Jetzt ist die Stunde der Kulturvermittlung! - Institut für Kulturkonzepte
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Foto: © zoomKindermuseum
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Kategorie: Kulturvermittlung Jetzt ist die Stunde der Kulturvermittlung! 09.11.2020

Andrea Zsutty, Leiterin des Lehrgangs Kulturvermittlung und Direktorin des ZOOM Kindermuseums in Wien, ist am 11. November zu Gast in unserem Online-Info-Workshop „Jobperspektive Kulturvermittlung – alles anders durch Corona?“ 
Karin Wolf hat schon vorab ein Interview mit ihr geführt.

Die Kulturvermittlung ist von den Einschränkungen durch Corona besonders betroffen. Was sind deine Gedanken zur aktuellen Lage und zur nahen Zukunft?

Die Lage der KulturvermittlerInnen ist derzeit sehr unterschiedlich, je nachdem ob ich einen sicheren Arbeitsplatz in einer Institution habe, die Gestaltungswillen zeigt oder ob ich freischaffend bin und meine Existenz durch den Wegfall der Aufträge bedroht ist.

Was jetzt in den einzelnen Häusern, egal welcher Sparte, möglich ist, hängt sehr stark davon ab, wie flexibel  und dialogisch grundsätzlich mit dem Publikum kommuniziert wird und wurde. Durch die Pandemie wird der ganze Sektor und der Stellenwert der Vermittlung in den verschiedenen Organisationen sichtbar. Wenn die leitenden Verantwortlichen der Vermittlungsarbeit in Kurzarbeit geschickt werden, halte ich das für eine kurzsichtige Reaktion, denn da wird Potential verschenkt. Ein Nebeneffekt der Kurzarbeit ist, dass Menschen über Monate hinweg sehr spürbare Einkommenseinbußen haben. So positiv die Kurzarbeit für die Organisationen ist, es ist ein Nettoverlust für die Einzelpersonen.

Es zeigt sich jetzt sehr deutlich, wer guten Kontakt zu seinem Publikum hat. Wer bisher nur eine Einwegkommunikation gepflegt hat, steht sprichwörtlich in einer Sackgasse. Wo verschiedene Kommunikationswege etabliert und gepflegt wurden, ist es natürlich leichter. Bei den KulturvermittlerInnen liegt das Potential einer Institution, kreative Lösungen zu entwickeln, wie man unter erschwerten Bedingungen trotzdem in Kontakt mit dem Publikum kommt. Wir benötigen genau jetzt dieses Know how: wie treten wir in Kommunikation mit unserem Publikum, wie bleiben wir in Kontakt mit ihm?

Wir im ZOOM Kindermuseum tun uns sicher leichter als andere. Ich kann meine Ausstellungen zusammen packen und in die Schulen bringen. Das  ist natürlich mit anderen Exponaten, wie einem Warhol oder einem Rembrandt anders – obwohl das Rijksmuseum in Amsterdam bringt hochwertige Rembrandt Reproduktionen auch in Altersheime!

Gibt es Lerneffekte durch Corona für den Normalbetrieb, der sich irgendwann in der Zukunft ja wieder einstellen wird? Was wird von der Krise übrigbleiben?

Die Krise erzeugt einen Turbo-Lerneffekt im digitalen Bereich. Im ersten Lockdown haben wir auch erfahren, welche Vermittlungsformate nicht funktionieren – da sind die Kulturinstitutionen sehr schnell mit allem Möglichen hinausgegangen und haben fast wahllos vieles online gestellt.  Jetzt im zweiten Lockdown kann man schon differenzierter vorgehen und sich genauer überlegen, welche Maßnahme man für welche Zielgruppe einsetzen möchte.

Corona hat auch dazu geführt, mehr über den Tellerrand zu schauen. Das Digitale ist für mich eine große Bereicherung. Videokonferenzen und Webinare mit KollegInnen aus dem In- und Ausland gehören inzwischen zum Arbeitsalltag – das wird  sicher über Corona hinaus bleiben und wir erweitern dadurch auch unseren Wirkungsgrad als Museum.

Wir haben auch gelernt, wie digitale und analoge Angebote einander ergänzen können. Auch wenn es in Zukunft verstärkt digitale Angebote geben wird, sind mir die Vorzüge vom analogen Kunsterlebnis doch deutlich vor Augen geführt worden.

Ein weiteres Ergebnis ist, dass wir unseren Methodikfächer erweitert haben. Wir haben erlebt welche neuen Formate funktionieren und welche nicht. Im ersten Lockdown haben wir „ZOOM Selbermachen“ entwickelt. Wir wiederholen es aber nicht, sondern richten jetzt mit unserem Lieferservice den Fokus auf die Schulen. Als der zweite Lockdown verkündet wurde, war klar:  wir kommen nicht in die Schulen hinein, die SchülerInnen kommen nicht aus der Schule hinaus – also bringen wir das ZOOM in die Schulen. Ich habe mir gedacht, wenn ein Restaurant Essen liefern darf, dann darf ein Museum auch Kunst liefern.

Das Zoom Team  hat sofort unglaublich flexibel reagiert: Am Samstag wurde verkündet, dass die Museen schließen müssen, übers Wochenende habe ich die Idee des Lieferservice entwickelt und am Montag meinem Team vorgestellt. Dann haben wir ausgewählte Hands-On Stationen restauriert, Kisten für den Transport gebaut und kurze Erklärungsvideos für die Schulen produziert, wie sie die Exponate benutzen können. Eine Woche nach der Schließung wird nun die erste Schule beliefert!

Mit unseren neuen mobilen Angeboten erreichen wir sogar Schulen, die uns vorher noch nicht besucht haben.  Wir nutzen die Situation jetzt auch, um mittels Fragebögen bei den mobilen Angeboten, herauszufinden, warum das so ist und wie wir unsere Angebote in Zukunft adaptieren können.  Ich halte dieses Thema für so zukunftsweisend, dass ich dazu eine wissenschaftliche Begleitforschung zum dezentralen Arbeiten beauftragen möchte: Was sind Erfolgsfaktoren dezentraler und mobiler Angebote von Kulturorganisationen?

Am 11. November von 13.00-14.30 Uhr findet der Online-Info-Workshop „Jobperspektive Kulturvermittlung – alles anders durch Corona?“statt. Von Karin Wolf erfahren Sie, wie Sie sich für neue Herausforderungen fit machen können. Gemeinsam mit Andrea Zsutty wird Karin Wolf einen Blick in die nahe Zukunft der Kulturvermittlung machen.
Die Teilnahme am Workshop ist kostenlos, bitte melden Sie sich hier an, der Link zur Online-Veranstaltung wird Ihnen dann zugeschickt.

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