Welcher Studiengang passt zu mir? Eine Orientierungshilfe für EinsteigerInnen
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Foto: Heidi Sanstrom | unsplash
Kategorie: Allgemein Welcher Studiengang passt zu mir? Eine Orientierungshilfe für EinsteigerInnen 11.02.2019

Ein Beitrag von Karin Wolf in Kooperation mit Kultur Management Network

Die Anzahl der Kulturmanagement-Studiengänge hat in den letzten Jahren international erheblich zugenommen. Kultur Management Network listet inzwischen über 200 mit verschiedensten Abschluss- und Spezialisierungsmöglichkeiten. Wie können sich Studieninteressierte in dieser Fülle orientieren? Karin Wolf, Gründerin und Direktorin des Instituts für Kulturkonzepte, gibt Tipps zur Entscheidungsfindung.

In Hülle und Fülle

Der Kultursektor bietet eine Vielzahl von Beschäftigungsmöglichkeiten. Wenn Sie sich für einen Job und inhaltlich dazu passenden Studiengang in diesem Bereich interessieren, sollten Sie sich intensiv mit der Frage beschäftigen, wo Ihre Interessen und Fähigkeiten liegen. Manchen Menschen fällt das leicht, denn sie wissen genau, was sie wollen. Andere (wahrscheinlich die Mehrzahl) stehen eher vor dem Problem, dass sie an vielem interessiert sind und nicht wissen, welchen Weg sie einschlagen sollen. Fragen Sie sich in dieser Phase, warum Sie in den Kultursektor möchten. Welche Erwartungen knüpfen Sie an eine Karriere im Kulturmanagement?

Also zuerst die Selbstbefragung und dann die Überprüfung der Realität: Wen kennen Sie, der Ihnen Auskunft über Arbeitsverhältnisse und Jobperspektiven geben und Ihnen helfen kann, Chance und Risiken der Berufswahl einzuschätzen?

Reden ist Gold

Es macht die Sache nicht einfacher, dass generell wenig bekannt ist, welche Berufe es im Kultursektor gibt. Was passiert wirklich hinter den Kulissen eines Festivals, einer Theateraufführung oder eines Konzerts? Die beste Möglichkeit, das zu erfahren, ist es, sich online z.B. über die Berufsbild-Serie oder den regelmäßigen Arbeitsmarkt-Bericht von Kultur Management Network zu informieren. Gleichzeitig empfiehlt es sich, das Gespräch mit Menschen zu suchen, die bereits im Sektor tätig sind. Nach dem Prinzip, wer kennt jemanden, der jemanden kennt, der in der Marketingabteilung des Stadttheaters arbeitet und Sie mit dieser Person bekannt machen kann? Die gute Nachricht: KulturmanagerInnen sind in der Regel kommunikativ und sprechen gerne über ihren Job. Und Sie können gleich ein weiteres wichtiges Thema abfragen: Welche Ausbildung hat Ihr Gegenüber zum aktuellen Job geführt? Welchen Studiengang kann er/sie Ihnen empfehlen?

Einen Job im Kulturmanagement zu haben bedeutet im besten Fall, sich gut die Existenz sichern zu können. Einige wenige verdienen äußerst gut, die Mehrheit arbeitet zu geringeren Stundensätzen als in anderen Bereichen der Wirtschaft – egal ob akademische Ausbildung oder nicht. Für eine Karriere im Kulturmanagement ist es neben der eigenen Leidenschaft deshalb besonders wichtig, auch Hintergrundinfos zu recherchieren und die Schritte genau zu planen.

Präsentation
Foto: Sandra Rindler | Sommerakademie 2018

Woran erkenne ich einen guten Kulturmanagement-Studiengang?

Wenn Sie sich Klarheit verschafft und ein ungefähres Bild von Ihrer beruflichen Zukunft haben, sind Sie als nächstes mit einer Fülle an Angeboten konfrontiert und haben schon wieder die Qual der Wahl.

Der Ausbildungsweg von KulturmanagerInnen ist nicht so standardisiert wie beispielsweise der von AnwältInnen oder TierärztInnen. Um im Kulturmanagement erfolgreich zu sein, muss man auch nicht unbedingt Kulturmanagement studieren. Ein abgeschlossenes Studium in einem anderen Fach und praktische Erfahrung können Sie ebenfalls an eine interessante Position bringen. Allerdings hat eine solide Kulturmanagement-Ausbildung im Vergleich zu einem allgemeinen kultur- oder geisteswissenschaftlichen Studium den Vorteil, dass sie Ihnen einen sehr guten Ein- und Überblick in die aktuellen Fragen und Entwicklungen gibt – und in vielen Fällen tatsächlich bessere Einstiegschancen mit sich bringt. Ein weiterer Vorteil ist die Vernetzung mit den anderen TeilnehmerInnen sowie mit den DozentInnen und Gästen, die im Gegensatz zur meist wissenschaftlichen Karriere der meisten Geisteswissenschafts-Lehrenden, aus der Praxis kommen.

Zu den inhaltlichen Aspekten kommen auch organisatorische Fragen, die Sie sich in Bezug auf Ihre Laufbahn beantworten sollten: Sehen Sie sich in Zukunft beispielsweise eher regional oder international tätig? Eher in einer Metropole oder im ländlichen Raum? Das Besondere am Kulturmanagement ist, dass die Kenntnisse und Fähigkeiten, die ich brauche, weltweit ähnlich sind. Die Festivalorganisation folgt in Südamerika oder Bulgarien den gleichen Schritten: von der Ideenfindung über die Planung bis zur Durchführung und Vermarktung. Anders sind jeweils die Rahmenbedingungen und die kulturellen Gepflogenheiten – das „Handwerkszeug“ zu Kulturmanagement ist weltweit anwendbar. Ein Studium im Ausland kann also die Keimzelle Ihres internationalen beruflichen Netzwerkes sein und das Gelernte können Sie auf jeden Fall auch in Deutschland anwenden.

Als nächstes ist zu überlegen, ob Sie sich schon in der Ausbildung spezialisieren möchten – z.B. auf den Museumbereich. Dann sollten Sie in Richtung Museum Studies gehen. Vielleicht ist es auch weniger die Sparte als ein Tätigkeitsfeld, das Sie interessiert und für das Sie Talent haben, wie z.B. Marketing oder Eventmanagement. Falls Sie sich noch nicht festlegen möchten, suchen Sie einen Studiengang, der Ihnen Einblick in möglichst verschiedene Felder gibt.

Damit haben Sie schon Anhaltspunkte, nach denen Sie sich die Curricula genau durchlesen sollten. Das erste Kennenlernen eines Studiengangs findet über dessen Selbstdarstellung und Werbematerial statt. Papier ist geduldig, doch bleibt immer ein Rest Unsicherheit, ob alles, was niedergeschrieben wurde, auch der Realität entspricht und gelebt wird. Eine gesunde Skepsis ist hier auf jeden Fall angebracht.

Um Enttäuschungen zu vermeiden, sollten Sie im Vorfeld Zeit und Energie investieren. Machen Sie sich ein möglichst persönliches Bild vom Studiengang und seiner Organisation!

Gruppenarbeit
Foto: Sandra Rindler | Sommerakademie 2018

Persönlicher Termin mit der Lehrgangsleitung

Im nächsten Schritt sollten Sie das persönliche Gespräch mit den Leitungen verschiedener Studiengänge suchen (auch telefonisch oder per Skype), die für Sie in die engere Wahl kommen. Stellen Sie Ihre individuelle Fragenliste zusammen und vergleichen Sie am Ende die unterschiedlichen Angebote. Erläutern Sie der Lehrgangsleitung auch Ihre beruflichen Ziele und die damit verbundenen Kompetenzen, die Sie im Lehrgang erwerben möchten. Lassen Sie sich AbsolventInnen nennen, deren Profil ­­– also Hintergrund und Ausbildungsziel – mit Ihrem vergleichbar ist. Wenn solche Kontakte rasch und unkompliziert hergestellt werden, ist das ein gutes Zeichen: Die AbsolventInnen sind der Hochschule eng verbunden und die Leitung macht sich keine Sorgen darüber, wie über den Studiengang gesprochen wird. Recherchieren Sie zusätzlich aber auch selbst AbsolventInnen. Aus der Bereitschaft der Leitung, sich mit Ihren Fragen auseinanderzusetzen, und der Ausführlichkeit und Aussagekraft der Antworten können Sie schon erste Rückschlüsse auf die Qualität der Betreuung der Studierenden ziehen.

Ein möglicher Fragenkatalog kann z.B. so ausschauen:

  • Wie schätzen Sie die Entwicklung des Arbeitsmarkts Kultur in den nächsten 10 Jahren ein und in welcher Weise bereitet mich Ihr Studiengang darauf vor?
  • Was unterscheidet Ihren Studiengang von den anderen AnbieterInnen – was ist das Besondere?
  • Welche zusätzlichen Angebote zu den Vorlesungen bieten Sie Ihren Studierenden (Exkursionen, Work Placements, Vernetzungstreffen, Konferenzen usw.)?
  • Was genau wird in der Abschlussarbeit und der Prüfung verlangt? (Schauen Sie sich aktuelle Abschlussarbeiten an!)
  • Wer sind die DozentInnen und welchen Praxisbezug haben sie?
  • Wo arbeiten Ihre AbsolventInnen? Lassen Sie sich Zahlen und Beispiele nennen.
  • Welche konkreten Kompetenzen erwerbe ich im Studiengang?
  • Werde ich ein Projektbudget oder einen Businessplan erstellen können?
  • Werde ich ein Team leiten können?
  • Werde ich einen EU-Förderantrag stellen können?

Ergänzen Sie meine Vorschläge mit Ihren individuellen Fragen.

Hören Sie sich im Freundes- und KollegInnenkreis um – der Ruf, den ein Lehrgang hat, sollte auch ein Auswahlkriterium sein. Zwar gibt es keine offiziellen Rankings für Kulturmanagement-Studiengänge im deutschsprachigen Raum, dennoch können Sie sich mit den Kriterien beschäftigen, nach denen solche Rankings für andere Studienbereiche aufgestellt werden. Auch administrative Aspekte wie Studienkosten und -ort sollten eine Rolle spielen.

Und zum Schluss noch ein Tipp: Wenn Sie den richtigen Studiengang gefunden haben, können Sie sich immer noch nicht zurücklehnen – jetzt geht die Arbeit erst richtig los! Überprüfen Sie während des Studiums konsequent Ihre eigenen Ziele. Nutzen Sie jede Lehrveranstaltung, jede Exkursion und jedes Projekt für Kontakte, Interviews etc. Machen Sie sich in der Szene sichtbar und wählen Sie das Thema Ihrer Abschlussarbeit so, dass es Ihnen Türen öffnet und Sie wichtige Menschen und Organisationen kennenlernen können und umgekehrt.

Meine Empfehlung zur Berufs- oder Studienorientierung für alle, die ganz am Beginn stehen:

Die Kulturkonzepte-Sommerakademie für Kulturmanagement 2019, die wieder zwei Wochen im Juli stattfinden wird. Dort bekommen Sie einen sehr guten Überblick über den Kultursektor, durchlaufen ein intensives Bewerbungstraining und lernen die Grundlagen der Planung und Finanzierung von Kulturprojekten. Achtung: Die Anmeldephase läuft bereits und die Plätze sind begrenzt! Sichern Sie sich rasch Ihren Platz!

Lesen Sie hier den Nachbericht zur Sommerakademie 2018!

 

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