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Kategorie: Alle müssen IRGENDWAS – Absolvent Paul Matyas

Alle müssen IRGENDWAS – Absolvent Paul Matyas

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© Christian

Es fing mit der Musik an!

Alles begann 1989, als ich bei den Wiener Sängerknaben vorsingen durfte. Die nächsten fünf Jahre lebte ich quasi in einem wirtschaftlich-katholischen Kulturbetrieb. So gesehen bin ich schon von klein auf mit Kulturmanagement konfrontiert gewesen. Den Bubenchor musste ich 1995 wieder verlassen, danach kam das Bedürfnis nach musikalischer Abwechslung, als mir zufällig ein Mehrspur-Recorder in die Hände fiel. Dazu kamen eine halbakustische Gitarre, ein paar Lo-Fi-Keyboards – und schon drückte ich den Aufnahmeknopf.

Der Zugang zu Musiksoftware öffnete mir wenig später neue Horizonte und sollte das Interesse so weit festigen und fördern, dass ich schließlich in Wien am Institut für Musikwissenschaft landete, um der schöpferischen Leistung ein intellektuelles Fundament zu bauen. Nach diversen Schul- und Punkbands kam die hitverdächtige Formation CRASHiT zustande, eine Elektropunkband, die dann ohne besonderen Grund irgendwann zu Ende war.

Es kam und blieb GelbGut, eine Elektropopband, die seit 2010 die Wiener Musikszene mit romantischen und kritischen Popklängen erfrischt und Anfang 2017 erfolgreich auf WeMakeIt, einer auf Kulturprojekte spezialisierten Crowdfunding-Plattform, ihr Debutalbum finanziert hat.

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GelbGut © Ingo Karnicnik

Der Werdegang…

Während meines Studiums der Musikwissenschaft habe ich in der Studienrichtungsvertretung ig:muwi mitgestaltet, Partizipation gelebt und hinter die politischen Kulissen des Unibetriebs gespäht: Von der Erstsemestrigenberatung bis hin zur Fakultätskonferenz. Das Institut für Musikwissenschaft wurde dabei auch unter anderem mit diversen Popularmusik-Vorlesungen, studentischem Mitspracherecht, dem ein oder anderen Studierendenfest und meiner Diplomarbeit bereichert. Zum Studium kam noch ein Wahlfachmodul Kulturrecht am Juridicum und ein Jahr Jazztheorie am Gustav Mahler Konservatorium dazu, damit auch alles mit rechten Dingen zugeht.

Alle machen IRGENDWAS, denn alle müssen IRGENDWAS

 Meine persönlichen Projekt-Meilensteine sind der wunderschön-schräge Improvisationsabend TastenWahnSinn, der in (un)regelmäßigen Abständen stattfindet und demnächst seinen zehnten Geburtstag feiert, oder etwa die Plattenbörse, die sich als Drehscheibe für einen leistbaren Tonträgerzugang und Netzwerkplattform für Studierende verstand. Aus dem Subterrarium, ein sehr undergroundig-alternatives Vereinslokal für experimentelle Kunst aus den unterschiedlichsten Bereichen, erkeimte 2010 der charmante Subchor, der seither die Wiener Chorlandschaft bereichert.

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© Cornelia Harlacher

Kaufen Sie Kunst!

Die erste Station meiner regelmäßigen Erwerbsarbeit war das Kunst Haus Wien. Neben den Informationsvermittlungs-, Aufsichts- und Kassatätigkeiten übernahm ich auch die Produktion von diversen Ausstellungsvideos.

Um mich beruflich weiterzuentwickeln, absolvierte ich 2012 den Zertifikatslehrgang Kulturmanagement am Institut für Kulturkonzepte. Kurz danach war der Kunstsupermarkt bzw. die dahinterstehende Projektentwicklungsagentur KMG Kultur und Medien GmbH gerade auf der Suche nach neuen MitarbeiterInnen. Nachdem ich dort ein Jahr lang in unterschiedlichen Bereichen gearbeitet hatte, übernahm ich 2013 schließlich die Kommunikationsagenden.

Der Kunstsupermarkt ist Ausstellungsplattform für über 6.000 Originalwerke von insgesamt 90 zeitgenössischen KünstlerInnen aus 18 Ländern, die es dort käuflich zu erwerben gibt. Die Palette reicht von Zeichnungen über Aquarelle, Acryl- und Ölgemälde bis zur Fotografie (ausschließlich Originalkunstwerke).

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Golif – Der Beobachter © Dieter Brasch

Spartenübergreifendes und interdisziplinäres Kulturmanagement

Damit begann für mich die Kulturarbeit im Agenturkontext: Ich bespiele diverse Facebook- und Webseiten, plane Events und bin unter anderem zuständig für die Medien- und Pressearbeit, Promotion und das Sponsoring. Aufgaben, die ich davor schon bei früheren Projekten gemacht habe, nun aber im kommerziellen Bereich als breitgefächertes Kulturmanagement betreibe.

Beim Kunstsupermarkt funktioniert die Kommunikation auf unterschiedlichsten Kanälen. Wir nutzen etwa klassisches Emailmarketing, generieren regelmäßig Facebook-Content, versenden aber auch pittoreske Kunstpostkarten (Snapchat hat sich hier leider noch nicht durchgesetzt). Eine große Herausforderung ist es für mich, interne Projektentwicklungs- und Kommunikationsstränge zu erkennen und gegebenenfalls wieder zu kommunizieren – ein eklektischer Knoten.

Medien- und Pressearbeit steht und fällt oft mit der „Story“ und dem dazugehörigen Pressetext, der die Geschichte passend einrahmt. Hier arbeiten wir im Team, wodurch Erfahrungen aus verschiedenen Bereichen einfließen können. Die Betreuung von JournalistInnen bei diversen Medienpräsentationen ist ebenso wichtig wie die sorgsame Pflege des Medienverteilers. Eine Voraussetzung für meinen Job ist es auch, sich ausreichend mit dem Projekt zu beschäftigen, z.B. mit den Werken der KünstlerInnen, damit ich danach klar kommunizieren kann.

Sponsoring funktioniert bei Projekten im Kunst- und Kulturbereich oft über Umwege. Hier gilt es meiner Erfahrung nach, hartnäckig und umsichtig zu bleiben, weil oft Kooperationen entstehen, wo nicht damit gerechnet wird. Hier ist dann auch die Nachbetreuung der SponsorInnen ein großes Thema, damit etwaige Nachfolgeprojekte zustande kommen und das Netzwerk nachhaltig wachsen kann.

Für mich sind der interdisziplinäre Zugang und die gegenseitige Befruchtung das Spannendste an meiner Agenturarbeit. Besonders wenn sie an der Schnittstelle zwischen bildender Kunst, Street art, Musik & Sound Design, bewegten Bildern, Wirtschaft, Architektur und Stadtentwicklung wirken. Mir bereitet es große Freude Projekte mit zu entwickeln und auch abheben zu lassen, vor allem, wenn dabei einem breiten Publikum zeitgenössische Kunst nähergebracht wird.

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Kategorie: Money – Money – Play! – Den Umgang mit Geld spielerisch erlernen

Money – Money – Play! – Den Umgang mit Geld spielerisch erlernen

Ein Beitrag von Ulli Koch

FLiP-Erste Financial Life Park
© Lupi Spuma

Geld regiert die Welt – so oder so ähnlich lautet eine Weisheit, deren Ursprung bis in das Jahre 1616, in Georg Henischs Wörterbuch „Teütsche Sprach und Weißheit“, zurückverfolgt werden kann. Die Essenz dieser Weisheit existiert vermutlich noch länger. Kurzum, Geld beschäftigt die Menschheit und Geld sorgt dafür, dass beispielsweise Staaten, das Wirtschaftssystem, Kunst und Kultur sowie der eigene Haushalt mehr oder weniger gut funktionieren. Umso wichtiger ist es, dass Menschen Einblick in das Finanzsystem bekommen und verstehen lernen, welchen Einfluss (Kauf-)Entscheidungen auf das persönliche Budget aber auch auf globale Zusammenhänge haben.

Regiert wird das Geld der Welt u.a. von Banken. Das kann recht problematisch werden, muss es aber nicht, vor allem dann nicht, wenn sich Banken ihres gesellschaftlichen Auftrags bewusst sind und Maßnahmen entwickeln, die zur Finanzbildung der Gesellschaft beitragen. Die Erste Group Bank AG ist so eine Bank und hat in einer siebenjährigen Entwicklungszeit den „Erste Financial Life Park“ – kurz FLiP – in Auftrag gegeben, der sich auf spielerische Art und Weise mit dem Thema Geld und möglichst all seinen Facetten auseinandersetzt. Besonders erfrischend: Das FLiP befindet sich zwar im selben Gebäude wie der Erste Campus, in der Ausstellung jedoch ist davon nichts mehr zu merken. Klar, Bankprodukte wie Kredit, Überziehungsrahmen oder anderes sind Thema. Müssen sie auch sein, schließlich sind sie ein wesentlicher Bestandteil der persönlichen Finanzrealität, aber das Sprechen über diese Themen wird nicht durch die Bank oder die Holding beeinflusst. Nina von Gayl, Kuratorin der Ausstellung, betont im Gespräch, dass die Ausstellung ständig von einem wissenschaftlichen Beirat begleitet wird, der alle Entscheidungen freigibt. In einem kleinen historischen Detail ist die Erste Bank jedoch präsent: Alle Produkte des täglichen Lebens, die ein Namensfeld haben (Zeugnisse, Jahreskarten, etc.), werden mit dem Namen Marie Schwarz versehen, dem Namen jener Person, die das erste Sparbuch erhalten hat und das im Jahre 1820.

FLiP-Erste Financial Life Park_Konfigurator-Configurator
© Lupi Spuma

Aber nun zur Ausstellung an sich, die derzeit vornehmlich an Kinder und Jugendliche gerichtet ist und 2017 auch für Einzelbesuchende geöffnet wird. Gleich zu Beginn wird es knifflig, es gilt ein vorher festgelegtes Budget, das sich je nach Zielgruppe ändert, auf sieben Budgetposten zu verteilen: Wohnen, Mobilität, Freizeit, Medien und Kommunikation, Lebensmittel, Kleidung und Sparen. Jugendliche nehmen so beispielsweise die Rolle einer Studierenden, eines Lehrlings oder einer Vollzeit arbeitenden Person ein und müssen mit dem Budget, das sie zugewiesen bekommen, haushalten. „Das eigene Budget ist der Zellkern der Wirtschaft“, meint Nina von Gayl im Gespräch und ergänzt, dass dies den Ausgangspunkt darstellt, um Zusammenhänge zu erkennen. Damit ist auch schon der Grundgedanke des FLiP kurz umrissen: „Es geht darum, Wissen und Verständnis zu erzeugen, denn so kann eine Person anders agieren. Das Ziel ist, dass die Besuchenden wirtschaftliche Zusammenhänge erkennen und deswegen auch mit ihrem persönlichen Budget umgehen können.“

Diesem Ziel folgend widmet sich eine Station auch dem Wert von materiellen und immateriellen Dingen. Die Besuchenden bekommen die Aufgabe den Wert dieser Dinge zu bestimmen, was – so Nina von Gayl – schon auch zu hitzigen Diskussionen führen kann, denn monetärer und ideeller Wert müssen nicht immer übereinstimmen. Bei der Frage nach Kaufentscheidungen kommt dann die globale Komponente dezidiert mit ins Spiel. Die Besuchenden erfahren, wie sich Entscheidungen global auswirken, beispielsweise anhand einer Jeans, die in Italien produziert wird, deren Baumwolle aus Kasachstan kommt und die Verarbeitung in einem asiatischen Land stattfindet. Entscheidet sich die produzierende Person auf ein anderes Material umzusteigen, z.B. Biobaumwolle, so hat das Auswirkungen auf die Person, die die Baumwolle produziert, und kann gleichzeitig eine Erleichterung für die verarbeitende Person darstellen, deren Körper mit weniger chemischen Schadstoffen konfrontiert wird.

Begleitet werden die BesucherInnen von KulturvermittlerInnen, die am Institut für Kulturkonzepte ausgebildet wurden. Derzeit umfasst das Team drei festangestellte Personen, die alle aus der Bank kommen und auch Filialerfahrung mitbringen. Das sei besonders wichtig, meint Nina von Gayl, da sie so alltägliche Finanzbegriffe in Theorie und Praxis erklären können. Ergänzt wird das fixe Team um viele weitere Personen, die während ihrer Arbeitszeit freiwillig Führungen durch das FLiP anbieten. Alle VermittlerInnen eint, dass sie zuvor noch nie als KulturvermittlerInnen tätig waren, sprich, vor einer großen persönlichen Herausforderung standen. Ängste waren damit vorprogrammiert aber, so Nina von Gayl, durch die Ausbildung am Institut für Kulturkonzepte haben die KulturvermittlerInnen die notwendige Sicherheit erhalten. Durch ihre Arbeit ist die Ausstellung keine Aneinanderreihung von Stationen, sondern vielmehr eine Geschichte, die erzählt wird. Das Ergebnis: Leuchtende Augen, eifriges Mitdiskutieren und spielerisch Wissen aneignen, das die Kinder und Jugendlichen auf ihren weiteren Lebensweg begleitet.

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© Lupi Spuma

Eine große Rolle dabei spielt vermutlich auch der interaktive Ansatz in der Kulturvermittlung. Jede teilnehmende Person bekommt ein sogenanntes Wallet, das sie oder er während des Besuches immer wieder benutzt, um Abbildungen auf Wänden einzuscannen, Fragen zu beantworten und Hintergrundinfos zu erhalten. Dies stellt aber nur eine Ergänzung zur persönlichen Kulturvermittlung dar, betont Nina von Gayl, da erst durch den menschlichen Kontakt vertiefende Fragen geklärt und mögliche Defizite und Diskrepanzen erkannt werden können. Die Auseinandersetzung mit dem Thema endet auch nicht nach dem Besuch, sondern wird durch begleitendes Unterrichtsmaterial, das kostenfrei runtergeladen werden kann, ergänzt.

Besonders viel Wert wurde auf die Barrierefreiheit der Ausstellung gelegt. So sind alle Teppiche niederflorig, ein Aufzug ist vorhanden und auch Induktionsschleifen stehen zur Verfügung. Zudem ist der Besuch im FLiP vollkommen kostenfrei, da selbst kleinere Vermittlungsbeiträge eine große Hürde darstellen können. Eine Herausforderung stellt derzeit noch der Umgang mit Seheinschränkungen dar, denen in einer vom visuellen Bild lebenden Ausstellung auch nur mangelhaft mit akustischen Bildbeschreibungen begegnet werden kann. Auch vom Sprachangebot scheint es für die Zukunft empfehlenswert Türkisch, BKS oder ÖGS ins Repertoire aufzunehmen und so den Zugang noch inklusiver und breiter zu gestalten.

Derzeit ist das FLiP bis Schuljahresende, also Juni 2017, fast ausgebucht. Nicht sonderlich verwundernd beim Welt regierenden Thema Geld, das jede Person betrifft. Nach einem Besuch der Ausstellung ist es sogar noch weniger verwunderlich, schließlich überzeugt die große Liebe für Details, das niederschwellige Angebot und der spielerische Umgang mit dem Thema Geld. Und dass die Ausstellung immer weiter wachsen wird. So wird es zum Beispiel eine Sonderausstellung zum Thema Brexit geben, die Ende März 2017 startet und während der gesamten Verhandlungszeit mitwachsen wird. Ein wichtiges Thema, das auch zunehmend Erwachsene in die Ausstellung ziehen wird – sofern das nicht ohnehin schon früher passiert.

Website FLiP

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© Lupi Spuma
Kategorie: „Einen Impuls setzen, der sich dann vermehrt.“ Interview mit Tomáš Mikeska über die erfolgreiche Crowdfunding-Aktion #filmretten

„Einen Impuls setzen, der sich dann vermehrt.“ Interview mit Tomáš Mikeska über die erfolgreiche Crowdfunding-Aktion #filmretten

Ein Beitrag von Ulli Koch

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© Filmarchiv Austria

Die Geschichte an sich ist ja schon bemerkenswert: Da findet eine Person auf einem Flohmarkt in Frankreich Filmaufnahmen und es stellt sich heraus, dass es sich hierbei um verloren geglaubtes Material des Films „Die Stadt ohne Juden“ handelt. Dieser Film aus dem Jahr 1924, der auf den gleichnamigen Roman von Hugo Bettauer basiert, nimmt die Gräueltaten des Nationalsozialismus bereits vorweg und stellt damit ein wichtiges Geschichtsdokument dar. Das Problem: Der Film ist auf Nitromaterial festgehalten, das äußerst sensibel auf Umwelteinwirkungen reagiert und einen sehr geringen Brennpunkt aufweist. Es gilt also zu handeln. Und zwar schnell. Um die notwendigen Gelder für die Restaurierung aufzustellen, griff das Filmarchiv Austria – in dessen Besitz sich der Film befindet – zu einer auf den ersten Blick ungewöhnlichen Methode, nämlich Crowdfunding. Die Hintergründe und Strategie hinter diesem Projekt erläutert Tomáš Mikeska, Marketingverantwortlicher im Filmarchiv Austria und selbständiger Community Manager, im Interview mit Ulli Koch.

Warum Crowdfunding?
Diese Frage habe ich schon sehr oft gehört. (lacht) Das Filmarchiv Austria hatte für dieses Sonderprojekt keine Gelder im laufenden Budget und konnte auch nicht die dafür notwendigen Förderungen im Nachhinein aufstellen. Uns war aber klar, dass wir dieses wichtige Kulturerbe retten müssen, da das Material empfindlich ist und sich langsam anfängt zu zersetzen. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Filmrettung ist von Seiten des Bundes, sprich der Republik Österreich, sowie der Stadt Wien zwar da, jedoch fehlten auch hier die budgetären Mittel. Deswegen wurde an mich herangetragen einen alternativen Weg der Finanzierung zu planen, in diesem Fall eben auf die Zivilgesellschaft zu setzen.

Warum glaubst du war dieses Projekt so erfolgreich?
Es waren mehrere Aspekte, die im Voraus gut überlegt wurden. Auch die Zeit war die richtige. Es wurde uns zwar davon abgeraten die Kampagne politisch zu spielen, wir haben aber trotzdem den zu diesem Zeitpunkt laufenden Bundespräsidenten-Wahlkampf zwischen dem „grünen“ Alexander van der Bellen und dem rechtspopulistischen Norbert Hofer genutzt. Unser Aufhänger war, dass der Film die Themen Migration und Vertreibung aufgreift und letzteres darf einfach nicht mehr passieren. Diese Vorgehensweise wurde zwar kritisiert, jedoch glaube ich, dass es die richtige Entscheidung war, da es den Geist der Zeit anspricht. Aber es war ein Risiko, ein Grenzgang. Aber Kunst und Kultur müssen und dürfen Grenzen ansprechen, auf diese hinweisen und sie auch überschreiten, wenn es der Gesellschaft dienlich ist. Ich glaube, dass Kultur in diesem Fall durch Vermittlungsarbeit, durch die Präsentation inklusive kontextualisierendem Begleitprogramm, einiges bewirken kann. Ein weiterer Aspekt hinter dem Erfolg ist die bestehende Verdrossenheit mit der derzeitigen Kulturpolitik, die wir offen angesprochen haben, da das Projekt nicht von Bund und/oder Stadt rechtzeitig gefördert wurde. Und als dritter Aspekt: das Storytelling. In diesem Fall war es wichtig nicht nur die Geschichte des Films zu erzählen, sondern auch, was damit zusammenhängt, die gesellschaftspolitische Dimension.

Welche Kommunikationsstrategie hast du gesetzt?
Wir haben von Anfang an auf MultiplikatorInnen gesetzt. Das Zielpublikum des Filmarchivs ist nicht so aufgestellt, dass es die Kampagne alleine tragen könnte, wir mussten gezielt eine breitere Masse erreichen. Deswegen auch die Entscheidung politisch, kulturpolitisch und auf einer Storytelling-Ebene zu agieren. Wir hatten das Glück, dass uns sehr viele PartnerInnen aus dem Kultur-, Bildungs- und politischen Bereich von Anfang an ihre Unterstützung in der Kommunikation zugesichert haben. Die Grundstrategie war: Wir brauchen eine regelmäßige Berichterstattung in den gängigen Medien, im Social Web und MultiplikatorInnen, die in unserem Sinne Kanäle bespielen, die wir nicht bedienen. Wir haben bereits in der Vorlaufzeit eine sehr lange Liste an relevanten Personen und Institutionen erstellt, die wir um finanzielle oder kommunikative Unterstützung angefragt haben. Beispielsweise die Viennale, das Vienna Shorts Festival hier insbesondere Alexandra Valent, eine von mir geschätzte Kollegin im Marketing-Bereich, oder auch die Grünen auf Bezirksebene, die sich sehr für uns eingesetzt haben. Runtergebrochen war es unser Ziel immer wieder einen Impuls zu setzen, der sich dann vermehrt. Zu diesem Zweck habe ich auch Anne Aschenbrenner von den Kulturfritzen in mein Team geholt, die im Social Media Bereich stark vertreten ist und eine rege und große FollowerInnenschaft auf Twitter hat, ein Kanal, den das Filmarchiv eben selbst nicht bespielt. Das Filmarchiv Austria ist aber stark auf Facebook vertreten und konnte mit Beiträgen zu #filmretten die Reichweite sogar fast verzehnfachen. Das liegt natürlich auch an den MultiplikatorInnen, die unsere Beiträge geliket und geteilt haben und somit ein unverzichtbarer Teil der Grundstrategie waren.

Crowdfunding ist ja eine große Ressourcenfrage. Wie bist du damit auf finanzieller, personeller und zeitlicher Ebene damit umgegangen?
Finanziell gab es keine Mittel. Wir mussten wirklich effizient planen. Die Idee für das Crowdfunding kam von der Direktion, die das eher als Frage in den Raum gestellt hat. Ich habe es mir dann näher angesehen und erkannte, dass wir das ressourcentechnisch nicht machen können, weswegen ich zunächst Agenturen angefragt habe. Da kamen auch einige gute Angebote zurück, die aber unser Budget immer noch stark überschritten haben. Ich habe schließlich versucht einen effizienten und möglichen Alternativplan herauszuarbeiten, der u.a. eine geringfügige Teamerweiterung von zwei bis drei Personen vorsah. Und diese Unterstützung habe ich dann auch bekommen. Ich konnte mir mein Team selbst zusammenstellen, was sehr hilfreich war, da Vertrauen bei diesem Projekt eine wichtige Rolle spielte. Anne Aschenbrenner kenne ich schon lange, daher bat ich sie als Externe für den erweiterten Social Media Bereich dazu, Michaela Moitzi, die ihre Bachelorarbeit über Crowdfunding verfasst hat, und wie auch Christina Reithofer bereits davor geringfügig im Filmarchiv angestellt waren, wechselten zu mir ins Projektteam, in dem es klare Aufgabenteilung gab. Ergänzend leistete meine Kollegin Larissa Bainschab noch großartige Pressearbeit.

Zusammengefasst: Es braucht den Willen der Geschäftsführung und ein gutes Team.
Genau. Ich glaube das wichtigste ist, dass die Geschäftsführung die Leitung des Projekts der verantwortlichen Person überlässt. Sobald jede Entscheidung und Reaktion – vor allem im schnelllebigen Social Media-Bereich – abgeglichen und bewilligt werden muss, funktioniert es nicht. Es war demnach wichtig im Voraus abzuklären, ob die Direktion des Filmarchiv Austria hinter der Strategie und dem Projektplan steht und uns frei kommunizieren und (re)agieren lässt. Bei uns gab es nur sehr wenige Schleifen und Rückfragen mit der Geschäftsführung, daher konnte auch das Team gut selbstständig arbeiten und im Rahmen von regelmäßigen Teammeetings in kleiner Runde Strategien, Vorgehensweisen und Ziele für die kommenden Wochen besprechen.

Rückblickend betrachtet: Was war dein größtes Aha-Erlebnis und dein größtes Learning?
Das Learning hat noch nicht aufgehört. Das geht jeden Tag weiter. (lacht) Die Kampagne ist zwar von der Finanzierung her abgeschlossen, aber wir sind dabei die weiteren Schritte zu planen und vorzubereiten. Der größte Aha-Effekt war die Zusammensetzung der UnterstützerInnen, die nicht meinen eigentlichen Erwartungen entsprochen hat. Indirekt waren das über 800 Personen und Einrichtungen, die uns unterstützt haben, jedoch nicht alle über die Crowdfunding-Plattform weil das nicht alle tun wollten.

Was sind deine Tipps für Crowdfunding-Kampagnen im Kulturbereich?
Auf jeden Fall eine gute Vorplanung leisten und die Strategie immer im Blick haben. Dann muss stets klar sein, inwiefern das Projekt einen finanziellen und einen Marketing-Zweck erfüllen kann und soll. Es ist wichtig ein gutes, aktives Team hinter sich zu haben, denn alleine ist ein Projekt wie dieses nicht zu schaffen. Das beinhaltet auch Familie und FreundInnen, denn schafft man es nicht bereits diese vom Projekt zu überzeugen, so schafft man es auch bei der Crowd da draußen nicht. Für (Kultur-)Institutionen gilt: Unbedingt vorher mit der Geschäftsführung oder der Direktion abklären, dass die oder der Projektverantwortliche selbstständig handeln kann. Dann: Innovative Ideen entwickeln, wie in unserem Fall auf der Ebene des Storytellings, aber auch der Finanzierungsmotivation. Wir sind auf die inhaltlichen Aspekte eingegangen, die Geschichte des Films, die tragische Geschichte der Personen aber auch auf den Geist der heutigen Zeit und Matching-Fund einzusetzen war ebenfalls eine solche „innovative“ Idee. Wir haben hierfür mit einer anonymen Filmretterin kooperiert, die das Projekt mit maximal 20.000 € unterstützen wollte, jedoch nur wenn wir nachweislich und weiterhin möglichst viele Menschen erreichen und die Masse so zu einer aktiven Unterstützung durch Verbreitung oder Finanzierung motivieren. Im Gespräch mit der anonymen Filmretterin haben wir uns überlegt, dass in regelmäßigen Abständen jede Unterstützung von ihr verdoppelt werden könnte, als Belohnung für jede neue Unterstützung. Ab da waren unsere FilmretterInnen, wie wir unsere Backer nennen, noch motivierter das Projekt zu unterstützen, einfach weil sie gewusst haben, dass ihr Beitrag doppelt zählt. Und als letzteres: Einfach tun und alles geben, es ist eine dankbare und sehr persönliche Form des Fundings – genießt es.

Die erfolgreich durchgeführte Kampagne hier auf wemakeit ansehen

Alle Fotos © Filmarchiv Austria

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Tomáš Mikeska
Kategorie: Stürmische Zeiten brauchen ein mutiges Theater – Der Dschungel Wien

Stürmische Zeiten brauchen ein mutiges Theater – Der Dschungel Wien

Ein Beitrag von Ulli Koch

„Denn Kultur ist kein Luxus, den wir uns leisten oder nach Belieben auch streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere innere Überlebensfähigkeit sichert.“

Richard v. Weizsäcker

Seit 2004 gibt es das Theaterhaus für ein junges Publikum und seit diesem historischen Gründungsmoment begleitet der Dschungel Wien Menschen, vom Kleinkind bis zur Großelterngeneration. Seit September wird der Dschungel von Corinne Eckenstein geleitet, die das Theaterhaus als einen Ort verstehen will, der „nie stillsteht, aber innehält“. Ein Widerspruch? Mitnichten. Vielmehr geht es darum Kindern und Jugendlichen eine Plattform zu bieten, einen geschützten Rahmen quasi, der es ihnen ermöglicht sich mit ihrer eigenen Lebensrealität auf einer anderen Ebene auseinanderzusetzen.

Konkret bedeutet das, so Corinne Eckenstein im Gespräch, Kindern und Jugendlichen einen Freiraum zu bieten, wo sie andere Perspektiven einnehmen und diese mit anderen Menschen durchdenken können. Das Publikum konsumiert nicht einfach ein Theaterstück, sondern – durch das Wegfallen der sogenannten vierten Wand – ist Teil des Bühnengeschehens. Zentral dabei sind zwei Punkte: Erstens Menschen, die in der Gesellschaft marginalisiert werden, eine Stimme zu geben und zweitens andere Sichtweisen auf Themen und gesellschaftlich-soziale Herausforderungen zu zeigen, die neue Möglichkeiten aufmachen. Corinne Eckenstein betont im Gespräch, dass es dabei „nicht um eine Problemzentriertheit geht, sondern wie denken, fühlen oder leben Menschen unterschiedlichster Herkunft, Denkweisen, Geschlecht, Religion, usw.“.

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© Rainer Berson

Partizipation als selbstermächtigender Prozess

Erreicht werden soll dies durch einen partizipativen Ansatz, der Kinder und Jugendliche dazu einlädt Theater aktiv mitzugestalten. Ein gutes Beispiel dafür sind die Theaterwild:Werkstätten, in denen ein konkretes Stück erarbeitet und anschließend auf der Bühne gezeigt wird. Doch auch hinter der Bühne gibt es ausreichend Platz und Freiraum, sei es für den Blog zu schreiben, als junge Kritikerin/ junger Kritiker zu fungieren oder Behind the Scenes Videomaterial zu sammeln und Schauspielende, Regie und Technik bei der Arbeit zu beobachten.

Hinter all dem verbirgt sich eine Haltung, die Kinder und Jugendliche in ihrer jeweiligen Lebensrealität ernst nimmt, sie anerkennt und nicht versucht mit dem überspitzt formulierten pädagogischen Holzhammer eine gewisse Form aus ihnen rauszuschlagen. Ein näherer Blick auf den aktuellen Spielplan verrät vielmehr, welch große Rolle Widerständigkeit spielt, sei es in der Figur von Pinocchio, der den geraden Weg verlässt, oder in der Form der Blutsschwestern, die sich den Bühnenraum mit viel Selbstbewusstsein tanzend erobern. Körperliches Ausdrucksvermögen nimmt ebenfalls einen zentralen Stellenwert ein, wie bspw. bei Baja Buf, bei dem Kinder zwischen 10 und 24 Monaten an einer interaktiven Performance teilnehmen, bei der sie die Bewegungen der PerformerInnen durch eigene Bewegungen quasi vorgeben und gestalten.

Der sich dadurch öffnende kreative Raum, der für so ziemlich jeden möglichen Interessensschwerpunkt etwas bietet, sorgt mit der gleichzeitigen Anerkennung von Lebensrealitäten zu einem selbstermächtigenden Prozess. Kinder und Jugendliche lernen niederschwellig, interaktiv und mit viel Spaß an der Sache neue Perspektiven kennen und ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten kennen. „Theater kann niemanden retten“, meint Corinne Eckenstein, aber Theater kann Werkzeuge bieten und Anregungen mitgeben, die gesellschaftlich-soziale Herausforderungen bewältigbarer machen.

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© Bianca Traxler

Dezentrale Kulturpolitik

All diese Ansätze sind schön und gut, jedoch bleibt die Frage offen, wer an dem partizipativen Prozess überhaupt partizipieren kann. Strukturelle Ungleichheiten, wie finanzielle Verhältnisse, mangelnder Zugang zu Bildungssystemen und die zunehmende Entfremdung von Zentrum und Peripherie sorgen dafür, dass nicht allen Menschen die Angebote des Dschungels offenstehen. Um dem entgegen zu wirken, startet der Dschungel demnächst die Initiative Zukunftslabore, die Kinder und Jugendliche erreichen sollen, die sonst keinen so einfachen Zugang zu Theater haben. Im Gespräch macht Corinne Eckenstein auf das eigentlich Selbstverständliche aufmerksam: Solche und ähnliche Projekte brauchen schlicht und ergreifend Zeit und Geld. „Viele verstehen das nicht und denken, da geht man dann hin und macht mit den Kindern und Jugendlichen einfach Theater.“ Dieser sehr personalintensive Prozess beinhaltet neben der Akquirierung geeigneter Partnerschulen auch viel Energie und Frustrationstoleranz, bis so ein Projekt am Laufen ist und von Kindern und Jugendlichen auch angenommen wird.

Um dieses und weitere Projekte umzusetzen sucht der Dschungel derzeit SponsorInnen und PatInnen. Letztere ermöglichen mit ihrer PatInnenschaft den Besuch von Theatervorstellungen oder die Teilnahme an den Theaterwild:Werkstätten. Corinne Eckenstein sieht den Dschungel jedoch nicht alleine in dieser Position, schließlich müssen sich alle Theaterhäuser Wiens inzwischen zusätzliche SponsorInnen suchen, die den laufenden Betrieb inklusive Zusatzangebote finanzieren.

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© Rainer Berson

Gesellschaftspolitische Dimensionen

Damit ist auch auf die gesellschaftspolitische Dimension des Dschungels verwiesen. „Es ist“, so Corinne Eckenstein, „jedoch kein Gesellschaftsauftrag, den man so nebenher machen kann. Im Gegenteil, das ist ein wirklich großer Job, dieses Gefühl, dass man als Kunst- und Kultureinrichtung für die Gesellschaft mitverantwortlich ist.“ Der gesellschaftspolitische Auftrag findet sich zudem nicht in offiziellen Dokumenten, sondern wird über die Hintertüre an den Dschungel und andere Kultureinrichtungen herangetragen. Für Corinne Eckenstein ist das trotzdem Nichts, was sie nebenher machen möchte, vielmehr versucht sie, mit dem nächsten Budget und der neuen Spielzeit Impulse in diese Richtung zu setzen.

Nicht vergessen werden darf dabei, dass der Dschungel Kunst produziert, denn „es darf beides, ich darf Kunst machen und Kunst möglichst breit in die Gesellschaft einführen.“ Viele Jahre hing an dem Begriff „Kindertheater“ ein schaler Beigeschmack, wurde es doch als eine niedere oder gar unrelevante Gattung für ein nicht relevantes Publikum, das den Hochkulturbegriff (noch) nicht zu schätzen weiß, gesehen; eine Denkrichtung gegen die sich auch Stephan Rabl mit der Initiierung und Gründung des Dschungels 2004 explizit gewehrt hat und auch wehren musste und die bis heute noch ihre AnhängerInnen findet. „Das, was wir hier machen, ist Kunst für ein junges Publikum und da möchte ich mich nicht schämen, dass ich dieses Wort in den Mund nehme. Und dass die Arbeit, die wir hier tun, nicht nach Pädagogik und all dem klingt, nur damit es noch einen sozialen Aspekt hat.“, meint dazu Corinne Eckenstein. „Für mich ist das ein politisches Statement. Es ist Kunst – und zwar positiv konnotiert. Es muss Kunst sein. Und Kunst selbst ist ein gesellschaftlicher errungener Wert, so wie auch der Feminismus.“

Das Best Practice-Beispiel Dschungel zeigt, Kulturbetriebe stehen heute zwischen dem Spagat einen nicht näher definierten gesellschaftspolitischen Auftrag nachzukommen ohne dafür mehr Gelder auszugeben. Was dabei hilft, sind motivierte MitarbeiterInnen, die mit Leidenschaft ihrer Arbeit nachgehen sowie Wertschätzung und Anerkennung der Führungsperson. Und dann ist da noch Kindern und Jugendlichen beim Wachsen, Nachdenken, Ausprobieren und Widerständig-Sein zu zusehen und ihnen das richtige Werkzeug dafür in die Hand zu geben. „Der Dschungel ist alles was du willst und du daraus machst.“

 

 

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© Rainer Berson
Kategorie: Künstlerin im Web 2.0 – Absolventin Monika Herschberger

Künstlerin im Web 2.0 – Absolventin Monika Herschberger

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© Klaus Ranger

Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Monika Herschberger, ich bin 40 Jahre alt, bildende Künstlerin, Jazzsängerin, Kulturarbeiterin und Content-Designerin.

Wo fing es an?

Kunst und Musik, diesen zwei Wegen bin ich schon seit meiner Jugend gefolgt. Neben einem Jazzgesangstudium bis 2003 und einigen Jahren in der Jazzszene, begann ich mich ab 2001 vermehrt der bildenden Kunst zu widmen, der ich seitdem treu geblieben bin. Im Laufe der Jahre entwickelte ich meinen künstlerischen Stil: abstrakte expressive Malerei sowie kleinformatige, gegenständliche Zeichnungen und japanische Holzschnitte.

Kunst und Arbeit

Neben der Kunst war ich als Webredakteurin und Kundenbetreuerin im Agenturbereich tätig. Da ich mehr Herausforderung im Bereich Pressearbeit suchte, übernahm ich ab 2012 die Öffentlichkeitsarbeit für das Kulturnetz Hernals, welches zahlreiche Kulturevents im 17. Bezirk veranstaltete, u.a. das Festival Tatort Hernals 2011 oder 2013 den Atelierrundgang Art2Go, den ich selbst mitorganisierte. 

Ausstieg und Umstieg

Der nächste Einschnitt war größerer Natur: mein erstes Kind, Julian, kam 2013 auf die Welt und ein 2-jähriger Ausstieg aus der Berufswelt folgte. Dies war auch eine einmalige Gelegenheit mir zu überlegen, was ich in Zukunft machen würde – ob ich mich mehr auf PR & Kulturmanagement fokussieren sollte oder meine eigene künstlerische Tätigkeit vorantreiben sollte…

Zwischen Musenkuss und Selbstvermarktung 2.0

Der Lehrgang für Kulturmanagement schien die richtige Wahl zu sein, 2015 ging es los. Da beim Kulturnetz Hernals ebenfalls eine Neuorientierung im Gange war, beschloss ich, mich auf die Ich-AG im Web 2.0. zu konzentrieren. Die Seminare waren sehr vielfältig, vor allem Projektmanagement und Marketing konnte ich gut nützen. Ergebnisse meiner Arbeit waren eine neue Corporate Identity, eine eigene Website sowie Social-Media-Marketing. Highlight war die Jubiläumsausstellung „wellen//schlag“ im Wassertum Favoriten mit 15 KünstlerInnen.

Back to work, back to reality.

Seit Sommer 2016 hat mich die reguläre Berufswelt wieder, zwar noch nicht im Kulturbereich aber auf verwandtem Gebiet: ich bin als Projektscout und Redakteurin bei Respekt.net, einer Crowdfunding-Plattform für NGO-Projekte, tätig.

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Sommer von damals, 2013, Jap. Holzschnitt/Mischtechnik, 14,8×21 cm

Keine Chance für Langeweile

Wenn ich meine Betätigungsfelder kurz umreißen soll, so mag ich an meinem Job bei Respekt.net am meisten, dass ich so viele verschiedene Aufgaben habe bzw. auch Platz ist, mir neue Bereiche zu erarbeiten. Der Marketingbereich steckt etwa noch in den Kinderschuhen, d.h. man kann vieles ausprobieren, da es keine fixe Richtung gibt, z.B. Social Media Marketing. Als persönliches Ziel sehe ich es, wenn ich den Crowdfunding-Projekten helfen kann, „gut zu starten“ und sie und somit die Plattform erfolgreich zu machen.

Beim Kulturnetz Hernals bin ich seit fünf Jahren für die Öffentlichkeitsarbeit und Redaktion verantwortlich, außerdem habe ich einige Projekte wie den Atelierrundgang „Art2Go“ organisiert, und „Das Orakel“, eine Gruppenausstellung mit 9 KünstlerInnen.

In meiner künstlerischen Tätigkeit ist neben dem kreativen Prozess auch die Organisation ein wesentlicher Faktor, derzeit bin ich u.a. in der Planung für Ausstellungen 2017/2018. Künstlerisch möchte ich neue kleinformatige Serien von Zeichnungen erarbeiten, sowie auch wieder Holzschnitte anfertigen.

Für Ausstellungsmöglichkeiten und Kooperationen bin ich offen. Aktuelles über mich und meine Arbeit sind auf Facebook und auf meiner Website zu finden.

 

„In ihrer Kunst ist viel Kraft, viel Lebensmut und Ausdauer zu spüren.“

Dr. Ursula Fischer, Galerie am Lieglweg

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© Klaus Ranger
Kategorie: „Berlin ist pleite, aber das ist ja das Schöne.“

„Berlin ist pleite, aber das ist ja das Schöne.“

Ein Beitrag von Ulli Koch, Interview von Martin Wassermair

Seit 2014 hat Tim Renner das Amt des Staatssekretärs für kulturelle Angelegenheiten in Berlin inne. Kein leichter Job, schließlich kämpft die Stadt Berlin nun schon seit einiger Zeit mit finanziellen Problemen. Doch das sieht Renner nicht zwangsläufig als Hindernis. Vielmehr sieht er darin Chancen und Möglichkeiten, um kreativ-innovative Lösungsansätze zu finden. „Kunst, Kultur und die Kreativszene gehören zu den zentralen Ressourcen Berlins“, heißt es demnach auch auf der offiziellen Website, die vor allem den Standort Berlin als internationale Drehscheibe für Kunst und Kultur preist. Welche Bilanz Tim Renner bisher ziehen kann und wie er als Außenstehender die Kulturpolitik Österreichs wahrnimmt, hat er Martin Wassermair während des Symposiums „Matryoshka Effect“ verraten, das von der IG Kultur Steiermark im November 2016 veranstaltet wurde und sich mit der „Lage von Kunst und Kultur in zeitgenössischen kapitalistischen Gesellschaften“ beschäftigte.

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Kunsthaus Tacheles © Paola_Margari

Martin Wassermair: Seit zweieinhalb Jahren bist du nun Staatssekretär für kulturelle Angelegenheiten des Landes Berlin. Welche Bilanz kannst du bis dato ziehen?

Tim Renner: Es war bisher wahnsinnig viel Arbeit. Als Bilanz lässt sich vorerst ziehen, dass wir es auf jeden Fall gemeinschaftlich geschafft haben, die Rahmenbedingungen für die freien Szenen – also jenen KünstlerInnen, die ohne Netz und doppelten Boden arbeiten – erheblich zu verbessern. Wir beschäftigen uns gerade mit der Frage, wie sich die Stadt gestaltet, wie wir Räume erhalten, damit Kunstproduktion noch möglich ist. Gerade auch wie Kunstexposition im städtischen Bereich passieren kann und nicht wie in London, Paris oder New York, wo Kunst irgendwann eine Sache geworden ist, die bestenfalls an der Peripherie stattfinden kann.

Wassermair: Mit welchen Rahmenbedingungen ließe sich das städtische Zentrum für KünstlerInnen besonders schmackhaft machen?

Renner: Damit, dass man die Immobilien hat. Das Gute ist, dass Berlin nicht gerade arm an Immobilienbesitz ist. Die Hälfte des Landes Berlin gehört dem Land Berlin. Das beinhaltet natürlich auch Straßen, Parks und Wälder, die man nicht unbedingt bebauen wird, aber nichtsdestotrotz ist Grund vorhanden. Wir haben uns eine Sache gesichert, die entscheidend ist: Keine Immobilie des Landes Berlins kann mehr ungenutzt oder in den privaten Kauf gegeben werden, ohne dass die Kulturverwaltung das auch goutiert hat. Ein anderer wichtiger Punkt ist, KünstlerInnen zu ermöglichen, ihre Arbeitsplätze im Zweifel auch mal selbst zu erwerben, wenn sie in einer privaten Immobilie untergekommen sind. Dafür haben wir ein Bürgschaftsprogramm entworfen, denn KünstlerInnen bekommen normalerweise leider keine Kredite bei Banken. Zudem kann man kurzfristig agieren, indem man langfristige Mietverträge für künstlerische Arbeitsräume abschließt. Das tun wir. Wir haben mittlerweile 800 Arbeitsräume, die sicherstellen, dass KünstlerInnen, die darin arbeiten, nicht mehr zahlen müssen als notwendig.

Wassermair: Berlin galt ja noch vor nicht allzu langer Zeit als fast pleite. Wie lassen sich diese Maßnahmen finanzieren?

Renner: Berlin ist auch aktuell immer noch pleite, aber das ist ja das Schöne. In dem Moment, wo ich eh schon ruiniert bin, kann ich sehr viel entspannter nach vorne denken und muss nicht viel absichern. Berlin ist zwar ein Pleiteland, ist aber auch das Land in Deutschland mit den höchsten Wachstumsraten, sowohl als wirtschaftliche Kraft, die entsteht, als auch an Steuereinnahmen. Das Gute momentan ist die völlig desolate Zinspolitik, die es auch dem Land Berlin nicht unbedingt attraktiv macht, seine Schulden jetzt zurückzuzahlen. Stattdessen investiert man lieber einen Großteil dessen, was man jetzt neu reinbekommen hat. Hier fängt der schizophrene Bereich für einen Kulturpolitiker an: Um an diesen sprudelnden Steuereinnahmen zu partizipieren, muss ich natürlich ökonomisch argumentieren. Ich muss sagen und belegen können – und das kann man –, dass dieses enorme Wachstum, was diese industrielose Stadt Berlin hat, maßgeblich durch den kollateralen Nutzen von Kunst und Kultur induziert wird. Und das ist uns gelungen. Damit haben wir eine Steigerung von 11 % im Haushalt für Kunst bekommen und damit lässt sich etwas machen.

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© Denis Bocquet

Wassermair: Bei uns in Österreich ist mittlerweile die Krise deutlich angekommen. Wir alle bemerken rückläufige Budgets und Förderungen. Eine der Möglichkeiten, die in Österreich immer stärker angedacht wird, ist das unternehmerische Denken. Gibt es da in Berlin ähnliche Modelle, um dieses Denken zu fördern? Oder in welche Richtungen gehen die Überlegungen?

Renner: Es gibt Modelle, die diese Denkweise fördern und die sind auch richtigerweise beim Wirtschaftsministerium angesiedelt und nicht in der Kulturbehörde. Natürlich steht es den KünstlerInnen frei zu sagen: „Ich will in die wirtschaftliche Optimierung gehen. Ich will, dass meine Kunst breiter wahrgenommen, diskutiert, konsumiert wird.“ Okay, aber das ist nicht die Kernaufgabe von Kunst, dass dann ein wirtschaftlicher Prozess einsetzt. Es ist auch richtig, dass es Professionalisierungsseminare für KünstlerInnen gibt, die auch vom Staat finanziert werden. Wir vom Kulturressort versuchen sicherzustellen, dass KünstlerInnen ohne Ökonomisierungsgedanken überhaupt mal arbeiten können. Alles andere kommt dann später.

Wassermair: Du nimmst an einer kulturpolitischen Konferenz in Graz teil. Wie beurteilt ein Berliner Kulturpolitiker die Diskurse, die in Österreich aktuell Thema sind?

Renner: Wir beobachten mit Sorge den Kulturbegriff, der von konservativen Parteien verbreitet wird. Das ist bei uns vergleichbar mit der AfD und das halte ich für kontraproduktiv. Man darf einen Kulturbegriff nicht einengen, man muss ihn aus meiner Sicht im Gegenteil eher ausweiten. Und zum anderen erlebe ich mit einem gewissen Erstaunen, wie wenig die Kraft der Kultur als Element einer Phase der gesellschaftlichen Veränderung, eines wirtschaftlichen und produktionstechnischen Umbruchs erkannt wird. In Berlin wurde heftig gestritten, welche Partei das Kulturressort bekommt. Hier habe ich vorhin eine Grazer Politikerin kennengelernt, die das nicht glauben konnte. Sie meinte, das Kulturressort gelte in Österreich immer als Trostpreis. In Berlin ist es alles andere als der Trostpreis. Die Kulturabteilung ist eines der Kernressorts. Berlin ist an sich eine deindustrialisierte Stadt, und wenn ich mir die Entwicklung der Industrie 4.0 anschaue, dann ist das eine Situation, die zwangsläufig auch auf Österreich zukommt. Ich glaube, da kann man sich Sachen abschauen, die Berlin zwangsläufig schon anders machen muss.

Wassermair: Vielen herzlichen Dank für das Gespräch.

 

Tim Renner ist seit 2014 Staatssekretär für kulturelle Angelegenheiten des Landes Berlin. Bereits seit den 1980er Jahren ist er kulturpolitisch aktiv.

Martin Wassermair arbeitet seit den 1990er Jahren in unterschiedlichen kulturpolitischen Feldern. Er hält Vorträge, moderiert und bietet Beratungstätigkeiten für die Bereiche Kulturpolitik, PR und Vermittlungsarbeit an.

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Schwules Museum © Robert M.
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Tim Renner © Senatskanzlei Berlin Kulturelle Angelegenheiten
Kategorie: Die Neugier, neues zu entdecken – Alumni Malina Schartmüller

Die Neugier, neues zu entdecken – Alumni Malina Schartmüller

Der große Fotograf Henri Cartier-Bresson prägte den mittlerweile berühmt gewordenen Ausdruck des „entscheidenden Augenblicks“. Cartier-Bresson meinte damit den Sekundenbruchteil, in dem der Fotograf auf den Auslöser drückt und in diesem Moment den Kern einer Szene einfängt.

Dieser entscheidende Augenblick hat mich auch durch eine glückliche Fügung vor bald 10 Jahren in das Fotomuseum WestLicht in Wien geführt. Begonnen hat es als Studentenjob am Front Desk des Museums, mittlerweile bin ich seit einigen Jahren für das Kulturmarketing des Museums und Eventmanagement zuständig.

WestLicht ist gleichzeitig Ausstellungsort für Fotografie, ein Kameramuseum, das die technische Entwicklung der Fotografie von der ersten Kamera aus 1839 bis zum Beginn des digitalen Zeitalters zeigt, ein Café und Heimat der WestLicht Auktionen. Seit seiner Gründung zeigte das Museum etwa 100 Ausstellungen – darunter große Namen wie Elliott Erwitt, Sebastiao Salgado, Ansel Adams, Herbert List und Alexander Rodtschenko aber auch thematische Schauen wie die internationale Polaroid Sammlung oder Augen Auf! 100 Jahre Leica Fotografie.

Ein alljährliches Highlight ist World Press Photo – die weltweit wichtigste Ausstellung zum Thema Bildjournalismus.  Die Ausstellung ist wohl den meisten fotografiebegeisterten Menschen bekannt, knapp 24.000 Besucher strömen dann innerhalb von 5 Wochen in das Museum, ganz beachtlich für ein kleines Museum im Hinterhof einer ehemaligen Glasfabrik im 7. Bezirk.

Zum WestLicht gesellte sich auch vor mittlerweile 5 Jahren die Galerie OstLicht, am Areal der Brotfabrik in Wien Favoriten. Sowohl im Fotomuseum WestLicht als auch in der Galerie OstLicht betreue ich sämtliche Medien- und Kulturkooperationen und setze unterschiedlichste Marketingaktivitäten, gemeinsam mit meinen KollegInnen aus der Kommunikationsabteilung um. Des Weiteren arbeite ich eng mit den Kuratoren & der Kunstvermittlung zusammen und gestalte ein spannendes Rahmenprogramm zu den jeweiligen Ausstellungen mit.

Bei der 2 x jährlich stattfindenden WestLicht Foto-Auktion bin ich für die Auktionswerbung zuständig und versuche neue Aktivitäten zu setzen, um diese noch erfolgreicher zu machen.

Darüber hinaus organisiere und plane ich sämtliche Ausstellungseröffnungen & Events in unseren Häusern, bin damit auch Ansprechperson für alle externen Einmietungen.

Ich begann bereits während meines Studiums der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (Wahlfachschwerpunkt Kunstgeschichte & Psychologie) im WestLicht zu arbeiten und habe sofort gemerkt, das ist der Platz wo ich mich wohlfühle und wo ich mich entfalten kann. Nach einem aufregenden Auslandssemester 2009 in Shanghai kehrte ich auch direkt an diesen Arbeitsplatz zurück.

Man sieht, ich bin in das Museum hineingewachsen und das Museum ist mit mir mitgewachsen. Mittlerweile begrüßen wir 80.000 Besucher pro Jahr und sind als DER Schauplatz für Fotografie in Wien fest verankert. Der Schlüssel zum Erfolg ist sicherlich die große Leidenschaft die uns hier gemeinsam antreibt und die Neugier, die wir an den Tag legen, immer wieder neues zu entdecken und unkonventionelle Wege zu gehen. Es macht Freude, Besuchern eine schöne und bereichernde Zeit im Museum zu ermöglichen. Wenn jemand das Museum mit den Worten „Das ist super was ihr hier macht, weiter so!“ verlässt, ist das ein wunderbares Gefühl!

Es ist für mich mehr als ein Beruf, mehr als ein normaler Job; ich bin tief verwurzelt in dem Unternehmen, lebe es sozusagen mit. Ich schätze die vielfältigen Menschen, die mich täglich begleiten und die ich hier kennen lerne. Das Unternehmen steht nie still, es entwickelt sich immer etwas neues, kein Tag gleicht dem anderen. Und natürlich diese wunderbare Umgebung, in der ich mich verwirklichen und die ich mitgestalten darf. Wer hat schon die tollsten Fotografien, die ältesten Kameras der Welt täglich vor Augen? Ein sehr inspirierendes Umfeld.

Zusätzlich zu meinem Masterabschluss an der der Universität Wien und dem Abschluss des Lehrgangs Kulturmanagement am Institut für Kulturkonzepte, der mir zusätzliche und wichtige Skills in meinem Berufsfeld verschafft hat, besuche ich regelmäßig Seminare von ICOM (International Council of Museums) in ganz Österreich und auch diverse Social Media Fortbildungen. Wichtig ist für mich persönlich, nicht stehen zu bleiben, immer neugierig sein, beobachten, wie sich Dinge verändern.

Ein wirkliches Herzens-Projekt , über welches ich auch meine Abschlussarbeit für den Kulturmanagement Lehrgang verfasst habe, ist das ViennaPhotoBookFestival, das jährlich an einem Juniwochenende am Areal der Brotfabrik Wien stattfindet; gegründet von meinem extrem engagierten Kollegen, Fotobuchkurator Michael Kollmann, wird es von mir und meinem Team organisatorisch und marketingtechnisch betreut.

Das ViennaPhotoBookFestival ist Treffpunkt für Fotobuchfreunde, Fachleute, Sammler, Händler, Verleger und Fotografen und mittlerweile das größte Fotobuchfestival Europas.

Ein weiteres sehr spannendes Projekt, das WestLicht Gründer Peter Coeln mit Leidenschaft & Vehemenz verfolgt, ist die Gründung eines eigenständigen „Haus für Fotografie“, wie es in den meisten Weltstädten längst fixer Bestandteil des kulturellen Angebotes ist. Vielleicht gibt es ja bald ein „Fotomuseum WeltLicht“ in Wien. Lasst euch überraschen!

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Foto: Eva Mühlbacher Photography
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Kategorie: Der neue Kulturbetrieb – warum Veränderung manchmal Sinn macht

Der neue Kulturbetrieb – warum Veränderung manchmal Sinn macht

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© Corinna Eigner

Ein Beitrag von Ulli Koch

 

Alles bewegt sich. Alles dreht sich. Gesellschaftssysteme sind weder starr, noch unflexibel, verändern sich vielmehr fließend und dynamisch. Und so auch die Kulturinstitutionen, die durch Menschen zum Leben erweckt und mit Inhalten befüllt werden, die dann wiederum als Inhalte Menschen zur Verfügung stehen, die auf die Gesellschaft einwirken und sie gestalten. Wesentlich sowohl bei Gesellschaft als auch Kulturarbeit ist die kommunikative Ebene. Wie kommunizieren wir miteinander? Welche Kanäle nutzen wir und warum? Quasi umhüllt werden all diese Aspekte durch finanzielle Gegebenheiten, die notgedrungen vorgeben, welche Veränderungen nun tatsächlich umgesetzt werden können.

Sich mit Veränderungen im Kulturbetrieb auseinanderzusetzen, ist keine eindimensionale Angelegenheit. Umso wichtiger ist es miteinander ins Gespräch zu kommen und voneinander und den verschiedenen Erfahrungen, die in einer Kulturinstitution gemacht werden, zu lernen. Dazu bietet sich das Kulturmanagement Forum des Instituts für Kulturkonzepte an, das am 30. September in der IG Architektur stattgefunden hat.

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© Corinna Eigner

Im Fokus der jährlichen Veranstaltung stand heuer die Veränderung, was passenderweise auch das Thema des KM-Magazins vom September 2016 war, das hier runtergeladen werden kann. Im Ankündigungstext zu dieser Ausgabe ist nachzulesen, dass es vor allem die MitarbeiterInnen sind, die Veränderungen in Kulturinstitutionen tragen (müssen). Umso wichtiger ist es, Veränderungsprozesse durch Zusammenarbeit, Motivation und Engagement aller Beteiligten einer Kultureinrichtung in Gang zu setzen. Wie das gelingen kann? Keine leicht zu beantwortende Frage.

Zunächst muss sich eine Kulturinstitution die Frage stellen, wer oder was auslösend für den Wandelprozess ist. Kommt dieser Anspruch von außen und die Einrichtung reagiert nur darauf? Oder erfolgt der Wandel von innen, was die Möglichkeit gibt, selbst gestaltend in den Veränderungsprozess einzuwirken und eigene Impulse zu setzen. Dass aber auch dies nicht immer so einfach umzusetzen ist, beweist das Best Practice Beispiel von Marlene Leberer (Agentur DIE UNA) und Annette Frank (Frank Communications), die ein Projekt der Wiener Philharmoniker betreut haben. Ziel war, durch eine Crowdfundingkampagne ein ehemaliges Gasthaus in Niederösterreich zu einer Unterkunft für Menschen, die nach Österreich geflohen sind, umzugestalten. Obwohl von der idealistischen Idee überzeugt, musste das Ensemble der Philharmoniker erst dazu gebracht werden an die Crowdfundingaktion zu glauben. Durch den Einsatz neuer Medien, einer beständigen Betreuung und gemeinsamen, kreativen Nachdenken von Ensemble und Kommunikationsbetreuung wurde das Projekt schließlich erfolgreich umgesetzt.

Die „alten“ Philharmoniker erstrahlen also in einem „neuen“ Glanz. Zählen sie damit zu jenen Institutionen, die die Worthülse „Neuer Kulturbetrieb“ auffüllen können und sollen? Das ist je nach Definition wahrscheinlich unterschiedlich zu bewerten aber nachfolgende berücksichtigend, ja. Unter der Bezeichnung „Neuer Kulturbetrieb“ sind zwei Aspekte von Relevanz. Erstens die Vision und das Selbstverständnis einer Kultureinrichtung, die sich selbst gesellschaftliche Bedeutung zuschreibt und diese auch zugeschrieben bekommt. Diesem Aspekt folgend muss sich eine Einrichtung beständig wandeln, so wie es die Gesellschaft auch tut, und dabei auf den jeweiligen Zeitgeist reagieren. Der zweite Aspekt greift das Thema gesellschaftliche Veränderung auf und fokussiert dabei auf Kommunikationsmittel, die immer schnellere und interaktivere Möglichkeiten der Kommunikation bieten. Beide Aspekte berücksichtigt das Best Practice Beispiel FLiP – Financial Life Park, eine Einrichtung der Erste Group, welche die Kuratorin Nina von Gayl vorgestellt hat. In einer interaktiven Ausstellungsfläche haben Besuchende, vorwiegend Schulklassen, die Möglichkeit sich mit dem Thema Geld und Lebenserhaltungskosten auseinanderzusetzen. Eine Einrichtung wie der Financial Life Park hat hohe gesellschaftliche Relevanz. Schließlich ist das Thema Geld in allen Gesellschaften ein Dreh- und Angelpunkt. Durch die interaktiven Stationen greift die Ausstellung die Lebensrealitäten junger Menschen auf und präsentiert sich modern und innovativ.

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© Corinna Eigner

Dass es nicht zwangsläufig eines Milliardenkonzerns bedarf um innovative Projekte umzusetzen, beweist die von Gudrun Wallenböck künstlerisch geleitete Hinterland Galerie. Diese lädt KünstlerInnen aus sogenannten Krisenländern ein, in Österreich ihre Werke zu präsentieren bzw. vice versa wird auch Gudrun Wallenböck eingeladen Ausstellungen in den sogenannten Krisenländern zu kuratieren. Die damit verbundene hohe gesellschaftliche Relevanz muss hier nicht betont werden. Bemerkenswert hingegen ist, wie durch Globalisierungsströme und kommunikative Vernetzung durch das Internet anfangs „kleine“ Unternehmungen zu großer Resonanz verholfen wird. Das Projekt wurde damit quasi zum Selbstläufer und bringt durch die Kooperation unterschiedlicher KünstlerInnen beständig neue künstlerische Projekte und Arbeiten hervor.

Kommen wir zurück zu den MitarbeiterInnen einer Kultureinrichtung und inwiefern diese zum Gelingen von Veränderungsprozessen beitragen können. Veränderungen bedürfen das Mitwirken aller Beteiligter einer Kultureinrichtung – seien es Ticketverkauf, Publikumsdienst, Marketing oder Kuration – vor allem wenn die Veränderung von innen heraus erfolgen soll. Dazu braucht es Offenheit für Neues und Unterstützung von Seiten der Managementebene. Diese Unterstützungsleistung kann beispielsweise auch durch Weiterbildung aktiv gefördert werden. Dafür bietet sich der Qualifizierungsverbund des Instituts für Kulturkonzepte an, der sich speziell an MitarbeiterInnen und Führungskräfte von Kultureinrichtungen wendet und diesen praxisnah wertvolle Inputs zu den alltäglichen Herausforderungen im Berufsleben vermittelt. Die Kurse verstehen sich dabei als eine Form von Empowerment, das Kulturarbeitende dazu befähigt, gerade mit Veränderungsprozessen mitzuwachsen.

Wie wichtig diese Unterstützungsleistung ist, zeigten auch zwei Diskussionsrunden während des Kulturmanagement Forums. Eine Gruppe setzte sich mit Change Management auseinander und wie dieses aus MitarbeiterInnenperspektive wahrgenommen wird. Veränderungen lösen immer Verunsicherungen aus – wer kennt das nicht? Umso wichtiger ist es, dass Führungskräfte den Veränderungsprozess aktiv begleiten, MitarbeiterInnen motivieren und Ängste ernst nehmen. Erfolgt dies nicht oder nur im geringen Ausmaß, kann es schnell zu Missverständnissen kommen. Das machte die Diskussion in der zweiten Diskussionsrunde deutlich, die sich mit Compliance Regeln und deren Veränderungen beschäftigte. Was darf ich als KulturarbeitendeR nun annehmen? Darf ich das überhaupt tun? Auf welchen gesetzlichen und internen Regelungen basiert diese Entscheidung?

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Quelle: Twitter http://bit.ly/2fxQAbf
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Quelle: Twitter http://bit.ly/2fxNL9X

Das Thema Verunsicherung und Veränderung war dann auch thematischer Mittelpunkt der anschließenden Podiumsdiskussion, bei der Matthias Beitl (Volkskundemuseum), Kira Kirsch (brut) und Eva Rotter (Viennale) ihre persönlichen Erfahrungen als Führungskraft im Kulturbereich diskutierten. Um daraus nur ein Beispiel herrauszugreifen: Unter der neuen künstlerischen Leitung wurde die Entscheidung getroffen eine Spielstätte des bruts aufzugeben. Ein zunächst sehr verunsichernder Faktor, schließlich können Einsparungen auch immer Arbeitsplätze und weitere Ressourcen kosten. Schlussendlich wurde das dadurch frei gewordene Geld jedoch dazu genützt, um mehr Projekte außerhalb des klassischen Theaterraums umzusetzen, die sich beispielsweise auch niederschwelliger konzipiert im öffentlichen Raum bewegen können.

Schlussendlich bleibt nur die Frage offen, wie und ob Kulturpolitik Veränderungen herbeiführen kann und soll. Einerseits tut sie dies bereits, wirken doch beispielsweise Subventionskürzungen direkt auf den Kulturbetrieb ein und zwingen zum Eingreifen. Andererseits fehlt ein übergeordneter Kulturentwicklungsplan, der Kultureinrichtungen einen möglichen Weg aufzeigt und für Planungssicherheit sorgen kann.

Das diesjährige Kulturmanagement Forum war inhaltlich dicht und es konnte leider nicht jeder einzelne Aspekt in diesen Bericht aufgenommen werden. Umso mehr freuen wir uns auf Kommentare von Eurer/Ihrer Seite, Anregungen sowie konkrete Fragestellungen für das nächste Kulturmanagement Forum 2017. Denn eines hat der Tag wieder deutlich gezeigt: Kulturmanagement braucht kollegialen Austausch, auch auf informeller Ebene, und Best Practice ist nicht nur ein Schlagwort, sondern bietet neue Impulse für kommende Herausforderungen.

Dazu noch eine letzte Werbeeinschaltung in eigener Sache: Mit Jänner 2017 startet die Führungskräfte-Jahresgruppe, die sich monatlich trifft, um gemeinsam und auf informeller Ebene aktuelle Herausforderungen zu diskutieren. Nähere Informationen und die genauen Termine dazu finden Sie im aktuellen Folder des Qualifizierungsverbunds. Gerne steht Ihnen/Euch auch Mariella Austerer-Kulla für alle Fragen rund um den Qualifizierungsverbund, die Jahresgruppe sowie die Roundtables zu Personalentwicklung zur Verfügung: mariella.austerer@kulturkonzepte.at bzw. +43 (0)1 585 39 99-12

 

 

 

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© Corinna Eigner
Kategorie: Vor Bildende Kunst|Before Fine Art – Fotokünstler 2016/17 – Teil IV „DER HAUSMEISTER“

Vor Bildende Kunst|Before Fine Art – Fotokünstler 2016/17 – Teil IV „DER HAUSMEISTER“

Die Fotoserie „Der Hausmeister“ schließt unsere vierteilige Interviewserie des diesjährigen Kulturkonzepte-Kunstprojekts. Die drei Fotografen zeigen uns hier mit einem großen Augenzwinkern den alltäglichen Rundgang von Herbert Obermaißer, Leiter des Gebäudemanagements des Museums für angewandte Kunst in Wien.

Diese ist fast unsere Lieblingsserie der Fotokunstbücher – sie präsentiert eine wichtige Respektsperson eines großen Hauses charmant und originell. Wir freuen uns, in Zukunft mehr von Rudi Rapf, Ákos Burg und Lukas Klestil zu hören und, vor allem, zu sehen.

WIE WAR DENN EUER TAG MIT „DEM HAUSMEISTER“? IST ER SICH LEICHT VERFOLGT VORGEKOMMEN?

BFA: Es war teilweise extrem schwer, ihn bei jedem Schritt zu verfolgen und, in oft eher mäßigen Lichtverhältnissen, passende Momente einzufangen. Wir haben ihn bei seinen täglichen Rundgängen ‘verfolgt’ und zeigen ihn in vielen Räumlichkeiten des MAK, die sonst niemand zu sehen bekommt, wie zum Beispiel den Dachboden. Er muss jeden Winkel im Haus kennen und sobald etwas nicht funktionieren sollte, müssen die Probleme so rasch wie möglich behoben werden. So waren wir auch im Heizraum, der den Charakter eines Raumschiffs hat. Der Tag war extrem spannend, wir durften fast jeden Winkel des Museums sehen.

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© Vor Bildende Kunst|Before Fine Art

WAS HABT IHR BEI DER FÜHRUNG DURCH DAS GROSSE HAUS ERFAHREN, WAS IHR VORHER NOCH NICHT WUSSTET?

BFA: Da Rudi und Ákos schon davor ein Praktikum im Haus gemacht haben, wussten wir ziemlich gut, wie das Haus funktioniert. Was wir nicht wussten: Wenn das Museum noch geschlossen ist und der Hausmeister seine Runden macht, springen die Aufseher auf und grüßen höflichst. Das war neu und fremd für uns. So haben wir gemerkt, dass Herr Obermaißer eine sehr respektierte Persönlichkeit im Haus ist.

IHR SAGT, DASS IHR IN EURER BILDSPRACHE VERSCHIEDENE KÜNSTLERiNNEN ZITIERT – GIBT ES AUCH BEI DIESER SERIE ZITATE?

BFA: Das stimmt. Bei dem Hausmeister haben wir bewusst Herrn Obermaißer immer in der Bildmitte positioniert, sodass sich immer nur die Umgebung ändert. Mit dieser Bildsprache zielen wir auf die Vielfalt und Dimension des Hauses hin und auf die Bereiche und Räume, um die sich der Hausmeister kümmern muss.

Wir zitieren zum Beispiel Walker Evans‘ Serie „Tools“ im Buch „DER RESTAURATOR“, August Sanders „Antlitz der Zeit“ bei „DIE KUNSTGIESSEREI“ oder etwa Edward Muybridge in dem Buch „DIE MANAGERIN“. Außerdem gibt es ein Reenactment einer Arbeit von Sophie Calle, die in den späten 70er Jahren Fotos von Hotelzimmern gemacht hat, als die Gäste nicht anwesend waren.

ARBEITET IHR DERZEIT AN WEITEREN PROJEKTEN? WAS SIND EURE ZUKUNFTSPLÄNE?

BFA: Wir arbeiten zurzeit an verschiedenen Projekten, aber zu dritt nur an diesem Künstlerbuchprojekt. Es gibt noch weitere Positionen die man in diesem Gebiet aufarbeiten könnte, wie zum Beispiel ‘Der Galerist’ – vielleicht folgt eine Fortsetzung des Projekts 2017?

 

 

 

 

 

 

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© Vor Bildende Kunst|Before Fine Art
Kategorie: Die Kultur des Miteinander Arbeitens- Alumni Alexandra Feichtner

Die Kultur des Miteinander Arbeitens- Alumni Alexandra Feichtner

Ich bewege mich beruflich seit vielen Jahren in unterschiedlichen Feldern des Kulturbetriebes – genau genommen seit dem Abschluss des Universitätslehrgangs Kultur & Organisation 2004. Die Verantwortungsbereiche und Funktionen haben sich im Lauf der Zeit geändert, eines ist gleich geblieben: Der Kern, um den sich vieles in meiner Arbeit dreht, ist die Kultur des Miteinander-Arbeitens.

In nationalen und internationalen Projekten an der Schnittstelle von Wirtschaft, Kunst und Kultur habe ich viel über kreative Prozesse und interdisziplinäres Arbeiten gelernt. Ich hatte die schöne Aufgabe, unterschiedliche Blickwinkel und Ansätze zu gemeinsamen Ergebnissen zusammenzuführen, eine gleiche Augenhöhe und Vertrauen herzustellen, so dass alle Kompetenzen und Perspektiven zueinander kommen und einander bereichern können – und am Ende etwas Gemeinsames Neues entsteht.

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Foto: Katharina Gossow

Das ist Erfahrungswissen, auf das ich in meiner Arbeit immer noch täglich zugreife, denn im Grunde liegt hier auch der Fokus meiner aktuellen Tätigkeit: auf dem Schaffen optimaler Rahmenbedingungen für eine gute Zusammenarbeit. Als Organisationsberaterin begleite ich Gruppen, Unternehmen und Institutionen in Veränderungs- und Innovationsprozessen und an interdisziplinären Schnittstellen. Dabei nimmt der Kulturbetrieb für mich eine besondere Stellung ein. Zum einen bin ich dem Bereich sehr verbunden, zum anderen bin ich überzeugt von dessen gesellschaftlicher Notwendigkeit und Wirkungsmöglichkeit.

Der Kulturbetrieb vereint eine Vielzahl von Initiativen, Menschen und Institutionen, die im Rahmen ihrer jeweiligen Möglichkeiten und Ausdrucksformen wirken. Er öffnet Orte der Vermittlung, des Lernens und des Experiments. Er erzeugt Schnittstellen, die Neues und Altes, Gewohntes und Visionäres, Gedachtes und Praktiziertes zueinander bringen, die Wissen verknüpfen und BesucherInnen das Einnehmen ungewohnter Perspektiven ermöglichen.

Was wäre, wenn Kulturorganisationen dieses Potenzial vermehrt auch nach innen wenden, für sich selbst nutzbar machten? Das wäre mit Sicherheit spannend – und ich wäre gern dabei.

alexandrafeichtner.at

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Foto: Katharina Gossow

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