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Kategorie: Lernen von den Jüngsten! Kinder- & Jugendmuseen als Inspiration für eine zeitgemäße Museumspraxis

Lernen von den Jüngsten! Kinder- & Jugendmuseen als Inspiration für eine zeitgemäße Museumspraxis

Ein Beitrag von Andrea Zsutty

Das Jahr 2019 ist ein freudiges für das Institut für Kulturkonzepte: 25 Jahre werden gefeiert! Dass der Lehrgang Kulturvermittlung bereits seit 12 Jahren als zentrales Aus- und Weiterbildungsangebot am Institut verankert ist, sehe ich als große Bestätigung und motiviert mich, mit unseren Themen und Methoden weiterhin zukunftsweisend zu arbeiten.

Ein weiteres, wichtiges Jubiläum wird heuer begangen: Vor 120 Jahren wurde das weltweit erste Kindermuseum, das Brooklyn Children’s Museum, in New York eröffnet. Dies möchte ich zum Anlass nehmen, einen Blick darauf zu werfen, was zeitgemäße Museums- und Vermittlungspraxis aus den Erfahrungen der Kinder- und Jugendmuseen lernen kann.

Pssst! Codes und Rituale

Ich möchte ein Erlebnis schildern, das verdeutlicht, in welchem Handlungsraum wir uns als KulturnutzerInnen oft befinden. Ein klassisches Konzert in einem traditionellen Musiksaal, vorwiegend interessiertes Publikum, das mit dem Werk vertraut ist – soweit ein bekanntes Setting. Im Saal befindet sich ein Kind, das zu klatschen beginnt, nachdem die MusikerInnen den ersten Satz beendet hatten. Sofort wird mit einem „Pssst“ die Beifallshandlung unterbunden. Die als allgemein bekannt vorausgesetzte Vereinbarung über einen bestimmten Verhaltenskodex ist dem Kind weder geläufig, noch ist ihm bewusst, dass dieser überhaupt existiert. Diese Szene ist in ähnlicher Weise ebenso denkbar in Museumsräumen, Theaterhäusern oder Literaturstätten mit AkteuerInnen jeden Alters.

Und genau an diesem Punkt kann ein Gestaltungsprozess einsetzen, wenn wir darüber nachdenken, wie wir unsere Kulturinstitutionen zu attraktiven und sozialen Orten für Menschen aller Altersstufen und aller sozialen und kulturellen Schichten machen. Welche Codes brauchen wir überhaupt? Was, wenn tradierte Verhaltensweisen verändert oder verworfen werden? Droht dann wirklich der Untergang unseres kulturellen Erbes? Oder eröffnet sich dadurch eine Chance auf eine Neuverhandlung, mit dem Ziel eine tragfähige Beziehungsebene zwischen Institution und Publikum herzustellen? Kinder- und Jugendmuseen zeigen schon lange, wie Niederschwelligkeit auf hohem Niveau praktiziert werden kann. Lernen wir von diesen Museen, wo „richtig“ und „falsch“, in Hinblick auf die Rezeptionsmöglichkeiten, keine zwingenden Kategorien sind. Lernen wir von diesen Museen, wo Teilhabe, eigenes Erfahren und Erleben Grundvoraussetzungen in der Konzeption darstellen. Lernen wir von Museen für Kinder und Jugendliche und versuchen wir, das Transferpotential, das in ihnen liegt, für alle Kulturinstitutionen zu nutzen.

Kunstvermittlung
Foto: Institut für Jugendliteratur

Vorbildwirkung Kinder- und Jugendmuseen

Entscheidende Diskussionen werden im Kulturbereich darüber geführt, wie sich Diversität, Interkulturalität, Teilhabe und Inklusion in der Kommunikation mit den Menschen und in der Programmgestaltung von Kulturinstitutionen abbilden können. Kinder- und Jugendmuseen, wie das ZOOM Kindermuseum in Wien, stellen mit ihren Expertisen hierfür fruchtbare Lehr- und Lernfelder dar, denn Kinder und Jugendliche stehen gesellschaftlich genau inmitten dieser Kreuzungspunkte. Das Bedürfnis nach individuellem Erleben und Erfahren ist aber nicht nur ein Merkmal junger BesucherInnen. In Zeiten, wo Individualismus als wichtiger Wert angesehen wird und der Begriff der Selbstverwirklichung immer umfassender verstanden wird, wollen Menschen direkte Erfahrungen machen. Das eigene Erleben rückt vermehrt ins Zentrum des Interesses. Der Begriff „Infotainment“ erscheint dabei oftmals als Schlüssel, um Zugänge zu scheinbar schwierigen Inhalten zu erhalten. Grundlegendes Element einer jeden zeitgemäßen und reflektierten Museums- und Vermittlungsarbeit ist stets die Auseinandersetzung mit Modellen des lebenslangen Lernens. Dies geschieht im Sinne von Erfahrungen machen, Neugierde wecken und erhalten und die eigene Motivation stärken, um sich selbständig mit (neuen) Inhalten zu beschäftigen. Unterhaltung und Information verbinden sich dabei ganz selbstverständlich zu einer natürlichen Einheit.

Nahezu jede Kulturinstitution in Österreich verfügt mittlerweile über spezielle Programme für Kinder und Jugendliche. Nicht nur, um das viel zitierte und hoffnungsvoll aufgeladene „Publikum von morgen“ an sich zu binden, sondern vermehrt auch mit der Erkenntnis gepaart, dass Kinder und Jugendliche bereits das Publikum von heute sind – über die auch weitere, erwachsene Publikumsgruppen erreicht werden können. Wesentliche Unterschiede bestehen allerdings zwischen Kulturinstitutionen, die in erster Linie als Institutionen für Erwachsene konzipiert wurden und sich nachträglich durch gezielte Angebote an Kinder und Jugendliche wenden, und jenen Einrichtungen, die von Beginn an auf Kinder und Jugendliche als zentrales Publikum ausgerichtet sind. Während die einen oft noch am Aufbrechen alter, tradierter Strukturen arbeiten, zeigen die anderen bereits Möglichkeiten und Wege auf, wie eine zeitgemäße Aufbereitung von Inhalten aussehen kann. Aktive, selbständige und eigeninitiativ handelnde NutzerInnen von Kultureinrichtungen brauchen direkte Kommunikationsangebote und ernst gemeinte Einladungen zur Teilhabe. Deutungshoheit und Hierarchien müssen seitens der Institutionen abgegeben und abgebaut werden. Wenn dies als verbindliche Basis für ein wertschätzendes und fruchtbares Miteinander angesehen wird, erreichen wir die Menschen, die wir zu unseren Angeboten einladen wollen. Wird diese Basis jedoch nicht geschaffen, verlieren die Kulturinstitutionen den Kontakt zu den BesucherInnen von heute und werden das Publikum von morgen erst gar nicht erreichen.

Lernen wir daher von den Errungenschaften, die im Bereich der Kinder- und Jugendmuseen* bereits erzielt wurden und entwickeln wir daraus Visionen für neue Wege der Beteiligung von möglichst vielen Menschen an Kunst und Kultur.

*Kindermuseen weltweit: Association of Children’s Museum, Vereinigung europäischer Kindermuseen

Andrea Zsutty Kulturvermittlung Instiut für Kulturkonzepte
Andrea Zsutty

Andrea Zsutty ist Kunsthistorikerin und widmet sich seit 1996 der Kunstvermittlung. Im Bank Austria Kunstforum leitet sie die Abteilung für Kunstvermittlung, im Institut für Kulturkonzepte ist sie Lehrgangsleiterin für Kulturvermittlung, wo sie auch seit vielen Jahren unterrichtet. Als selbständige Kunst- und Kulturvermittlerin war sie in verschiedenen Ausstellungshäusern und Museen tätig, wie dem Palais Harrach, der Generali Foundation, dem Kunsthaus Köflach sowie dem KUNSTHAUSSUDHAUS Villach. Außerdem ist sie Redakteurin für diverse ORF TV-Formate.

Die nächsten Seminare mit Andrea Zsutty sind Grundlagen der Kulturvermittlung (1.-2. März 2019) und Vermittlungsprojekte (5.-6. April 2019). Melden Sie sich bei Interesse rasch an – die TeilnehmerInnen-Anzahl ist begrenzt!

Kindermuseen Andrea Zsutty 25 Jahre Kulturkonzepte
Foto © Ouriel Morgensztern | Belvedere
Kategorie: Hört, hört… – Eine wesentliche Erkenntnis aus 2018 von Karin Wolf

Hört, hört… – Eine wesentliche Erkenntnis aus 2018 von Karin Wolf

Ein Beitrag von Karin Wolf

Ein Jahr lang waren mein Team und ich wieder damit beschäftigt, Information weiterzugeben und Wissen zu vermitteln. Wir sind sozusagen „immer auf Sendung“ und präsentieren und diskutieren persönlich bei unseren zahlreichen Veranstaltungen aktuelle Themen des Kulturmanagements.
Dabei ist mir heuer besonders aufgefallen, welchen positiven Effekt das konzentrierte und aufmerksame Zuhören hat.

Als frischgebackenes Mitglied einer Wohngruppe im Sonnwendviertel lernte ich soziokratische Methoden kennen, die gut ins Kulturmanagement passen. Mein Favorit ist die Meinungsrunde: eine Gruppe kommt zu einer Entscheidung, indem sich reihum jede Person zur gestellten Frage äußert. Wenn eine Person spricht, schweigen alle anderen und hören zu. Sie unterbrechen nicht und ergreifen erst das Wort, wenn sie selbst an der Reihe sind. So vermeidet man, dass zwei sich ins Thema verbeißen und niemand anderer mehr zu Wort kommt.

Sich gegenseitig Zeit zum Ausreden zu geben, empfinde ich mittlerweile schon als Luxus. Im hektischen Alltag geht es oft darum, sich besonders kurz, knapp und präzise zu fassen und eher die eigenen Punkte durchzubringen, als sich auf die Gedankenwelt des Gegenübers einzulassen. Bei meinen Kommunikations-Seminaren werde ich im nächsten Jahr auf jeden Fall einen Fokus auf das aktive Zuhören und alles, was dazu gehört, legen.

Und was kommt 2019 noch? 25 Jahre Kulturkonzepte! Wir lassen von uns hören.

Was war Ihr wichtigstes Learning in diesem Jahr? Ich freue mich über Ihren Kommentar!

Kulturmanagement Forum 2018
Foto: Itta Francesca

Karin Wolf ist Gründerin und Direktorin des Instituts für Kulturkonzepte. In ihrer Blogreihe verrät sie uns praktische Tipps rund um den Arbeitsalltag von KulturmanagerInnen. Melden Sie sich für den Kulturkonzepte-Newsletter an. Darin teilt Karin Wolf 4x im Jahr ihre Gedanken zum aktuellen Diskurs und zum Thema „Kulturmanagement mit Haltung“. Hier geht’s zur Newsletter-Anmeldung. 

zuhören
Foto: Mohammad Metri | Unsplash
Kategorie: Kulturfairmitteln – Round Table Personalentwicklung #4 2018

Kulturfairmitteln – Round Table Personalentwicklung #4 2018

Ein Beitrag von Ulli Koch

KulturvermittlerInnen sind eine tragende Säule für Kulturbetriebe. Doch ihr Standing innerhalb eines Hauses ist nicht immer gesichert. Zu oft werden sie nicht oder nicht ausreichend von den jeweiligen Institutionen angestellt. Zu oft können sie nicht oder nur schwer eine Lebensplanung vornehmen, die über ein Kalenderjahr hinausgeht. Zu oft leben sie in prekären Verhältnissen, dessen finanzielle Unsicherheit sich auch auf die Gesundheit niederschlägt. Doch es geht auch anders, gesicherte Anstellungen sind möglich und tragen zudem zur Qualitätssteigerung in den Kulturbetrieben bei. Warum das so ist und welche Benefits der Kulturbetrieb von Anstellungen hat, legt Wencke Maderbacher im November beim Round Table Personalentwicklung des Instituts für Kulturkonzepte dar. Dieses Mal fand der Round Table unter der netten Gastfreundschaft von KulturKontakt Austria in dessen Räumlichkeiten in der Universitätsstraße statt und erfreute sich über 20 TeilnehmerInnen aus den unterschiedlichsten Kulturorganisationen, die angeregt über das Thema diskutierten.

Der Grundstein für Wencke Maderbachers Engagement für die Anstellung von KulturvermittlerInnen hat der Lehrgang Kulturmanagement am Institut für Kulturkonzepte gelegt. Damals noch im Technischen Museum Wien in der Kulturvermittlung tätig, hat sie sich dafür eingesetzt, dass die KulturvermittlerInnen angestellt werden, und hat somit einen Change-Prozess in Gang gesetzt. Niedergeschrieben findet sich dieser in ihrem Praxishandbuch „Kulturfairmitteln – Praxishandbuch Anstellung eines Kulturvermittlungs-Teams“, das 2015 vom Technischen Museum Wien publiziert wurde.

Round Table Personalentwicklung Kulturfairmitteln
Foto: Itta Francesca

Ausgangslage und falsche Annahmen

Um sich empirisch an das Thema Anstellung für KulturvermittlerInnen auseinanderzusetzen, hat Wencke Maderbacher, inzwischen auch bei ICOM CECA tätig, einem internationalen Netzwerk für Kulturvermittlung, eine österreichweite Umfrage unter Museen durchgeführt. Während in den Museen an sich 83 % aller MitarbeiterInnen eine feste Anstellung haben, sind es in den Kulturvermittlungs-Teams nur mehr 50 %. Argumentiert wird dies mit der schwankenden Buchungslage, die ein Planen unmöglich machen würde, schließlich bieten viele Museen als Serviceangebot, dass gebuchte Termine noch am selben Tag storniert oder überhaupt erst am Tag selbst gebucht werden können.

Ein weiterer Grund dafür ist die Annahme, dass Kulturvermittlung überwiegend von Studierenden und KünstlerInnen durchgeführt werden würde, die sich nicht fest an ein Haus binden möchten und gerade die freie Zeiteinteilung so schätzen würden. Fakt jedoch ist, dass 85 % aller KulturvermittlerInnen, die in den befragten Häusern tätig sind, Frauen mit einem akademischen Hochschulabschluss sind.

Sowohl für die Kulturbetriebe, als auch für die KulturvermittlerInnen hat diese Ausgangslage negative Konsequenzen: Fakt ist, dass instabile Arbeitsbedingungen zu Stress führen und die psychische wie physische Gesundheit verschlechtern. Getoppt wird dies durch eine immense Verschlechterung der Sozialversicherungslage, inklusive Einbußen bei der späteren Pension. Fakt ist zudem, dass Kulturbetriebe mit einer größeren Fluktuation rechnen müssen, wodurch wertvolles Wissen verloren geht und langfristige Planungen verhindert.

Round Table Personalentwicklung Kulturfairmitteln
Foto: Itta Francesca

Es geht auch anders

Wie Wencke Maderbacher eindrücklich nahelegt, sorgt eine fixe Anstellung des Kulturvermittlungs-Teams auf beiden Seiten zu einer Win-Win-Situation. Betrachten wir zunächst den Kulturbetrieb, so zeigt sich eine deutliche Erhöhung des Qualitätsstandards. MitarbeiterInnen, die eine fixe Anstellung haben, bringen ihr Wissen, ihre Kompetenzen und Ressourcen in den Kulturbetrieb ein. Noch mehr als zuvor werden sie zu einem Aushängeschild des Kulturbetriebs, die im direkten Publikumskontakt die Ansprüche und Haltungen des Museums nach außen tragen. Dazu trägt auch so etwas Simples wie eine personalisierte Mailadresse bei, die auch nach außen zeigt, dass es sich um ein Team handelt, das gemeinsam und möglichst gleichwertig für die Geschicke des Hauses verantwortlich ist.

Diese Vorteile wirken direkt auf die KulturvermittlerInnen ein, deren fester Arbeitsplatz ihnen ermöglicht, Vor- und Nachbereitungszeit im Haus selbst durchzuführen. Für Projekte, die im Haus umgesetzt werden, können fixe Teams zusammengestellt werden, die mit ihrem ExpertInnenwissen, das sie sich während der Projektvorlaufzeit erarbeiten, wesentlich zur Qualitätssicherung beitragen.

Round Table Personalentwicklung Kulturfairmitteln
Foto: Itta Francesca

Planung als wichtigster Schritt

Der für beide Seiten wohl größte Benefit ist die Planungssicherheit – auf individueller Ebene der KulturvermittlerInnen und auf Seiten des Kulturbetriebes. Dieser kann die bestehenden Angebote einer Evaluierung unterziehen und gemeinsam im Team neue oder adaptierte Angebote erschaffen. Er kann sich auch von bestehenden Angeboten trennen, wenn die Evaluierung im Team eine schlechte Buchungslage oder eine notwendige inhaltliche Veränderung ergibt.

Geplant werden muss zudem die Weiterentwicklung des Teams. Das bedeutet zum einen Teambuildingmaßnahmen durchzuführen, auch um gemeinsame Qualitätsstandards zu definieren, die vom Team getragen werden. Zum anderen muss der Kulturbetrieb definieren, welche Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten den einzelnen KulturvermittlerInnen angeboten werden kann, um sich beispielsweise in ein Themenspektrum zu vertiefen oder auch bei der kuratorischen Entwicklung eines Projekts beteiligt zu sein.

Was bei der Planung nicht vergessen werden darf, sind die notwendigen physischen Arbeitsplätze und notwendige Infrastruktur für die Teams. Wie, so eine Frage, die in der Diskussion gestellt wurde, kann ich Platz für MitarbeiterInnen schaffen, wenn ich nur ein begrenztes Raumkontingent zur Verfügung habe? Eine Möglichkeit dafür ist Desk-Sharing, bei der beispielweise zwei Teilzeitkräfte sich einen Schreibtisch teilen. Auch Home-Office Angebote, flexible Lösungen mit Laptops und kreative Nachdenkprozesse im Team können Antworten auf diese Frage sein.

Round Table Personalentwicklung Kulturfairmitteln
Foto: Itta Francesca

Anstellung ohne Budget?

Ein weiteres Argument, warum Kulturvermittlungs-Teams selten anstellt werden, begründet sich auf der finanziellen Lage von Kulturbetrieben, die schon länger und weiterhin zunehmend einer budgetären Not entgegenblicken. Daher ist es wichtig, dass das Projekt „Anstellung“ von der Geschäftsleitung aktiv mitgetragen wird. Zunächst kann dieses Projekt rein rechnerisch ein Minusgeschäft bedeuten, das auch gegenüber der Kulturpolitik und Öffentlichkeit argumentiert werden muss. Mit den Jahren – grob geschätzt innerhalb von fünf Jahren, wie das Beispiel Technisches Museum zeigt – rentiert sich dieses Projekt und der Verlust wandelt sich zu einem Gewinn.

An diese Budgetfrage anknüpfend, wird von den anwesenden DiskutantInnen des Round Tables eingeworfen, dass dies nur große Kulturbetriebe leisten können, während kleinere Vereine und Initiativen aufgrund ihrer noch prekäreren Lage eine Anstellung nicht einfach so vornehmen können. Dass es aber auch hier anders gehen kann, zeigt das in der Runde vorgestellte Beispiel von Theater Sommer Klagenfurt. Hier werden von Seiten der Geschäftsführung Sponsoringverträge mit Firmen abgeschlossen, die alleinig zur Deckung der Personalnebenkosten genutzt werden.

Round Table Personalentwicklung Kulturfairmitteln
Foto: Itta Francesca

Anstellung als Haltung

„Ein Unternehmen macht ein Statement, wenn es Anstellungen als wichtig erachtet“, wird von einer Person in die Diskussion eingeworfen und thematisiert damit, dass es sich beim Thema Anstellung auch um eine Haltungsfrage handelt. Anstellung bedeutet den MitarbeiterInnen eine größere Wertschätzung entgehen zu bringen, ihnen Verantwortungen zu erteilen und Arbeit fair zu honorieren. Es ist ein Change-Prozess innerhalb des Kulturbetriebes, der nur gelingen kann, wenn er gemeinsam von allen Beteiligten getragen wird.

 

Hier erfahren Sie, was das Institut für Kulturkonzepte noch zu Personalentwicklung anbietet – im Programm Der neue Kulturbetrieb.

Round Table Personalentwicklung Kulturfairmitteln
Foto: Itta Francesca
Kategorie: Wollen, dürfen, sich trauen und gelassen werden – Absolventin Judith Steiner

Wollen, dürfen, sich trauen und gelassen werden – Absolventin Judith Steiner

Mehrmals im Jahr stellen wir hier auf unserem Blog Erfolgsgeschichten von AbsolventInnen unserer Lehrgänge vor. Dabei erzählen sie von ihrem individuellen Weg in den Kulturbereich und wichtigen Stationen dorthin. Im aktuellen Beitrag erzählt Judith Steiner (u.a. Klangspuren Schwaz), Absolventin des Lehrgangs Kulturmanagement, wie sie zu ihren vielfältigen Jobs gekommen ist und spricht gleichzeitig Tipps für angehende KulturmanagerInnen aus.

Ein Beitrag von Judith Steiner

Ich freue mich sehr, einen Beitrag für den Kulturmanagement-Blog der Kulturkonzepte zu schreiben. Schließlich konnte ich am Institut wertvolle Erfahrungen für meine Arbeit sammeln und bin vor allem mit vielen tollen Menschen in Kontakt gekommen. Auch habe ich einen Überblick bekommen, was Kulturarbeit bedeutet. Unter Kunst- und Kulturvermittlung beispielsweise konnte ich mir vor dem Lehrgang nicht wirklich viel vorstellen. Dies sind vorab mitunter die wichtigsten Aspekte, weshalb ich die Ausbildung wieder machen würde.

Foto: © Theresa Pewal Photographie

Mein Name ist Judith Steiner, ich bin 29 Jahre alt, stamme aus Innsbruck und lebe seit vier Jahren in Wien. Nach meinem Architekturstudium in Innsbruck sah ich mich aufgrund der dort nicht vorhandenen Ausbildungssituation im Bereich Kulturmanagement gezwungen, die Stadt zu verlassen. Auch hatte der chorus sine nomine dazu beigetragen, dass mir diese Entscheidung nicht allzu schwergefallen ist. Ein weiterer Grund war auch, dass ich die Aufnahmeprüfung an der Universität für Angewandte Kunst/Abteilung Industrial Design bestanden hatte und mich entschied, noch ein Diplomstudium in einem künstlerischen Fach zu beginnen.

Parallel zu meinem Architektur-Studium konnte ich in den Sommermonaten bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik bereits erste Arbeitserfahrungen im Kulturbereich sammeln. Diese insgesamt fünf Festival-Saisonen haben mich geprägt und ich war danach bereit, größeres zu wagen. Mitarbeit vor allem im Künstlerischen Betriebsbüro der Salzburger Festspiele, beim Lucerne Festival, bei der Company of Music und zuletzt bei den Klangspuren Schwaz haben mich immer wieder in meiner Entscheidung, im Kulturbetrieb zu arbeiten, bestärkt.

Derzeit bin ich in der Endphase meines Design-Studiums, arbeite im Marketing & Verkauf der Jeunesse und als Produktionsleiterin beim Festival Wellenklaenge. Ab 2019 werde ich wieder in der Produktion der Klangspuren Schwaz tätig sein.

„Man tut, was man muss oder kann oder nicht lassen kann … und manchmal auch, was man will, weil man das darf, wenn man sich traut … – und wenn man gelassen wird.“ © Ulrich Wiegand-Laster (*1960), Künstler und Kulturmanager

Das schätze ich sehr an meinen KollegInnen, das “gelassen werden” und die Chance zu bekommen, eigene Fähigkeiten und Interessen in den Berufsalltag einfließen lassen zu können.

Wenn mich Leute fragen, wie ich zu meinen Jobs gekommen bin, antworte ich eigentlich immer dasselbe: Ich habe mich für eine Institution interessiert, habe mich beworben und habe fast immer eine positive Rückmeldung bekommen. Folgende Gründe sehe ich für mein “Glück”: Ich war immer früh dran (meine Mutter hat mir schon als Jugendliche geraten: “Wenn du einen guten Sommerjob finden willst, musst du dich bis spätestens vor den Weihnachtsfeiertagen bewerben”). Meiner Erfahrung nach bewähren sich Initiativ-Bewerbungen und werden von potentiellen ArbeitgeberInnen sehr geschätzt.

An meinem Beruf mag ich besonders die Teamarbeit, aber auch das Selbständig-Sein. Ich habe Freude daran, an unterschiedlichen Themenbereichen parallel zu arbeiten.

Wenn ich auf das kommende Jahr 2019 blicke, freue ich mich besonders auf meine Arbeit bei den Welleklaengen in Lunz am See. Dieses Festival möchte ich allen wärmstens ans Herz legen:

www.wellenklaenge.at

Theresa Pewal, wellenklaenge
wellenklaenge, 28.07.2018
Abschlusskonzert
Herbert Pixner Projekt (IT & AT)
Foto: Theresa Pewal

Zu meinen Aus- und Weiterbildungen zählen ein Bachelorstudium an der Technischen Universität Innsbruck, aktuell das Diplomstudium in Industrial Design an der Universität für Angewandte Kunst Wien, der Lehrgang für Kulturmanagement am Institut für Kulturkonzepte, Seminare am ikm – Institut für Kulturmanagement an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien und Seminare & Workshops bei Weis raum bzw. dem Designforum Wien.

Im Rahmen meiner Abschlussarbeit habe ich ein Marketingkonzept für das Vokalensemble Company of Music entwickelt. Teile daraus konnte ich verwirklichen. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dieses Thema gefunden und es vor allem schon vor Beginn des Lehrgangs ausgewählt zu haben. So konnte ich bereits während der Seminare das Erlernte in die Praxis umsetzen.

Meine Tipps für angehende KulturmanagerInnen: Kommt mit Leuten unterschiedlicher Kunstformen in Kontakt und erzählt von eurer Arbeit! Seid neugierig, was um euch herum passiert. Schaut, was im Ausland passiert – arbeitet auch mal eine Saison dort und bringt neue Ideen ins Land!

Auch ich habe noch lange nicht alles gesehen was mich interessiert, und führe eine Liste an Festivals, Firmen & Institutionen, bei welchen ich noch einmal arbeiten möchte – im In- und im Ausland. Der Gedanke daran, noch viel zu erleben und mitgestalten zu können macht mich glücklich.

Hier geht’s zu weiteren AbsolventInnen-Porträts

Absolventin Judith Steiner
Foto: © Theresa Pewal Photographie
Absolventin Judith Steiner
Foto: © Theresa Pewal Photographie
Kategorie: 30.1.19 „Da will ich hin!“ – Infoabend zu den Lehrgängen Kulturmanagement & Kulturvermittlung

30.1.19 „Da will ich hin!“ – Infoabend zu den Lehrgängen Kulturmanagement & Kulturvermittlung

„Da will ich hin!“ – Meine Karriere im Kulturbereich

30. Jänner 2019, 16.00-17.30 Uhr: Der nächste Infoabend zu den Lehrgängen Kulturmanagement und Kulturvermittlung

KulturmanagerInnen sorgen in den unterschiedlichsten Kulturbetrieben für reibungslose Abläufe in der Organisation. Sie sind Kommunikationstalente und verfügen über ein breit gefächertes Praxiswissen zu den Kernthemen Teamführung, Finanzierung, Marketing und PR.

Die Aufgaben von Kunst- und KulturvermittlerInnen sind vielschichtig und konzentrieren sich zu einem überwiegenden Teil auf die Publikums- und Kommunikationsarbeit. Kunst- und KulturvermittlerInnen entwickeln und koordinieren Programme und eigene Vermittlungsformate für unterschiedliche Zielgruppen und führen diese auch durch.

Infoabend zu den Lehrgängen Kulturmanagement und Kulturvermittlung

In welches dieser Arbeitsfelder zieht es Sie?

Die beiden Lehrgänge Kulturmanagement und Kulturvermittlung die das Institut für Kulturkonzepte seit vielen Jahren erfolgreich anbietet, ebnen Ihnen den Weg zu Ihrer Karriere im Kulturbetrieb. In dem praxisnahen Ausbildungsprogramm können Sie Ihre Schwerpunkte selbst setzen und sich die Zeit flexibel einteilen. Sie wählen die Seminare nach Ihrem bisherigen Wissen aus und können sich in den Bereichen Planung & Organisation, Finanzierung, PR & Marketing und Personal Skills vertiefen.

Der Einstieg in beide Lehrgänge ist jederzeit möglich!

Am 30. Jänner lernen Sie die Lehrgansleiterin für Kulturmanagement, Susanne Kappeler-Niederwieser, und das Kulturkonzepte-Team persönlich kennen und wir beantworten Ihre Fragen rund um die Bewerbung und den Ablauf der Lehrgänge.

Der Eintritt zum Infoabend ist kostenlos!

Melden Sie sich gleich hier über Eventbrite an und sichern Sie sich Ihren Platz – denn die TeilnehmerInnen-Anzahl ist begrenzt.

Wir freuen uns, Sie kennenzulernen und Sie persönlich zu beraten.

Ihr Kulturkonzepte-Team

 

Infoabend Kulturkonzepte
Foto: Brooke Cagle | Unsplash
Kategorie: Die eigene Leidenschaft vermitteln – Absolvent Daniel Skina

Die eigene Leidenschaft vermitteln – Absolvent Daniel Skina

Regelmäßig stellen wir auf unserem Blog Erfolgsgeschichten von AbsolventInnen unserer Lehrgänge vor. Dabei erzählen sie von ihrem individuellen Weg in den Kulturbereich und wichtigen Stationen dorthin. Diesmal schildert Daniel Skina (Österreichische Nationalbibliothek), Absolvent des Lehrgangs Kulturvermittlung, was ihn in seiner Karrierelaufbahn angetrieben hat.

Ein Beitrag von Daniel Skina

Meine Jugend würde ich so beschreiben: Die Pubertät hat ordentlich zugeschlagen – schlecht in der Schule, wenig ambitioniert und dauernd grantig. Das Erwachsenwerden war ein wichtiger Schritt der mit einem einjährigen Auslandsaufenthalt in Paris begann. In Paris habe ich mich um 4 Kinder gekümmert. Au-Pair Junge nennt sich dieser Job. Es war eine günstige Variante sich einen längeren Aufenthalt im Ausland zu ermöglichen. Die Schule hatte ich davor abgebrochen, also war klar, ich müsste wieder nach Österreich zurück um zumindest die Matura nachzuholen, was ich auch tat.

Parallel absolvierte ich eine Lehre zum Buchhändler. Zwei Jahre später hatte ich die Matura und meinen Lehrabschluss in der Tasche. Es folgte das Studium der Kunstgeschichte. Erstens, weil ich mich für das Fach interessierte und zweitens, weil ich es schick fand. Im Buchhandel habe ich während des Studiums weiter gearbeitet. Warum? Weil sich die Stromrechnung nicht von selbst bezahlt und der Kühlschrank nicht von alleine füllt. Während des Studiums und neben dem Beruf habe ich immer versucht auch in anderen Bereichen des Kulturbetriebes mitzuarbeiten oder besser gesagt, ehrenamtlich zu engagieren. Dieser Ehrgeiz Neues zu entdecken, führte mich in kleine Theaterhäuser, einen Verlag sowie in das Tanzquartier Wien. Freizeit hatte ich in diesen Jahren zwar keine, aber da ich ja die Pubertät verschlafen hatte, dachte ich mir, ich muss jetzt umso wacher sein.

Österreichische Nationalbibliothek
Foto: Austriaca-Lesesaal, Heldenplatz, Neue Burg, 1010 Wien © Österreichische Nationalbibliothek

Nach Abschluss des Studiums suchte ich nach neuen Herausforderungen. Ich konnte bereits einige Jahre an Berufserfahrung sowie ein wenig Praxis in der Personalführung vorweisen.  Beides, kombiniert mit meinem Know-how rund um das Medium Buch, ebnete mir den Weg in die Österreichische Nationalbibliothek. Seit knapp fünf Jahren arbeite ich nun in einer der größten Kulturinstitutionen des Landes als Teamleiter Front-Office und Magazine in der Abteilung Benützung und Information. Was das ist? Ich bin verantwortlich für das LeserInnenservice in der Bibliothek am Heldenplatz sowie für die Logistik im Bücherspeicher, der sich unter dem Burggarten befindet und knapp 4 Millionen Bücher beherbergt.

Mein Aufgabengebiet hat sich in den letzten Jahren sukzessive erweitert. Um dem gerecht zu werden, studierte ich in den letzten zwei Jahren berufsbegleitend das postgraduale Masterstudium Kulturmanagement an der Universität für Musik und darstellende Kunst. Da das Curriculum zum damaligen Zeitpunkt das Themenfeld der Kulturvermittlung nicht abdeckte, entschied ich mich dazu, zusätzlich den Lehrgang Kulturvermittlung am Institut für Kulturkonzepte zu absolvieren.

Österreichische Nationalbibliothek
Foto: © Stephan Polzer Photography

Zu einer meiner Tätigkeiten, die ich ganz besonders mag, gehört die Vermittlung der Bibliothek sowie der wechselnden Ausstellungen, die im barocken Prunksaal präsentiert werden. Mir war wichtig meine Vermittlungsarbeit zu professionalisieren. Die Inhalte, die mir am Institut für Kulturkonzepte näher gebracht wurden,  gaben mir das Rüstzeug, Formate neu zu konzipieren und Wege zu finden, meine eigene Leidenschaft zur Österreichischen Nationalbibliothek unterschiedlichsten Menschen zu vermitteln. Auch und besonders jenen, die mitten in der Pubertät stecken.

Die Österreichische Nationalbibliothek feiert 2018 ihr 650-jähriges Jubiläum. Besucht die Jubiläumsausstellung „Schatzkammer des Wissens“ im Prunksaal noch bis 13. Jänner 2019.

Daniel Skina
Foto: © Daniel Skina

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