Schnell und kreativ – erfolgreiche Reaktionen auf den Shutdown - Institut für Kulturkonzepte
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Fotos: links privat, rechts (c) Thomas Topf
Fotos: links privat, rechts (c) Thomas Topf
Kategorie: AbsolventInnen Schnell und kreativ – erfolgreiche Reaktionen auf den Shutdown 17.04.2020

Der Kulturbereich ist von der Corona-Krise auf eine sehr ambivalente Weise getroffen. Einerseits herrscht Stillstand, denn die Kulturveranstaltungen sind bis zum Sommer abgesagt. Andererseits ist ein breites Kulturangebot in den sozialen Medien entstanden. Dazu haben wir zwei Kulturschaffende interviewt, die am 22. April zu Gast bei unserem Online-Workshop „Dein Weg zum Kulturjob“ sein werden.

Unsere Absolventin Lisa Reimitz-Wachberger von der Agentur Raumpioniere ist Urbanistin und Kulturmanagerin und hat innerhalb kürzester Zeit das Homestage Festival ins Leben gerufen, mit Konzerten, Kabaretts und mehr per Livestream.  Der Kunstvermittler Markus Hübl führt täglich virtuell durch das Belvedere, Wien und hat damit bereits mehr als 100.000 Menschen erreicht. Wir haben sie gefragt, wie sie ihre außergewöhnlich erfolgreichen Projekte entwickelt haben und welche Erkenntnisse sie daraus für ihre Arbeit nach Corona ziehen können.

Fotos: links privat, rechts (c) Thomas Topf
Fotos: links privat, rechts (c) Thomas Topf

Lisa entschied sich gemeinsam mit ihrem Partner sofort, die Event-Agentur ins Homeoffice zu verlegen und stellte sich am ersten Tag die Frage: „Was kann ich tun, um mir, der Agentur und anderen zu helfen?“  Schon am ersten Tag wird die Idee des Homestage-Festivals geboren. Nach einem kurzen Gegencheck mit den potentiellen PartnerInnen, begann sie sofort mit der Umsetzung. „Die ersten beiden Wochen des Lockdown waren superproduktiv, von Stillstand oder Grübeln war keine Rede“, sagt Lisa.  Markus erlebte den Corona-Ausbruch auf der Rückreise von Italienaufenthalts im Zug Richtung Mailand und kam mit „dystopischen Eindrücken“ nach Wien zurück und dort ging es dann Schlag auf Schlag. Sein Arbeitsplatz, das Belvedere in Wien wurde geschlossen und in der ersten Krisensitzung fragten sich die AbteilungsleiterInnen: Wie gehen wir damit um, dass die Besucherinnen nicht zu uns ins Haus kommen können? Markus sagte sofort zu, das Belvedere in Form von Online-Führungen zu den BesucherInnen zu bringen und meint rückblickend: „Das war für mich als Kunstvermittler eine einzigartige Chance. Ich bin immer dafür, ins kalte Wasser zu springen. Man geht im Normalfall nicht unter! Wir haben ja alle schwimmen gelernt.“

„Was hat sich in der Organisation verändert?“

Lisa: „Wir sind in der Agentur zu zweit und arbeiten prinzipiell eng zusammen. Seit dem Lockdown teilen wir uns die Projekte aber auf und wenden unsere unterschiedliche Herangehensweisen an. Daraus ergibt sich neben der Arbeitsteilung auch ein Möglichkeitsraum, in dem wir individuell Neues ausprobieren können. Die räumliche Trennung bewirkt neue Arbeitsstrukturen. Mein Tagesablauf ist jetzt regelmäßiger, ich stehe früher auf und ich koche täglich zu Mittag. Man könnte sagen, nicht mehr der Arbeitsrhythmus mit Termindruck und Anforderungen von außen kontrolliert den Tag, sondern der Tagesrhythmus kontrolliert den Arbeitsablauf.“

Markus: „Für eine große und bedeutende Bundeseinrichtung ist das prozesshafte Arbeiten neu. Vor Corona hätten wir nicht innerhalb eines Tages den Beschluss für Live-Führungen gefasst. Da hätte es Konzepte, Besprechungen und Zeitpläne gegeben. Derzeit lernen wir im Tun und wir werden mit jeder Live-Führung souveräner. Ich persönlich durfte Verantwortung und Entscheidungen übernehmen, wie zum Beispiel, welche Kunstwerke wir zeigen. MitarbeiterInnen aus allen Abteilungen geben uns positive Feedback auf die Führungen und fühlen sich ebenso wie die BesucherInnen durch dieses Angebot noch mehr dem Haus verbunden.“

„Was wird vom Projekt nach Corona bestehen bleiben?“

Markus: „Es bestätigt sich die hohe Relevanz unserer Social Media Aktivitäten im Hinblick auf das Vermitteln und Verstärken positiver Emotionen und qualitätvoller Kommunikation. Ich kann mir vorstellen, dass das Bewusstsein dafür ab jetzt in allen Abteilungen noch stärker vorhanden sein wird. Und ich wünsche mir, dass wir den Mut des Ausprobierens und die Schnelligkeit der Umsetzung beibehalten werden.“

Lisa: „Vielleicht wird das Homestage-Festival in Zukunft ein Festival im realen Raum! Ich würde gerne die Erfahrung in der Organisation und Konzeption weiter nutzen und das Crowdfunding noch stärker im Kulturbereich verankern. Ich glaube, dass die Verbindung zwischen der digitalen und der analogen Welt dann in Form von Streaming selbstverständlich zu einen Festival gehören wird .“

Am 22. April findet der Online-Infoabend „Dein Weg zum Kulturjob: das Basiszertifikat Kulturmanagement“ statt.
Von 16.00-17.30 Uhr stellen wir das Basiszertifikat Kulturmanagement vor und werden mit Lisa Reimitz-Wachberger und Markus Hübl Gespräche führen.

Die Teilnahme ist kostenlos, bitte melden Sie sich hier an, der Link zur Online-Veranstaltung wird Ihnen dann nächste Woche zugeschickt.

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