf neue analog-digitale Vermittlungskonzepte und Kommunikationsmaßnahmen. So erreicht man mehr Bindung ans Haus. Das Museum muss dabei aber zweierlei berücksichtigen: Erstens, Social Media ist kein Pressekanal. Das funktioniert nicht. Es gibt bereits zu viele Inhalte und Terminvorschläge, da selektieren die NutzerInnen sehr stark. Zweitens, eine Kultureinrichtung muss die BesucherInnen ernst nehmen, also nicht einfach nur als „Klick-Vieh“ betrachten.
Den Video-Beitrag zur Ausstellung „Schöner Schein“ können Sie hier anschauen: http://bit.ly/2nbkbfO
Und welchen Nutzen hat es für BesucherInnen?
Es ist eine andere Möglichkeit sich mit Kultur vertraut zu machen. Vielleicht auch Kultur als einen eigenen wichtigen Lebensbestandteil zu begreifen. Das funktioniert natürlich nur, wenn das Museum den Transfer von seinem Auftrag Sammeln-Bewahren-Forschen-Ausstellen-Vermitteln hin zu den Fragen der Gegenwart schafft. Hat das Museum eine Antwort darauf? Oder kann es eine Plattform zum Austausch bieten? Kann es einen ethischen Diskurs eingehen? Ein Museum kann integrativ wirken, insofern es in der Gesellschaft verankert und Bestandteil von dieser ist. Museen müssen heute eine andere Rolle finden als jene, die sie vor zehn oder 15 Jahren eingenommen haben. Es geht darum, Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen und diese Verantwortung einzufordern. Dazu zählt, dass BesucherInnen und ihre Fragen ernst genommen werden. Es geht nicht darum, von oben zu belehren bzw. belehrt zu werden.
Wie kann dieses „Ernstnehmen“ genau aussehen?
Das Museum muss auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen. Es darf dabei gerne Bedürfnisse wecken. Es bietet unterschiedliche Zugänge zu den Werken an, die auf die jeweiligen BesucherInnen abgestimmt sind. Wichtig ist dabei, BesucherInnen mit Dingen oder Fragen aus der eigenen Wirklichkeit zu konfrontieren oder sie etwas vor Ort machen zu lassen, sprich interaktive Formate zu offerieren. Ein aktuelles Beispiel ist die Ausstellung „Schöner Schein“ im Deutschordensmuseum Bad Mergentheim: „Selfie-Stationen“ laden die BesucherInnen zum Mitwirken ein – ein spielerischer Zugang, um sich mit Inhalten auseinanderzusetzen. Für manche BesucherInnen endet das auf dieser Ebene, andere wiederum nutzen weitere Ebenen, die das Museum bietet, z. B. Materialien und Inhalte, die von zu Hause aus zugänglich sind. Über Social Media Kanäle kann der Kontakt zu den BesucherInnen gehalten werden. Hier wäre es wünschenswert, dass das Museum Reaktionen über die Social Media Kanäle ernst nimmt und darauf eingeht, also tatsächlich kommuniziert und Social Media nicht einfach als Werbekanal verwendet. Die Ausstellung „Like it“ im Essl Museum hat damals für Furore gesorgt. Da konnten die BesucherInnen vorab aus einer Vorauswahl die Ausstellung via Like zusammenstellen. Das ist ein guter Zugang, der zwar eher Kulturschaffende erreicht hat, aber es ermöglicht weiterzudenken, wie „normale“ BesucherInnen eingebunden werden können.
Kann durch den Einsatz von Social Media auch Community Building entstehen?
Klar. Wichtig dabei ist der Zusatz „analog-digitale Kulturvermittlung“. Fakt ist, das Digitale ersetzt nicht den realen Besuch. Es kann aber Lust darauf machen. Es kann Lust zum Nachdenken, auch im Netz, bewirken. Eine Community kann digital aufgebaut werden, nachhaltig wird sie aber erst im Analogen. Das kann über Tweetups, Tweetwalks, Instawalks, Community-Abende oder -Treffen geschehen, bei denen man im Anschluss einer Führung mit Menschen zusammen an einem Tisch sitzt und über Gedanken, Ideen sowie die Ausstellung oder über diese hinaus spricht. Wenn das Museum da mitwirkt, wird der Zusammenhalt enger. Die Menschen sprechen im Netz so oder so über das Haus, über eine Ausstellung. Die Frage ist nun, möchte sich das Museum da einschalten, moderieren oder mitdiskutieren? Macht es letzteres, dann kann es eine Community aufbauen. Kann es das alleine nicht leisten, dann mögen VermittlerInnen dabei helfen. Sie bringen ihr Netzwerk mit oder coachen das Museum dabei, wie eine analog-digitale Führung erfolgreich ist, je nachdem welcher Kanal im Vordergrund stehen soll.
Das bedeutet zu überlegen, welches Medium möchte ich bespielen und dementsprechend die Vermittlung aufstellen.
Genau. Und man darf auch ruhig mal Fehler machen, man sollte nur daraus lernen. Eine Instagram-Gruppe so zu führen, wie man eine reguläre Gruppe mit 45-minütigen Vortrag führt, das funktioniert nicht. Sie haben einen anderen Fokus, es geht um das perfekte Bild, das muss sich die Institution bewusst sein. Eine Führung für BloggerInnen, TwittererInnen und SnapchatterInnen sieht wieder ganz anders aus. Bei allen analog-digitalen Vermittlungsformaten ist es wichtig, Hashtags festzulegen. Das sehen Andere im Web, vielleicht wird darüber ihre Lust auf einen Museumsbesuch geweckt.
Was waren bis jetzt Ihre größten Aha-Erlebnisse?
Das größte Aha-Erlebnis hatte ich, als ich mich noch gar nicht so intensiv mit dem Digitalen auseinandergesetzt habe. Mich zwitscherte einmal jemand während eines Vortrags an, ich war fassungslos, schließlich sollten wir doch dem Vortrag zuhören. Doch über diesen Austausch im Netz haben sich dann ganz andere Diskussionen entwickelt, eine Parallelkonferenz entstand. Das war für mich ein Aha-Erlebnis, wie etwas Analoges ins Netz hineingebracht und transformiert wird. Manchmal – und das ist so ein Aha-Erlebnis – kann ich in Workshops SkeptikerInnen von der digitalen Kulturvermittlung überzeugen, die dann eigene Ideen entwickeln. Aber das ist nicht immer dauerhaft, denn es kommt auch mal zu Blockaden – vom Management – und Ideen werden wieder zurückgedreht. Digitale Kommunikation darf kein Lippenbekenntnis sein. Sie muss in einer transparenten Strategie eingebettet sein, die von oben kommt und gemeinsam – das ist wichtig – mit den MitarbeiterInnen entwickelt werden. Es dürfen ruhig mal Fehler gemacht werden. Wenn das jemand darf, dann Kulturinstitutionen. Sie müssen aber anschließend damit offen umgehen.
Was sind weitere Herausforderungen?
Es geht darum Geschichten zu erzählen. Über das Geschichtenerzählen emotionalisiert das Museum und schafft so Berührungspunkte und Bindung zum Haus. Wünschenswert ist der Austausch der Museen untereinander. Sich gegenseitig zu helfen, sich auszutauschen, was bei wem funktioniert bzw. nicht funktioniert hat, ist sehr wichtig. Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden. Social Media sowie analog-digitale Kulturvermittlung muss von allen mitgedacht werden, das heißt der Prozess geht sowohl von oben nach unten als auch umgekehrt von unten nach oben aus, erst dann ist er nachhaltig erfolgreich. Digitale Kulturvermittlung ist auch kein Selbst- und Schnellläufer, sondern bedarf einen langen Atem – aber es lohnt sich!
Tanja Praske
Kategorie: Der Balanceakt zwischen Familie & Beruf – Absolventin Sabine Hofstätter
Der Balanceakt zwischen Familie & Beruf – Absolventin Sabine Hofstätter
Hallo, mein Name ist Sabine Hofstätter, ich komme ursprünglich aus Kärnten, lebe aber seit nunmehr 20 Jahren in Wien. Mit einer einjährigen Unterbrechung 2000/2001 – Erasmus in Berlin – habe ich Publizistik und Kommunikationswissenschaften in Kombination mit Ethnologie und Handelswissenschaften studiert.
Während meines Studiums habe ich nachts gekellnert und tagsüber Teilzeit in Agenturen (Film, Werbung, PR) gearbeitet. Mir war recht schnell klar, dass ich gut und gerne organisiere. Vor meiner Selbständigkeit habe ich fünf Jahre lang Mobilitätsprojekte für junge Menschen organisiert. Anfang 2012 habe ich gemeinsam mit einer Jugendfreundin „Edelstoff“ gegründet und im Mai 2012 den ersten Designmarkt Edelstoff veranstaltet. Wir haben anfangs alles alleine – also sozusagen im „Zweigang“ – gemacht. Im Nachhinein gesehen ein Wahnsinn… Den Großteil der Vorbereitungsarbeiten sowie das Kuratieren des Marktes machen wir noch immer zu zweit. Aber mittlerweile haben wir bei den Veranstaltungen ein kleines Team, das uns unterstützt.
Nach einer Babypause habe ich 2014 den Zertifikatskurs Kulturmanagement absolviert, um das Selbsterlernte auch durch theoretische Grundlagen zu festigen.
2016 wurde dann aus dem Edelstoff-Verein die „Edle Events OG“. Meine Hauptaufgaben sind – neben der Auswahl der TeilnehmerInnen – das Auswählen der GastronomInnen, das Finden von KooperationspartnerInnen, das Befüllen unserer Social Media Kanäle und das Koordinieren der „helping hands“. Da wir von Anfang an mit wenig Geld einen großen Markt organisiert haben, bin ich es auch gewohnt zu verhandeln. Ich denke, darin bin ich mittlerweile recht gut 🙂
Eine meiner größten Herausforderungen ist der Balanceakt zwischen Familie und Beruf. Ich denke, dass es nur als Selbständige möglich ist, mit seiner Familie, seinen Kindern (ich habe zwei Mädchen – Lina, 11 Monate und Lilith, 4 Jahre) viel Zeit zu verbringen und trotzdem einer spannenden Arbeit nachzugehen. Ich mag es, dass meine Arbeitszeiten flexibel sind – ich arbeite mal tagsüber während das ältere Kind in der Kindergruppe ist und das Baby schläft oder nach wie vor auch gerne in der Nacht.
Im Job finde ich es manchmal kompliziert, die Befindlichkeiten und Sonderwünsche der TeilnehmerInnen zu handlen. Aber, wenn irgendwie möglich, versuchen wir alle (Sonder-)Wünsche zu berücksichtigen.
Heuer, 2017, organisieren wir Edelstoff bereits zum 12. Mal in Wien. Daher bin ich momentan fast wieder rund um die Uhr mit Edelstoff beschäftigt, denn am 1. und 2. April 2017 findet der nächste Designmarkt in der Marx Halle statt: Bei Edelstoff erwarten die BesucherInnen wieder 140 DesignerInnen aus dem In- und Ausland und ein großer Streetfood Bereich. Diesmal wird es nicht nur kuratierte Produkte von und für urbane Individualisten zu entdecken geben, sondern gleich ganze Ateliers. So kann man nicht nur individuelle, oft von Hand gefertigte Kunstwerke kennenlernen, sondern auch den DesignerInnen bei der Fertigung über die Schulter blicken.
Genaue Informationen & laufende Updates zum Edelstoff Designmarkt findet ihr auf der Edelstoff-Website und auf Facebook!
Designmarkt Edelstoff am 1. und 2. April 2017
Location: Marx Halle, Karl-Farkas-Gasse 19, 1030 Wien
Schau doch mal rüber! Ein Plädoyer für die Seiten-Blicke.
Die besten Ideen kommen mir nicht am Schreibtisch. Sondern beim Zähneputzen. Hose zu-zippen. Oder beim Zeitschriften durch-zappen.
Die beste Ausbildung, war nicht die, die perfekt in meinen Lebenslauf gepasst hätte. Das wäre dann irgendein Marketing-Master gewesen. Es war die spontane Entscheidung, etwas komplett anderes zu machen – Kulturmanagement.
Ich bin ein Teil von FRIEDL UND PARTNER. Wir machen Text, Grafik und Kommunikation. Und das für KMU genauso wie für große öffentliche Auftraggeber. Die Herausforderungen sind meistens die gleichen – der Kick auch, wenn man dann DIE Idee hat, die funktionieren könnte.
Das, was ich im Lehrgang gelernt habe, hat nicht direkt etwas mit meiner Arbeit zu tun – und gleichzeitig ganz viel. Ich habe viele Seiten-Blicke bekommen, die mich inspiriert haben, und viele Kontakte geknüpft, die das bis heute tun. Die Kommunikationsbranche braucht – wie wahrscheinlich viele andere auch – die Kunst, um sich Ideen zu holen, etwas Neues auszuprobieren. Schließlich geht’s ums Verzaubern. Da wie dort. Und dafür ist der Lehrgang wie ein großer Requisitenkoffer. Man kann aus dem Vollen schöpfen und sich „Seines“ mitnehmen, um etwas Neues daraus zu machen.
„Meines“, das war der Blog LUST AUF KREMS. Als Texterin hat mich das Medium schon immer gereizt – die Konzepte dazu blieben aber immer Konzepte. Bis zu dem Moment als ich eine Abschlussarbeit brauchte. Neben den Seiten-Blicken ist das JETZT-Moment die zweite wichtige Komponente der Ausbildung. Oft muss man ja zum Glück ein bissl gezwungen werden – und das ist in dem Fall sehr gut. Denn der Blog läuft seit mehr als zwei Jahren erfolgreich. Das ist nicht nur nette (Selbst)Bestätigung, sondern so kommen mittlerweile auch Projekte für FRIEDL UND PARTNER zustande. Durch Seiten-Blicke.
Pamela Schmatz ist zu Gast bei unserer Infoveranstaltung „MEHR ALS (NUR) EIN JOB – Meine Karriere in der Kultur“ am 5. April 2017, 17.30-19.00 Uhr in der IG Architektur. Dort spricht sie über ihren Berufsalltag als Bloggerin, ihre Aufgaben in der Kommunikationsagentur und ihre Aus- und Weiterbildungen, die sie dort hingebracht haben, wo sie heute ist. Der Eintritt zum Infoabend ist frei, die Anmeldung aber hier erforderlich.